Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was chinesische Bildungsmigranten hoffen

03.11.2014

Universität Bielefeld forscht mit Hochschulen in England und China

Chinesische Studierende sind weltweit am mobilsten: Unter den internationalen Studierenden in den Industrieländern stellen sie die größte Gruppe (20 Prozent). In Deutschland machen sie ebenfalls die Mehrheit aus.


Professor Thomas Faist leitet ein neues Projekt zu der Frage, was chinesische Studierende antreibt, für ihr Studium weite Entfernungen von der Heimat in Kauf zu nehmen.

Foto: Universität Bielefeld/ Thomas Abel

Jeder zehnte internationale Studierende kommt aus China. In einem neuen Forschungsprojekt befragt die Universität Bielefeld chinesische Studierende, was sie sich davon versprechen, in Europa zu studieren. Außerdem werden Studierende in China selbst befragt, die für ihr Studium weite Entfernungen von Zuhause sowohl innerhalb Chinas als auch ins Ausland in Kauf nehmen.

Für das Projekt „Bright Futures“ (Glänzende Aussichten) arbeitet die Universität mit der University of Essex (England) und der University of Tsinhua (China) zusammen. Es ist weltweit das erste Projekt, das die Einstellungen und Erfahrungen chinesischer Studierender länderübergreifend in Europa und China untersucht.

„Für China ist die Mobilität von Studierenden ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Studierende machen sich im Ausland mit neuen Techniken und Erkenntnissen vertraut und importieren dieses Wissen in ihr Land“, sagt Professor Thomas Faist von der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld. „Gleichzeitig erhoffen sie sich durch diese Bildungsmigration blendende Aussichten für ihre berufliche Karriere.“ Faist leitet die deutsche Teilstudie des Projekts zusammen mit Dr. Basak Bilecen, die ebenfalls an der Fakultät für Soziologie forscht.

„Dass junge Menschen ihre Lebenssituation durch Hochschulbildung verbessern wollen, sorgt dafür, dass sie millionenfach zeitweise ins Ausland gehen“, sagt Basak Bilecen. „Die Rückkehrer kommen oft mit alternativen weltanschaulichen Einstellungen nach Hause. Auch pflegen sie ihre Bekanntschaften mit Studienkollegen im Ausland. All das trägt zur Internationalisierung Chinas bei“, erklärt sie.

Auch innerhalb Chinas spiele die Migration von Studierenden eine große Rolle, sagt Thomas Faist. „Heute leben mehr Chinesen in den Städten als auf dem Land. Ein Teil von ihnen sind junge Menschen, die ihr Elternhaus verlassen, um in einer der großen chinesischen Städte zu studieren. Wir schätzen, dass es rund 45 Millionen Studierende sind, die für die Hochschulbildung vom Land in die Stadt umgezogen sind.“

Das neue Projekt vergleicht die Erfahrungen von chinesischen Studierenden in Europa und in China. Die Forscherinnen und Forscher analysieren dafür unter anderem, aus welchen Bevölkerungsschichten die Studierenden kommen. Außerdem untersuchen sie, wie sich die Erlebnisse in der Ferne auf die Lebensplanung der jungen Menschen auswirken. So kann die Bildungsmigration auch dazu führen, dass Studierende ihre ursprünglichen Pläne ändern und sich ganz neue Ziele setzen, ob nun beruflich oder im Hinblick auf den Wohnort. Die Wissenschaftler erfragen auch, was die Studierenden sich von der oft teuren Hochschulbildung erhoffen und wie Bildungsinstitutionen die Erwartungen und die Studienmöglichkeiten der Studierenden prägen.

Das Projekt trägt den vollen Titel „Bright Futures: A comparative Study of internal and international Mobility of Chinese Higher Education Students“ (Glänzende Aussichten: eine vergleichende Studie der Binnenmobilität und der internationalen Mobilität chinesischer Studierender). Es hat eine Laufzeit von drei Jahren und wird insgesamt mit zwei Millionen Euro gefördert. Davon gehen etwa 600.000 Euro an die Universität Bielefeld. Sie erhält das Geld von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). In China fördert die National Natural Science Foundation of China (NSFC) die Untersuchung, in England kommt die Förderung vom Economic and Social Research Council (ESRC).

Kontakt:
Prof. Thomas Faist PhD, Universität Bielefeld
Fakultät für Soziologie
Telefon: 0521 106-4650
E-Mail: thomas.faist@uni-bielefeld.de

Dr. Basak Bilecen, Universität Bielefeld
Fakultät für Soziologie
Telefon: 0521 106-4631
E-Mail: basak.bilecen@uni-bielefeld.de

Jörg Heeren | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-bielefeld.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht Sterblichkeit durch Rauchen für ostdeutsche Frauen bald höher als für westdeutsche
10.05.2017 | Max-Planck-Institut für demografische Forschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten