Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

3D ohne Brille - im Riesenformat

16.01.2015

Eine österreichische Erfindung mit Know-how der TU Wien ermöglicht eine völlig neue Generation von Outdoor-Displays. Sie zeigen von verschiedenen Winkeln betrachtet ganz unterschiedliche Bilder an und erzeugen 3D-Effekte ohne 3D-Brillen.

Gemeinschaftliches Mitfiebern vor dem Riesenbildschirm in der Fan-Zone gehört zu großen Sportveranstaltungen heute dazu. In Zukunft kann man das dank einer neuen Erfindung aus Österreich sogar in 3D genießen. Ein ausgeklügeltes Laser-System sendet unterschiedliche Lichtstrahlen in verschiedene Richtungen. Aus verschiedenen Winkeln betrachtet sind daher auf dem Bildschirm unterschiedliche Bilder sichtbar. Die Winkelauflösung ist so fein, dass man dem rechten Auge bereits ein anderes Bild präsentieren kann als dem linken – so lässt sich ein 3D-Effekt erzielen.


Werbetafeln in 3D könnten in Zukunft das Straßenbild prägen

TriLite


Das Grundelement des 3D-Bildschirms: Ein "Trixel"

TriLite

Kooperation von Start-up-Unternehmen und Universität

Das junge Start-up-Unternehmen TriLite Technologies hatte im Jahr 2011 die Idee, ein neuartiges Display zu entwickeln, das die passenden Lichtstrahlen direkt zum jeweils passenden Auge schickt. Um die hochgradig interdisziplinäre Technologie umzusetzen, wurden Forschungs- und Entwicklungskooperationen mit gleich drei Instituten der TU Wien eingegangen (Institut für Sensor- und Aktuatorsysteme, Institute of Telecommunications und Institut für Computertechnik).

Gemeinsam entwickelte man den ersten Prototypen – er hat zwar vorerst bloß eine bescheidene Auflösung von fünf mal drei Pixeln, doch er beweist, dass das System funktioniert. „Derzeit stellen wir einen zweiten Prototyp her, der Farbbilder mit besserer Auflösung zeigen wird. Entscheidend ist allerdings, dass die einzelnen Laser-Pixel funktionieren. Das Hochskalieren auf ein Display mit vielen Pixeln ist dann kein wirkliches Problem mehr“, sagt Jörg Reitterer von TriLite Technologies und Doktorand von Prof. Ulrich Schmid (Institut für Sensor- und Aktuatorsysteme).

Jedes einzelne 3D-Pixel (auch „Trixel“ genannt) besteht aus Lasern und einem beweglichen Spiegel. „Der Spiegel lenkt die Laserstrahlen immer wieder über das gesamte Sichtfeld, von ganz links bis ganz rechts. Währenddessen wird die Laser-Intensität laufend verändert, sodass unterschiedliche Laserblitze in verschiedene Richtungen geschickt werden“, erklärt Ulrich Schmid. Um den 3D-Effekt zu erleben, muss man sich in einem passenden Abstandsbereich zum Bildschirm befinden. Ist man zu weit entfernt, bekommen beide Augen dasselbe Bild präsentiert und man sieht bloß einen gewöhnlichen 2D-Film. Der gewünschte Abstandsbereich kann aber je nach Bedarf eingestellt werden.

Hunderte Bilder auf einmal

3D-Filme im Kino kommen mit bloß zwei verschiedenen Bildern aus – für jedes Auge eines. Das nun entwickelte Display hingegen kann hunderte verschiedene Bilder abstrahlen. Man kann daher am Display vorbeispazieren und ein gezeigtes Objekt von unterschiedlichen Seiten ansehen, wie einen realen Gegenstand. Dafür ist freilich ein eigenes Videoformat nötig, das vom Forschungsteam bereits entwickelt wurde.

„Man kann die heutigen 3D-Kinofilme in unser 3D-Format umrechnen, aber wir erwarten, dass Bildmaterial für unsere Displays speziell hergestellt werden wird – vielleicht auch mit einer deutlich größeren Zahl an Kameras“, meint Franz Fidler, CTO von TriLite Technologies.

Im Gegensatz zu einer Kinoleinwand ist ein solches Display sehr hell, es kann daher auch im Freien bei strahlendem Sonnenschein eingesetzt werden. Interessant ist es nicht nur für 3D-Darstellungen, sondern auch für zielgerichtete Werbung. Man könnte Displays aufstellen, die von verschiedenen Richtungen aus gesehen unterschiedliche Werbesujets zeigen.

„Vielleicht möchte man gezielt Leute im Eingangsbereich des Geschäfts gegenüber ansprechen und den Leuten an der Bushaltestelle daneben andere Inhalte präsentieren“, meint Ferdinand Saint-Julien, CEO von TriLite Technologies. Technisch ist das alles kein Problem.

Markteinführung steht bevor

„Uns freut es sehr, dass sich das Projekt so rasend schnell entwickelt hat“, sagt Ulrich Schmid. Von den ersten Entwürfen bis zum Prototyp sind bloß drei Jahre vergangen – die Technologie wurde bereits patentiert und in mehreren wissenschaftlichen Publikationen vorgestellt. Bis Mitte 2015 ist mit dem nächsten Prototypen zu rechnen, bereits 2016 ist eine Markteinführung geplant.

Rückfragehinweis:
Prof. Ulrich Schmid
Institut für Sensor- und Aktuatorsysteme
Technische Universität Wien
T: +43-1-58801-36689
ulrich.e366.schmid@tuwien.ac.at

Weitere Informationen:

http://www.tuwien.ac.at/dle/pr/aktuelles/downloads/2015/3d/ Fotodownload
http://www.opticsinfobase.org/oe/abstract.cfm?uri=oe-22-22-27063 Originalpublikation

Dr. Florian Aigner | Technische Universität Wien

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Mehrkernprozessoren für Mobilität und Industrie 4.0
07.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Wenn das Handy heimlich zuhört: Abwehr ungewollten Audiotrackings durch akustische Cookies
07.12.2016 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie