Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vibrationsarmes Sägen und Schleifen

25.03.2015

Egal ob Bohrmaschine oder Oszillierer – elektrische Handgeräte vibrieren stark. Ein neues Anti-Vibrationssystem verhindert nun beinahe vollständig, dass solche Werkzeuge unangenehm hin- und herschwingen. Der Oszillierer MultiMaster der Firma FEIN reduziert die Bewegungen um bis zu 70 Prozent und ist nur noch halb so laut wie sein Vorgängermodell. Fraunhofer-Forscher haben die Technologie gemeinsam mit dem Industriepartner entwickelt. Auf der Hannover Messe vom 13. bis 17. April 2015 wird das System vorgestellt (Halle 2, Stand C22).

Arbeitet man über längere Zeit mit einer Bohrmaschine oder anderen elektrischen Handgeräten, ist man schnell froh, den Armen eine kleine Erholungspause zu gönnen. Denn die Geräte vibrieren stark und sie sind sehr laut. Künftig sind Handwerker weitaus geringeren Vibrationen ausgesetzt, wenn sie bohren, sägen oder schleifen.


Das vielseitige Elektrowerkzeug der Firma FEIN vibriert um 70 Prozent weniger und ist nur halb so laut wie das Vorgängermodell. Das vielseitige Elektrowerkzeug der Firma FEIN vibriert um 70 Prozent weniger und ist nur halb so laut wie das Vorgängermodell.

© C. & E. Fein GmbH

Denn Forscher des Fraunhofer-Instituts für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF in Darmstadt haben gemeinsam mit ihren Kollegen der C. & E. Fein GmbH eine Technologie vorangetrieben, die solche Schwingungen stark reduziert. »Wir untersuchten das System grundsätzlich und entwickelten es weiter, so dass es sich auf verschiedene elektrische Handgeräte übertragen lässt«, erläutert Heiko Atzrodt, Gruppenleiter am LBF.

Und eben dies hat die Firma FEIN getan: Sie passte die Entwicklung an ein oszillierendes Elektrowerkzeug an – also an eine Maschine, deren Werkzeug sich nicht dreht, sondern in einem kleinen Winkel fast 19.500-mal in der Minute hin- und herschwingt. Ein solches Gerät kann nicht nur sägen und schleifen, sondern ebenso raspeln, polieren, schaben, schneiden, trennen, schärfen oder feilen – auch an sonst unzugänglichen Stellen.

Gehäuse vom Motor entkoppeln

Doch wie haben die Wissenschaftler es geschafft, die Schwingungen von elektrischen Handgeräten derart stark zu isolieren? »Elastomerelemente entkoppeln das Gehäuse vom Motor, sie wirken dabei wie mechanische Federn und Dämpfer«, sagt Atzrodt. Die Schwingungen übertragen sich somit nur minimal auf das Gehäuse und den Anwender. Dabei gilt es jedoch zu beachten: Isolieren die Forscher das Gehäuse zu stark, spürt der Nutzer nicht mehr, wie fest er das Werkzeug auf das Material drückt.

Die Wissenschaftler mussten daher einen Mittelweg finden zwischen Vibrationsminderung und dem Gefühl des Anwenders für das Werkzeug. Einstellen lässt sich dies über die Steifigkeiten der Elastomerelemente. Eine Simulation half den Forschern dabei, zunächst einmal den optimalen Steifigkeitsbereich zu ermitteln. Anschließend integrierten sie verschiedene Federn und Dämpfer in das Testsystem und erarbeiteten so grundlegende Entwicklungsrichtlinien.

Bis zu 70 Prozent weniger Vibrationen, 50 Prozent weniger Lärm

»Mit dem Anti-Vibrationssystem konnte die Firma FEIN die Schwingungen im Vergleich zum Vorgängermodell um bis zu 70 Prozent reduzieren«, konkretisiert Atzrodt. »Der Oszillierer erreicht bei fast allen Anwendungen die Vibrationsklasse null.« Das heißt: Handwerker oder Mitarbeiter der Automobilindustrie können nun auch ganze Arbeitstage lang mit dem Gerät arbeiten – ein Dauerbetrieb von acht Stunden am Tag ist zulässig. Und auch ihre Ohren werden dabei geschont: Der Schalldruck des Werkzeugs sank durch die Dämpfung um zirka 50 Prozent.

Mittlerweile ist der vibrationsarme Oszillierer unter dem Namen FEIN MultiMaster FMM 350 Q auf dem Markt. Auf der Hannover Messe werden die LBF-Forscher einen bisherigen sowie den neuartigen Oszillierer parallel betreiben. So können Besucher selbst den Unterschied vergleichen.

Anke Zeidler-Finsel | Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

Weitere Nachrichten aus der Kategorie HANNOVER MESSE:

nachricht Praxisnah: Rittal zeigt umfassende Lösungskompetenz für Industrie und IT
24.03.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Key Enabling Technologies auf der HANNOVER MESSE 2017
08.03.2017 | IVAM Fachverband für Mikrotechnik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: HANNOVER MESSE >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise