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Wachstum trotz Zuwachs

22.07.2013
Ein neues Positionspapier des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung stellt die Bedeutung von Bevölkerungsdynamiken für die künftige internationale Entwicklungsagenda heraus

Zum diesjährigen Weltbevölkerungstag am 11. Juli hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unter dem Titel „Bevölkerungsdynamik in der Entwicklungszusammenarbeit“ ein neues Positionspapier vorgestellt.

Damit nimmt die deutsche Bundesregierung eine internationale Vorreiterrolle ein. Denn lange Zeit wurde schlichtweg ignoriert, dass Fort- und Rückschritte der Entwicklungsländer auch von demografischen Faktoren abhängen.

Auf den engen Zusammenhang zwischen Bevölkerungsdynamik und Entwicklung hat das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung bereits 2010 mit dem Discussion Paper „Schwieriges Wachstum“ aufmerksam gemacht. Darin konzentriert sich der Berliner Thinktank auf die Staaten Subsahara-Afrikas. In dieser Region finden sich einerseits die ärmsten Länder der Welt mit überaus hohen Geburtenraten und damit auch starkem Bevölkerungswachstum. Andererseits verzeichnet Subsahara-Afrika schon seit mindestens einem Jahrzehnt ein hohes Wirtschaftswachstum. Das Bruttoinlandsprodukt steigt jährlich um fünf Prozent und das soll, laut Prognosen, trotz weltweiter Wirtschafts- und Finanzkrise so bleiben. Gleichzeitig haben sich in fast allen Ländern der Region die politischen und sozialen Rahmenbedingungen verbessert und sorgen damit für einen höheren Lebensstandard.

Voraussetzung für einen anhaltenden Erfolg ist allerdings, dass das Bevölkerungswachstum dauerhaft zurückgeht. Ansonsten drohen die Fortschritte der vergangenen Jahre durch große nachwachsende Generationen wieder zunichte gemacht zu werden. Eine Verdoppelung der Bevölkerung, wie sie den meisten afrikanischen Staaten bevorsteht, ist auch in wirtschaftlich günstigen Zeiten nur schwer zu bewältigen.

Sinkende Geburtenzahlen führen nicht nur zu verlangsamtem Bevölkerungswachstum, sondern auch zu einer verbesserten Altersstruktur. Denn durch geringe Fertilitätsraten verschiebt sich das Verhältnis von Erwerbsfähigen gegenüber Kindern und Älteren. Es können sich also mehr Menschen selbst versorgen, während weniger versorgt werden müssen. Dieser sogenannte demografische Bonus lässt sich in eine demografische Dividende überführen, wenn dafür rechtzeitig günstige Voraussetzungen geschaffen werden – vor allem durch ausreichend Bildung und Arbeitsplätze. Die asiatischen Tigerstaaten haben das vorgemacht. Schätzungen zufolge lässt sich ein Drittel ihres wirtschaftlichen Erfolgs auf die demografische Dividende zurückzuführen. Die heutigen Entwicklungsländer haben nun die Chance, es ihnen nachzumachen. Das afrikanische Wirtschaftswachstum könnte sich durch die demografische Dividende also noch verstärken.

In seinem Discussion Paper zeigt das Berlin-Institut, welch enge Wechselbeziehungen zwischen einer günstigen Altersstruktur und anderen wichtigen sozioökonomischen Entwicklungsbereichen bestehen: etwa Bildung, Gesundheit, Gleichstellung der Frauen, gute Regierungsführung, Ernährungssicherheit und eine ökologisch verträgliches Wachstum. Das Berlin-Institut sieht Bevölkerungsfragen damit als Querschnittsthema ganz oben auf der künftigen Entwicklungsagenda – genau wie es im Positionspapier des BMZ gefordert wird.

Das Discussion Paper „Schwieriges Wachstum“ finden Sie kostenfrei unter
http://www.berlin-institut.org/publikationen/discussion-paper/schwieriges-wachstum.html
In einem Themenspecial führt das Berlin-Institut mit wenigen Klicks durch das Konzept der demografischen Dividende und stellt darüber hinaus eine Materialsammlung zur Verfügung. Das Themenspecial erreichen Sie unter

http://www.berlin-institut.org/themenspecials/demografische-dividende.html

Bei Rückfragen helfen wir Ihnen gerne weiter:
Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung
Schillerstr. 59
10627 Berlin
Ansprechpartnerin: Franziska Woellert
(woellert@berlin-institut.org, Tel.: 030 -31 01 74 50)
Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung ist ein unabhängiger Thinktank, der sich mit Fragen regionaler und globaler demografischer Veränderungen beschäftigt. Das Institut wurde 2000 als gemeinnützige Stiftung gegründet und hat die Aufgabe, das Bewusstsein für den demografischen Wandel zu schärfen, nachhaltige Entwicklung zu fördern, neue Ideen in die Politik einzubringen und Konzepte zur Lösung demografischer und entwicklungspolitischer Probleme zu erarbeiten.

Das Berlin-Institut erstellt Studien, Diskussions- und Hintergrundpapiere, bereitet wissenschaftliche Informationen für den politischen Entscheidungsprozess auf und betreibt ein Online-Handbuch zum Thema Bevölkerung.

Weitere Informationen, wie auch die Möglichkeit, den kostenlosen regelmäßigen Newsletter „Demos“ zu abonnieren, finden Sie unter http://www.berlin-institut.org.

Franziska Woellert | idw
Weitere Informationen:
http://www.berlin-institut.org

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