Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Algorithmen rekonstruieren überschriebene Texte

24.08.2009
Software erleichtert Studium hebräischer und arabischer Dokumente

Forscher an der israelischen Ben-Gurion University (BGU) of the Negev haben Algorithmen entwickelt, um das Studium schlecht erhaltener historischer Texte zu erleichtern. Im Rahmen eines Projekts, an dem Informatiker und Humanisten zusammenarbeiten, wollen die Wissenschaftler computergestützt auch den Originaltext sogenannter Palimpseste rekonstruieren.

"Ein Palimpsest ist ein Pergament, von dem der ursprüngliche Text abgeschabt und mit neuem Text überschrieben wurde", erklärt die projektbeteiligte Informatikerin Klara Kedem gegenüber pressetext. Der Schwerpunkt des Projekts, das in Zusammenarbeit mit Humanisten der Universität betrieben wird, liegt in der Erfassung hebräischer und arabischer Texte. Gerade der Ansatz zur Rekonstruktion von Palimpsesten könnte aber auf jegliche Schriftzeichen angewandt werden.

Das Projektziel auf technischer Ebene ist, mithilfe von hochentwickelten Algorithmen zur Textrekonstruktion und -analyse ein Open-Source-System zu schaffen, das dann genutzt werden kann, um die Forschung an historischen Dokumenten voranzutreiben. Ein Problem, das es dabei zu lösen gilt, ist die Rekonstruktion des Originaltexts bei Palimpsesten. "Dazu verwenden wir zunächst die Bildverarbeitungsmethode des Thresholding, um den neuen Text zu identifizieren", erklärt Kedem. Denn dieser ist in der Regel deutlich dünkler als Spuren des Originaltexts oder unbeschriebenes Pergament. Der einst abgekratzte Text wiederum hebt sich vom leeren Blatt ebenfalls, doch leichter, ab. Das erlaubt es, mittels Algorithmen die Position alter Schriftzeichen zu bestimmen. "Dann wenden wir Inpainting-Techniken an, um die markierten Bereiche zu vervollständigen und das restaurierte Bild zu gewinnen", so die Informatikerin. Vergleichbare Techniken kommen beispielsweise zur Bildrekonstruktion bei alten Fotos und Filmen zum Einsatz, wenn Teilbereiche schlecht erhalten sind.

"Diese Methode würde für jegliche Art von Palimpsest funktionieren, unabhängig davon, welche Schriftzeichen genutzt wurden", meint Kedem. Das BGU-Projekt umfasst aber noch weitere Algorithmen, die speziell auf hebräische und arabische Texte ausgelegt sind. Dazu zählt etwa die computerisierte Unterstützung der paläografischen Analyse. Diese befasst sich etwa mit Buchstabenformen und gebräuchlichen Abkürzungen und kann unter anderem die Datierung von Dokumenten ermöglichen. Außerdem sind viele Rekonstruktionstechniken auch für Texte interessant, die nicht überschrieben wurden, sondern einfach nur schlecht erhalten sind.

Wie gut sich die Computeralgorithmen für die Untersuchung alter Schriften bewähren, wird im Rahmen des Projekts von Humanisten wie Uri Ehrlich, Professor am Goldstein-Goren Department of Jewish Thought der BGU, anhand realer Texte untersucht. Dazu zählen unter anderem Fundstücke aus der Kairoer Geniza. In diesem Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten Raum der Ben Esra Synagoge wurden an die 200.000 Manuskripte gefunden, die Teils bis ins 9. Jahrhundert zurückgehen.

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://web.bgu.ac.il/Eng/Home/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Sicheres Bezahlen ohne Datenspur
17.10.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Saarbrücker Forscher erstellen digitale Objekte aus unvollständigen 3-D-Daten
12.10.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

17.10.2017 | Informationstechnologie

Pflanzen gegen Staunässe schützen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Trends der Umweltbranche auf der Spur

17.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz