Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hannover Messe 2013: Neue Dämmputze für Bambergs Altstadt

26.03.2013
Das »gewisse Etwas« haben sie, mit Energieeffizienz können unsanierte alte Gebäude dagegen nicht aufwarten. Wie sie sich energieeffizient verbessern und mit erneuerbaren Energien versorgen lassen, daran arbeiten Forscher im europäischen Projekt EFFESUS – gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Verwaltung. Auf der Hannover Messe vom 8. bis 12. April stellen sie das Projekt vor (Halle 1, Stand E16).
Ob Bamberg, Santiago de Compostela oder Budapest – Altstädte verbreiten Charme und locken mit gemütlichen Straßencafés Touristen wie Einheimische an. Doch so schön die historischen Gebäude und Quartiere auch aussehen, energetische Verbesserungen sind auch hier notwendig. Die Wände sind teilweise schlecht isoliert, die Fenster oft zugig, die Heizungsanlagen nicht gerade sparsam.

Diese Bilanz soll sich bessern: 23 Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft und kommunaler Verwaltung aus 13 verschiedenen europäischen Staaten haben sich im Projekt EFFESUS zusammengeschlossen, um historischen Stadtquartieren zu mehr Energieeffizienz zu verhelfen. Beteiligt sind unter anderem das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Holzkirchen und Kassel sowie das Fraunhofer-Zentrum für Mittel- und Osteuropa MOEZ in Leipzig. Die Abkürzung EFFESUS steht dabei für »Energy Efficiency for EU Historic Districts Sustainability«.
Das Gesamtbudget des Projekts umfasst 6,7 Millionen Euro. Länderübergreifend entwickeln die Forscher unter anderem neue Technologien und Materialien zur Fensterreparatur und zur Innendämmung, einen Dämmputz und reflektierende Beschichtungen. »Jede Technologie machen wir an einer Fallstudie fest – also einer europäischen Stadt, in der die Technologie an einem historische Gebäude überprüft wird«, sagt Dr. Britta von Rettberg, Scientific and Technical Coordinator des Projekts. Die sieben Städte Bamberg (Deutschland), Santiago de Compostela (Spanien), Genua (Italien), Budapest (Ungarn), Istanbul (Türkei), Glasgow (Schottland) und Visby (Schweden) in denen die Fallstudien stattfinden, umfassen verschiedene Klimazonen.

Bambergs Altstadthäuser mit neuem Putz

So sollen reflektierende Beschichtungen unter der Sonne Istanbuls und Dämmputze in Bamberg zeigen, was sie können. Die Bamberger sind stolz, an dem Projekt teilzunehmen. »Wir wollen zeigen, dass Bamberg nicht nur eine mittelalterliche Stadt ist, sondern dass wir auch modern denken«, sagt Michael Ilk, Stadtrat der Stadt Bamberg. »Das Thema Energieeinsparung ist ein bundesweites Thema – wenn wir über das Projekt Effesus ein Mosaiksteinchen dazu beitragen können, wäre das klasse.«

Doch warum sollte man für historische Gebäude einen anderen Dämmputz brauchen als für neue Häuser? »Herkömmliche Dämmputze sind mit bis zu zehn Zentimetern recht dick. Vorsprünge und andere Details gehen verloren oder lassen sich nicht mehr eindeutig ablesen. Ziel ist es daher, Dämmputze mit nur zwei bis drei Zentimetern Dicke zu entwickeln«, sagt Claudia Schindler, Wissenschaftlerin am IBP. Dazu kombiniert der niederländische Hersteller den Putz mit dämmenden Aerogelen – also hochporösen Festkörpern, deren Volumen bis zu 99,98 Prozent aus Poren besteht und die Wärme daher gut im Haus hält.

Bevor diese Dämmputze jedoch auf Bambergs historischen Fassaden aufgebracht werden, sind von den Forschern wissenschaftliche Untersuchungen – an eigens für solche Versuche gebauten Testhäusern – durchzuführen. Erst wenn die Putze hier gute Ergebnisse erzielt haben, versehen die Wissenschaftler eine etwa hundert Quadratmeter große Wand des Bamberger Rathauses Geyerswörth damit. »Bevor wir den Putz auftragen, untersuchen wir den Wandzustand. Den Dämmputz versehen dann wir mit Messsensorik«, sagt Schindler. Mittels Sensoren können die Temperatur und der Feuchtegehalt des Putzes bestimmt werden, um deren Einflüsse auf die Wärmeübertragung zu ermitteln. Zudem analysieren die Forscher, wie sich der Energiebedarf des Raumes ändert, der direkt hinter der zu verputzenden Wand liegt.

Entscheidungshilfe Software

Weiterhin ist eine zentrale Aufgabe von EFFESUS, eine Software zu entwickeln, die es Architekten und anderen Experten erleichtern soll, Entscheidungen zu treffen. Die Software liefert ihnen beispielsweise konkrete Informationen darüber, welche Möglichkeiten es in den jeweiligen Quartieren zur Energieerzeugung gibt – und welche von vorne herein durch die Struktur des Stadtviertels ausgeschlossen werden können. Welche Daten müssen in das System eingegeben werden? Welche dienen nur zum »Verfeinern« der Ergebnisse? Wie kommt man an diese Daten und wie müssen sie aufbereitet sein? Diese Fragen wollen auch die IBP-Wissenschaftler im Projekt EFFESUS klären.

Franz Miller | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://fraunhoferhannovermesse.wordpress.com/
http://www.fraunhofer.de/de/veranstaltungen-messen/hannover-messe-2013.html

Weitere Berichte zu: Beschichtung Dämmputz EFFESUS Energieeffizienz IBP

Weitere Nachrichten aus der Kategorie HANNOVER MESSE:

nachricht Rittal mit neuer Push-in-Leiteranschlussklemme - Kontakte im Handumdrehen
26.04.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Neuer Blue e+ Chiller von Rittal - Exakt regeln und effizient kühlen
25.04.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: HANNOVER MESSE >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften