Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Intelligente Schutzhose stoppt Kettensäge

05.04.2011
Das TZI entwickelt in drei Projekten Smart Textiles mit Partnern aus der Industrie

Apple und Nike haben sie bereits populär gemacht. Die Rede ist von Smart Textiles, intelligenter Kleidung. In diesem Fall ein Schuh, der beim Joggen via Sensor mit dem iPod kommuniziert.

Auch die Forscher des Technologie-Zentrums Informatik und Informationstechnik (TZI) der Universität Bremen entwickeln in Projekten mit Anwendungspartnern aus der Industrie Smart Textiles für hoch komplexe Anforderungen. So im Projekt „Horst“ eine intelligente Schutzhose für die Arbeit mit Kettensägen. Kommt letztere dem menschlichen Körper zu nah, soll sich der Motor automatisch abschalten.

Oder im Projekt „Glovenet“, wo die Forscher einen Gesten- und Datenhandschuh für den Notfalleinsatz, etwa bei der Feuerwehr, konzipieren und als Prototypen realisieren. Mit diesem sollen die Einsatzkräfte im Brandfall ohne Sichtkontakt via Gesten wichtige Informationen an die Einsatzleitung weitergeben. Zudem hilft ein integrierter Temperatursensor bei der Abschätzung von Gefahren. „Wir greifen dabei auf die Gesten aus der Feuerwehr-Dienstvorschrift zurück und versuchen diese dank ausgefeilter Sensorik übertragbar zu machen“, erläutert Projektleiter Christof Breckenfelder. „Der Temperatursensor kann den Einsatzkräften vor Ort wichtige Entscheidungshilfen geben. Etwa: Schlage ich die Tür jetzt ein oder wird es dann zu heiß für den Schutzanzug?“

Und im dritten Projekt „Chronious“ wird ein intelligentes T-Shirt entwickelt, das chronisch Kranken ein sicheres Leben zuhause ermöglichen soll und kontinuierlich die Körperfunktionen und Aktivitäten der Menschen überwacht. „Nimmt der Patient nicht rechtzeitig seine Medikamente ein oder nicht genug Flüssigkeit zu sich, erhält er eine Warnung – etwa über eine drahtlose Verbindung zu einem digitalen Fernseher. Und dieser tragbare IT-Assistent alarmiert bei Unregelmäßigkeiten sofort den Arzt über Internet oder Handy“, schildert Professor Michael Lawo, der das Leitthema Mobile Lösungen am TZI koordiniert. Alle drei Anwendungen haben gemeinsam, dass sie absolut zuverlässig sein müssen, um später in der Praxis tatsächlich zum Einsatz zu kommen. Dabei ist die Hardware dank fortschreitender Miniaturisierung kein Problem mehr. Eher die Stromversorgung von intelligenter Kleidung, denn so ein Live-Shirt sollen die Patienten oder auch Feuerwehrleute ja nicht mehr und anders spüren als ein normales Unterhemd.

Eine Herausforderung stellt auch die Sensortechnik bei der intelligenten Schutzhose dar. Wie nah darf die Kettensäge der Hose kommen, damit ein Abbremsen noch möglich ist? Wie lassen sich die Armbewegungen genau lokalisieren? „Klar ist: Die Technik darf die Arbeit etwa der Forstleute nicht beeinträchtigen. Diese sollen ja von der intelligenten Schutzhose profitieren durch mehr Sicherheit bei einer dank weniger Schnittschutzlagen leichteren Hose“, erklärt Breckenfelder. Zwei Jahre haben die Forscher Zeit, bei „Glovenet“ ein halbes Jahr mehr. Dort ist als Anwendungspartner die Feuerwehr Reutlingen mit im Boot. „Feuerwehren sind über Gestenerkennung und Temperatursensor hinaus vor allem an einem Thema interessiert: Wie finde ich Einsatzkräfte, wenn sie sich nicht mehr melden“, sagt Breckenfelder. Doch die Ortung über Sensoren in einem Gebäude ist noch immer nicht exakt, sondern nur über Annäherungen möglich. „Wir sind da auf einem guten Weg, wollen den Partnern aber vorab nicht zu große Hoffnungen machen“, erklärt Breckenfelder.

Bereits im 2009 beendeten EU-Forschungsprojekt wearIT@work mit 42 Partnern aus Hochschulen und Unternehmen, darunter Global Player wie SAP, Microsoft, Skoda, EADS, Hewlett Packard oder Zeiss, entwickelten Mitarbeiter des TZI in Kooperation mit der Pariser Feuerwehr einen in den Stiefel integrierten Sensor für die Lokalisierung und einen Schutzhelmmonitor für die Datenübermittlung . „Die Themen persönliche Schutzausrüstung und Gesundheit stehen im Fokus unserer Forschungsarbeit bei Smart Textiles“, berichtet Michael Lawo.

Knut Köstergarten | www.wortpiraten.de
Weitere Informationen:
http://www.tzi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie HANNOVER MESSE:

nachricht Rittal mit neuer Push-in-Leiteranschlussklemme - Kontakte im Handumdrehen
26.04.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Neuer Blue e+ Chiller von Rittal - Exakt regeln und effizient kühlen
25.04.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: HANNOVER MESSE >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie