Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Agile Methoden können ein Schritt zur Industrialisierung der Softwareentwicklung sein

03.12.2009
Rauchende Schlote, rigide Vorgaben, Fließband - diese Assoziationen ruft der Begriff Industrialisierung wach.

Selbstorganisierte autonome Teams, kreative ganzheitliche Tätigkeit, Verzicht auf bürokratischen Ballast - daran denkt man bei Agiler Softwareentwicklung. Wie passt das zusammen?

Bei den XP Days stellte Andreas Boes vom ISF München einen neuartigen Zusammenhang her: In der Softwareentwicklung ist eine Industrialisierung neuen Typs im Gang, die sich gerade auf Agile Methoden stützt. Mit ihrer Hilfe kommen Unternehmen an das Wissen in den Köpfen der Kreativen heran. Das hat Folgen für ihren Expertenstatus - eine neue Herausforderung für die Befürworter moderner Softwareentwicklung.

Bei den XP Days 2009 in Karlsruhe vom 26.-28. November 2009 hielt Andreas Boes, Soziologe am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung - ISF München, einen Vortrag über "Agile Methoden als Wegbereiter eines neuen Typs der Industrialisierung in der Softwareentwicklung". Der eigentliche Kern jedes Industrialisierungsprozesses ist, wie Boes an der historischen Entwicklung zeigte, die Objektivierung: Ein Herstellungsprozess, der zuvor auf die individuellen Fähigkeiten und Motive der Beschäftigten angewiesen war, wird nun von den Einzelnen unabhängig, er tritt ihnen "objektiv" gegenüber.

Das muss nicht, wie in der klassischen Industrialisierung, in Form eines Fließbandes geschehen, bei dem der Arbeiter sozusagen auf ein auswechselbares Anhängsel der Maschine reduziert wird. In der "Industrialisierung neuen Typs" tritt an die Stelle des "laufenden Bandes" die Entwicklung stabiler und robuster Prozesse und intelligenter Standards, mit denen die Unternehmen versuchen, sich unabhängig von den individuellen Beschäftigten zu machen. Anders als in der "klassischen" Industrialisierung brauchen und nutzen sie die Kreativität, die Subjektivität und die Selbstorganisation etwa ihrer Entwickler für ihre wirtschaftlichen Zwecke, aber eben nicht das einzelne "geniale" Individuum - es wird ersetzbar. Eine Voraussetzung dafür ist es, an das Wissen in den Köpfen der Kreativen überhaupt heranzukommen.

Agile Methoden können dazu beitragen - obwohl sie der Intention nach auf etwas ganz anderes zielen, nämlich darauf, Individuen und Interaktionen über Prozesse und Werkzeuge zu stellen. Denn in der kommunikativen Austauschbeziehung zwischen Entwicklern und Teams wird das Wissen objektiviert, es wird dem ganzen Team zugänglich und nutzbar. So kann es geschehen, dass es zunehmend weniger auf den Einzelnen ankommt - eine Erfahrung, die heute immer mehr Entwickler machen, wie das ISF München in einer Reihe von empirischen Studien gezeigt hat.

Werden Agile Methoden so benutzt und instrumentalisiert, so können sie den Beschäftigten geradezu als Wegbereiter für eine Entwertung ihres Wissens, ihres Expertenstatus und ihrer Stellung im Unternehmen erscheinen - als Gefährdung ihres Beschäftigungsverhältnisses. Damit aber würde der Grundidee des Agilen Manifests der Boden entzogen, denn wer solche Gefahren befürchtet, wird sich nicht für Agile Methoden engagieren, und dann muss das Konzept scheitern. Das ist eine neue Herausforderung für Agile Softwareentwicklung und Extreme Programming: Wie gelingt es, die eigenen Stärken zu realisieren, also die Verbindung von konsequenter Kundenorientierung, Effizienz und menschengerechtem Arbeiten, und dabei der skizzierten Gefahr zu entgehen?

Rückfragen zu dieser Pressemitteilung können Sie jederzeit richten an:

Frank Seiß, Öffentlichkeitsarbeit am ISF München
Tel. +49 89 272921-78
frank.seiss@isf-muenchen.de

Frank Seiß | idw
Weitere Informationen:
http://www.globe-pro.de/cms/upload/Vortraege/091127_XP-Folien.pdf
http://www.xpdays.de/2009/
http://www.isf-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Mehrkernprozessoren für Mobilität und Industrie 4.0
07.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Wenn das Handy heimlich zuhört: Abwehr ungewollten Audiotrackings durch akustische Cookies
07.12.2016 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops