Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gassensoren spüren einzelne Schadstoff-Moleküle unter einer Milliarde Luft-Molekülen auf

26.03.2014

Messtechniker der Saar-Universität haben kostengünstige Sensorsysteme entwickelt, die kleinste Spuren von Gasen, zum Beispiel von Luftschadstoffen, zuverlässig aufspüren können.

Ihre Forschungsergebnisse setzen die Ingenieure aus dem Team von Andreas Schütze und die aus seinem Lehrstuhl gegründete Firma 3S GmbH in Praxis-Anwendungen um:


Donatella Puglisi von der Uni Linköping, die am Lehrstuhl von Prof. Andreas Schütze Messungen durchgeführt hat, zeigt den winzigen Sensor, der kleinste Spuren von Gasen zuverlässig aufspüren kann. Foto: Oliver Dietze

Derzeit bringen Sie ein Sensorsystem zur Marktreife, das ermöglicht, Gebäude automatisch zu lüften, wenn die Schadstoffkonzentration zu hoch ist - wobei zugleich der Energieverbrauch des Gebäudes halbiert werden kann.

In zwei Projekten entwickeln die Forscher ihre Technik mit internationalen Partnern weiter, gefördert von EU und Bundesforschungsministerium.

Vom 7. bis 11. April stellen sie ihre Sensorsysteme auf dem saarländischen Forschungsstand auf der Hannover Messe vor (Halle 2, Stand C 48).

In Innenräumen herrscht bei geschlossenem Fenster schnell „dicke Luft“. Nicht nur, dass die Luft verbraucht und mit zu viel Kohlendioxid angereichert ist, was die Raum-Insassen müde und unkonzentriert werden lässt.

„Weitaus problematischer sind vor allem die flüchtigen organischen Verbindungen wie Formaldehyd, Benzol oder Naphthalin, die aus Möbeln, Teppichböden, Wandfarben oder Lacken ausdünsten. Da kann es schnell zu gesundheitsschädlichen Konzentrationen kommen, die für den Menschen aber geruchlos sind“, sagt Professor Andreas Schütze von der Saar-Uni.

Zusammen mit der Firma 3S, die sich aus seinem Lehrstuhl heraus gegründet hat, entwickelt der Messtechniker mit internationalen Partnern aus Forschung und Wirtschaft derzeit ein Sensorsystem für Luftschadstoffe. Dieses soll in Zukunft in Innenräumen kostengünstig und rund um die Uhr gleichbleibend für gute Luftqualität sorgen.

„Wenn die Luft im Raum zu schlecht wird, die Sensoren also Schadstoffkonzentrationen messen, die bestimmte Grenzwerte übersteigen, sorgt eine ausgeklügelte Lüftungstechnik über die Klimaanlage automatisch für Frischluft“, erläutert Schütze.

Dadurch, dass das Sensorsystem gezieltes Lüften möglich macht, kann der Energieverbrauch von Gebäuden nach den Erkenntnissen der Forscher halbiert werden. „Dies ist – mit Blick auf die CO2-Ziele – auch aus Klima- und Umweltschutzgründen interessant“, sagt er.

„Wir erforschen derzeit verschiedene Nutzungsszenarien etwa in Schulen, Büroräumen oder Privathaushalten. Ziel ist, das System so fortzuentwickeln, dass es sich genau an bestimmte Einsatzgebiete anpassen kann und die Lüftung optimal auf die jeweilige Nutzung abstimmt. Zum Beispiel, indem es Büroräume automatisch kurz vor der anberaumten Besprechung, oder Schulräume vor Unterrichtsbeginn lüftet“, erläutert der Gassensor-Experte.

Die Sensoren erfassen alle Arten von Gasen – von Kohlenmonoxid bis hin zu krebserregenden organischen Verbindungen –, unterscheiden diese und bestimmen ihre Konzentrationen. Auch kleinste Spuren entgehen den hochempfindlichen künstlichen Sinnesorganen nicht.

„Wir entwickeln hierzu die zum Einsatz kommenden Halbleiter-Gassensoren auf Metalloxid-Basis und so genannte gassensitive Feldeffektsensoren mit unseren Projektpartnern so weiter, dass die Nachweisgrenze immer weiter reduziert wird“, erläutert Dr. Tilman Sauerwald, Mitarbeiter von Professor Schütze. Die Sensoren sammeln hierzu über einen bestimmten Zeitraum Moleküle und messen anschließend deren Menge. „Unter einer Milliarde Luftmolekülen können sie einzelne giftige Moleküle aufspüren“, sagt Sauerwald.

In den europaweiten Forschungsprojekten „SensIndoor“ und „VOC-IDS“ arbeiten die Ingenieure am Lehrstuhl von Professor Schütze und bei der Firma 3S GmbH hierbei mit Forschungsinstituten und industriellen Partnern in Deutschland, Frankreich, Portugal, der Schweiz, Schweden und Finnland zusammen.

Hintergrund:
Das Projekt „VOC-IDS“ (Volatile Organic Compound Indoor Discrimination Sensor) wird vom Bundesforschungsministerium mit 1,1 Millionen Euro gefördert, rund 300.000 Euro davon erhält das Team von Prof. Andreas Schütze. Weitere Partner sind die 3S GmbH, die UST Umweltsensortechnik GmbH, die Weinzierl Engineering GmbH, sowie Klimatechnik-Firmen und Forschungsinstitute in Frankreich und Portugal.

Im Projekt „SensIndoor“, das ein Gesamt-Volumen von 4,6 Millionen Euro hat, sind beteiligt Forschungsinstitute und industrielle Partner aus Schweden (Universität Linköping und Sensic AB), Finnland (Universität Oulu und Picodeon LTD OY), der Schweiz (SGX Sensortech SA), Frankreich (SARL Nanosense) und Deutschland (Saar-Uni, Fraunhofer-Institut für chemische Technologien, 3S GmbH und Eurice GmbH). Die EU fördert das Projekt im siebten Forschungsrahmenprogramm mit 3,4 Millionen Euro, rund eine Million fließt ins Saarland.

Die Firma 3S GmbH wurde 2006 als Spin-off des Lehrstuhls für Messtechnik der Universität des Saarlandes gegründet. Das Technologieunternehmen auf dem Gebiet der Gasmesstechnik hat sich auf die Entwicklung innovativer Prüftechnik zur Qualitätskontrolle spezialisiert und bietet Lösungen für Dichtheitsprüfung, Geruchsbewertung und Gasdetektion an.
http://www.3S-ing.de

Pressefotos für den kostenlosen Gebrauch: http://www.uni-saarland.de/pressefotos
Fototexte:
„Donatella Puglisi von der Uni Linköping, die am Lehrstuhl von Prof. Andreas Schütze Messungen durchgeführt hat, zeigt einen gassensitiven Feldeffekttransistor, kurz GasFET: Der winzige Sensor kann kleinste Spuren von Gasen zuverlässig aufspüren. (Foto Oliver Dietze)“

„So wie links im Bild, könnte das System schon bald in Gebäuden zum Einsatz kommen: Prof. Andreas Schütze (r.) und Thorsten Conrad von der Firma 3S GmbH entwickeln ihr Sensorsystem für Luftschadstoffe derzeit zur Marktreife. (Foto Oliver Dietze)“

Kontakt:
Forschungstechnische und methodische Fragestellungen:
Prof. Dr. Andreas Schütze, Lehrstuhl für Messtechnik
Tel.: 0681/302 4663, E-Mail: schuetze@lmt.uni-saarland.de
Dr. Tilman Sauerwald: Tel. 0681/302 2256, E-Mail: t.sauerwald@lmt.uni-saarland.de
Dipl.-Ing. Thomas Fricke: Tel: 0681 - 302 4590, E-Mail: t.fricke@lmt.uni-saarland.de
http://www.sensindoor.eu
http://www.lmt.uni-saarland.de/

Praxisnahe Fragestellungen rund um das Sensorsystem und Testinstallationen:
Firma 3S GmbH http://www.3S-ing.de
Dipl.-Ing. Thorsten Conrad, Geschäftsführung:
Tel: 0681 95 82 86 12; E-Mail: conrad@3S-ing.de

Der saarländische Forschungsstand (Halle 2, Stand C 48) ist vom 7. bis 11. April auf der Hannover Messe erreichbar unter Tel.: 0681-302-68500 sowie 0162 2137298.

Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Telefoninterviews in Studioqualität sind über Rundfunk-Codec möglich (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-64091 oder -2601).

Der saarländische Forschungsstand wird organisiert von der Kontaktstelle für Wissens- und Technologietransfer der Universität des Saarlandes (KWT). Sie ist zentraler Ansprechpartner für Unternehmen und initiiert unter anderem Kooperationen mit Saarbrücker Forschern. Die Universität des Saarlandes wird als „EXIST-Gründerhochschule“ vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. http://www.uni-saarland.de/kwt

Weitere Informationen:

http://www.uni-saarland.de/pressefotos
http://www.sensindoor.eu
http://www.lmt.uni-saarland.de/
http://www.3S-ing.de

Claudia Ehrlich | Universität des Saarlandes

Weitere Nachrichten aus der Kategorie HANNOVER MESSE:

nachricht Hohe Akzeptanz vor Markteinführung - Die Entwicklung des Großschranksystems VX25 von Rittal
24.04.2018 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Rittal digitalisiert Fertigung - Produktion weltweit nach Industrie 4.0
25.04.2018 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: HANNOVER MESSE >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics