Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Uni Ulm auf der Hannover Messe 2013: Virtuelle Welten und ein Brückenkran im Laborformat

04.04.2013
Auch in diesem Jahr präsentieren Wissenschaftler der Universität Ulm ihre Ideen auf der Hannover Messe (8. bis 12. April).

Ingenieure um Professor Knut Graichen vom Institut für Mess-, Regel- und Mikrotechnik verdeutlichen anhand eines Brückenkrans im Laborformat, dass sich komplexe und rechenzeitintensive Regelungsansätze durchaus auf dynamische Systeme übertragen lassen – auch ohne Hochleistungsrechner.


Fabian Weiss, Simon Singler und Stefan Hörmann von Immersight (v.l.) machen Ausflüge in virtuelle Welten möglich: Dank einer von ihnen und Dominik Nuss entwickelten Videobrille kann die Nutzerin vorne im Bild ein Bad inspizieren, das es noch gar nicht gibt. Die entsprechende Planungsvisualisierung ist auf dem Bildschirm zu sehen
Foto: Uni Ulm

Außerdem stellen die Jungunternehmer von Immersight, einer Ausgründung der Universität, ihre Videotechnologie vor, die Spaziergänge durch virtuelle Welten ermöglicht. Die Ulmer Forscher nutzen den Gemeinschaftstand Baden-Württemberg (C19, Halle 2).

Immersight - Virtuelle Welten durch die Videobrille entdecken:

Eine futuristisch anmutende Kopfbedeckung mit integrierter Videobrille, eine Kamera und einen Laptop. Mehr brauchen die Ingenieure von Immersight nicht, um virtuelle Welten begehbar zu machen. Auf der Hannover Messe ermöglichen Stefan Hörmann, Dominik Nuss, Simon Singler und Fabian Weiss Standbesuchern einen Rundgang durch eine dreidimensionale Fabrikhalle der Zukunft. Die Gäste können einen Hightech-Roboter bis ins kleinste Detail inspizieren oder sich mit 360 Grad Rundumsicht völlig frei durch das Gebäude bewegen.

Und so funktioniert die innovative Technologie: Der Nutzer setzt einen Ring mit eingebauter Videobrille auf den Kopf. Auf diesem Ring sind Sensoren angebracht, die von einer Kamera aufgenommen werden. So kann die genaue Kopfposition und die Orientierung im Raum von einer Software berechnet werden. Das Ergebnis ist ein realitätsnahes Bild für jedes Auge, das den Nutzer in Echtzeit über die Videobrille erreicht. „Das System ist ganz einfach an jede 3D-Software zu koppeln. Einsatzmöglichkeiten umfassen zum Beispiel Simulationen und Trainings“, sagt Stefan Hörmann. Kürzlich haben die Ulmer Immersight mit einem Programm kombiniert, das oft von Architekten und Designern zur Planungsvisualisierung eingesetzt wird. In der Baubranche stößt diese Innovation auf großes Interesse: Dank der Videotechnologie können Planer mit ihren Kunden lange vor Baubeginn durch das künftige Eigenheim schlendern und etwa die Funktionalität des Badezimmers testen.
Die Ingenieure haben sich während ihres gemeinsamen Studiums der Elektrotechnik beziehungsweise Informationssystemtechnik an der Universität Ulm kennengelernt. Unterstützt von Professor Klaus Dietmayer, Leiter des Instituts für Mess-, Regel- und Mikrotechnik, haben sie Immersight entwickelt und ein Start up gegründet. Ihre Ausgründung ist an der Uni Ulm angesiedelt und wird durch das Förderprogramm EXIST des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie unterstützt. Im letzten Jahr sind die Jungunternehmer für ihre Idee mit dem Hauptpreis des Gründerwettbewerbs IKT Innovativ ausgezeichnet worden. Auf der Hannover Messe hoffen sie, neue Anwendungsfelder für Immersight zu erschließen.

Innovative Regelungs- und Optimierungsverfahren – auch für Brückenkräne:

Gleich nebenan zeigen Wissenschaftler um Professor Knut Graichen anhand eines Brückenkrans im Laborformat, dass sich so genannte modellprädiktive Regelungsansätze durchaus auf hochdynamische Systeme übertragen lassen. Dazu sind nicht einmal mehr besonders leistungsfähige Rechner nötig. Zur Erinnerung: Bei der modellprädiktiven Regelung wird das künftige Systemverhalten mit eingeplant und ein vorausschauender Stelleingriff berechnet.

Bisher konnte dieser Regelungsansatz lediglich bei ausreichend langsamen Prozessen eingesetzt werden – also zum Beispiel in der chemischen Verfahrenstechnik. Jetzt ermöglichen echtzeitfähige Verfahren und Algorithmen, die am Ulmer Institut für Mess-, Regel- und Mikrotechnik (MRM) entwickelt wurden, die Übertragung auf hochdynamische Systeme wie das Brückenkran-Modell. Dank des optimierten modellprädiktiven Regelungsansatzes lässt sich ein Lasttransport bei genauer und schwingungsfreier Positionierung der Fracht durchführen. Zudem kann der Kran mit einer einfachen speicherprogrammierbaren Steuerung (SPS) anstatt eines leistungsstarken Rechners gelenkt werden. Das spart Energie und erhöht die Betriebseffizienz. „Ein Brückenkran wie wir ihn als Modell zeigen, wird in der Hafenlogistik für den Transport von Containern oder etwa in Verladebahnhöfen eingesetzt“, erklärt Bartosz Käpernick, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am MRM und das erste Mal in Hannover dabei.

Bereits 2012 haben Professor Knut Graichen und Dr. Tilman Utz modellprädiktive Ansätze für Magnetschwebeversuche auf der Hannover Messe vorgestellt. Das Interesse aus der Industrie war groß, so dass die Ingenieure 2013 eine mögliche Anwendung zeigen: „Wir könnten unseren am Modell überprüften Regelungsansatz sofort in die Praxis übertragen und würden uns freuen, bei der diesjährigen Messe Kooperationspartner aus der Industrie zu finden“, sagen die Aussteller Graichen und Utz.

Die Hannover Messe ist die weltweit größte Industrieschau. In diesem Jahr lautet das Leitthema „Integrated Industry“. Dieses Motto verdeutlicht die zunehmende Vernetzung industrieller Bereiche: „Maschinen, Anlagen, Werkstücke und Bauteile werden künftig Daten und Informationen in Echtzeit austauschen", heißt es auf der Webseite zur Messe. Im letzten Jahr lockte die Hightech-Ausstellung rund 196 000 Besucher auf das Hannoveraner Messegelände.

Ansprechpartner/Weiteres:

Immersight:
Fabian Weiss, Tel.: 0731/280 657 43
Mobil: 0157/715 801 72
fabian.weiss@immersight.de
www.immersight.de
Modellprädiktive Regelungsansätze/Brückenkran:
Prof. Knut Graichen, Tel.: 0731/50 26304
knut.graichen@uni-ulm.de

Dr. Tilman Utz, Tel.: 0731/50 26303
tilman.utz@uni-ulm.de

Annika Bingmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.youtube.com/watch?v=-_yMXq4PLJo&feature=youtu.be
http://www.uni-ulm.de/in/mrm/forschung/regelung-und-optimierung/modellpraediktive-regelung.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie HANNOVER MESSE:

nachricht Rittal mit neuer Push-in-Leiteranschlussklemme - Kontakte im Handumdrehen
26.04.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Neuer Blue e+ Chiller von Rittal - Exakt regeln und effizient kühlen
25.04.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: HANNOVER MESSE >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Selbstheilende Katalysatoren für die Wasserstoffproduktion

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Herpesviren den Wettlauf mit dem Immunsystem gewinnen

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie