Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biolandbau ohne Kohlfliegen

14.03.2012
Legen Kohlfliegen ihre Eier auf frisch gepflanztes Gemüse, verlieren Ökolandwirte oft die gesamte Ernte. Künftig sollen Pellets aus Cyanobakterien und Gärresten von Biogasanlagen diese Insekten auf ökologisch verträgliche Weise vertreiben – und die Pflanzen gleichzeitig düngen. Auf der Hannover-Messe vom 23. bis 27. April stellen die Forscher die Pellets vor (Halle 26, Stand C08).

Immer häufiger greifen Kunden zu Biogemüse, denn das Gemüse ist ungespritzt und nicht mit Chemikalien belastet. Die Kehrseite: Werden die Pflanzen von Schädlingen befallen, können sich die Landwirte kaum dagegen wehren. So kosten etwa die Kohlfliegen, die im Frühjahr und im Herbst ihre Eier auf frisch gepflanztem Gemüse ablegen, oft ganze Ernten. Die einzige Chance: Die Bauern warten mit dem Anbau, bis die Flugzeit der Fliegen vorbei ist.

Künftig können Landwirte die Schädlinge zuverlässig vertreiben – und dennoch dem Biolandbau treu bleiben: Über Pellets, die Forscher am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart gemeinsam mit ihren Kollegen der Westungarischen Universität in Mosonmagyaróvár/Ungarn im Auftrag verschiedener Ökolandbau-Verbände entwickelt haben. »Die Pellets bestehen vorwiegend aus Gärresten, die bei der Biogaserzeugung anfallen, enthalten aber auch 0,1 Prozent Cyanobakterien«, sagt Dr. Ulrike Schmid-Staiger, Gruppenleiterin am IGB. Bringt man die Pellets rund um das frisch gepflanzte Gemüse auf, werden die Cyanobakterien durch die Bodenflora abgebaut und ein Geruchsstoff freigesetzt, der die Kohlfliegen vertreibt. Die nährstoffhaltigen Gärreste düngen die Pflanzen zudem. Die Pellets sind gut auszubringen und die Nährstoffe für die Pflanzen direkt verfügbar.

Für die Zucht der Cyanobakterien haben die Wissenschaftler einen Flachplatten-Airlift-Reaktor eingesetzt, den sie ursprünglich für Mikroalgen entwickelt haben. In ihm können sie die Bakterien nur mit Licht, CO2 und mineralischen Nährstoffen kultivieren. Die Herausforderung dabei: Um die Bakterien zu durchmischen und an die helle Oberfläche zu treiben, strömt Luft und CO2 in den Reaktor. Die Cyanobakterien sind jedoch äußerst empfindlich: Sie gleichen in ihrer Struktur einer langen Perlenkette. Strömen die Gase mit zu viel Druck ein, zerreißen diese Ketten. Die Forscher mussten die Luftzufuhr daher so regeln, dass die Masse zwar durchmischt, die Bakterien aber nicht beschädigt werden. Anschließend werden die Cyanobakterien schonend getrocknet. Mit den Gärresten vermischt werden sie dann zu Pellets gepresst.

Die düngenden Gärreste erhalten die Forscher aus Biogasanlagen von Höfen mit Öko-Zertifizierung, in denen Gülle zu Biogas abgebaut wird. In nur 14 Tagen entstehen dabei rund 300 Liter Biogas pro Kilogramm organischer Trockenmasse. Die nicht weiter vergärbaren Reste werden getrocknet. Um die Düngewirkung dieser Gärreste noch zu verstärken, haben die Forscher sie mit üblichen Düngern aus dem Ökolandbau versetzt, unter anderem mit Hornmehl. Wie die optimale Mischung aussieht, haben sie anhand von Weidelgras herausgefunden. Denn Weidelgras kann in einem relativ kurzen Zeitraum von nur drei Monaten dreimal geschnitten werden, dabei entzieht es dem Boden viele Nährstoffe.

In Freilandversuchen in Ungarn und Spanien haben die Forscher die Pellets bereits getestet: Der angebaute Weißkohl und die Kohlrabi wurden in keinem der Versuche von Kohlfliegen befallen. Auch die Düngewirkung kann sich sehen lassen: So waren die Kohlrabis etwa doppelt so groß wie die ungedüngten. Auf der Hannover-Messe vom 23. bis 27. April stellen die Forscher das Verfahren vor (Halle 26, Stand C08). Dort können sich die Besucher sowohl die Pellets ansehen als auch den Algenreaktor.

Dr. rer. nat. Ulrike Schmid-Staiger | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2012/maerz/biolandbau-ohne-kohlfliegen.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie HANNOVER MESSE:

nachricht Prüfvorgänge servicefreundlich gestalten
20.04.2016 | PHOENIX CONTACT GmbH & Co.KG

nachricht Modulare Steckverbinder in Snap-in-Rahmen
20.04.2016 | PHOENIX CONTACT GmbH & Co.KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: HANNOVER MESSE >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher entwickeln Unterwasser-Observatorium

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Mehrkernprozessoren für Mobilität und Industrie 4.0

07.12.2016 | Informationstechnologie