Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Uni Rostock erforscht Personalsituation in zwei Branchen des Mittelstandes

06.12.2011
Ziel ist Weiterbildungsangebot für ältere Arbeitnehmer

Für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) wird das strategische Personalmanagement in den nächsten Jahren zur Überlebensfrage. „Eine Welle älterer Arbeitnehmer rollt gerade auf den Mittelstand zu“, weiß Professor Friedemann W. Nerdinger von der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock. „Vielen Firmen fehlt aber eine Strategie für diese Situation“, sagt Prof. Nerdinger. Genau da setzt jetzt seine Forschung an.

Der Wissenschaftler leitet das im September gestartete mehrjährige Verbundprojekt „PerDemo – Personalarbeit im demografischen Wandel“. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie dem Europäischen Sozialfond gefördert.

Mit im Boot sind je eine Unternehmensberatung aus Neubrandenburg und Hamburg. Die Herausforderung: Auf den demografischen Wandel beschäftigungsorientiert zu reagieren, sprich ältere Arbeitnehmer länger im Produktionsprozess zu halten.

„Der Bevölkerungsrückgang in MV ist immer noch stark – bis 2020 wird die Bevölkerung um 19% schrumpfen -, bis 2050 sollen hier 47 Prozent weniger Menschen leben“, sagt Prof. Nerdinger. In Schleswig-Holstein wird bis 2020 mit einem Bevölkerungsrückgang von 3 Prozent gerechnet, bis 2050 sollen hier 47 Prozent weniger Menschen leben“, betont Prof. Nerdinger. Für Hamburg hingegen wird zunächst bis 2020 ein Arbeitskräftezuwachs prognostiziert. Das soll sich bis 2050 allerdings umkehren.

In diesen drei Bundesländern untersuchen die Rostocker Forscher in den Branchen maritime Wirtschaft und Gesundheitswirtschaft, wie und ob es die Unternehmen schaffen, mit der einhergehenden alternden Belegschaft innovativ und wettbewerbsfähig zu bleiben. „Ziel des Verbundprojektes ist es dann, betriebsspezifische Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote für kleine- und mittlere Unternehmen zu erarbeiten“, hebt Prof. Nerdinger hervor. Mit dem Projekt PerDemo werden für die Firmen Bildungs- und Beratungsangebote entwickelt. Am Ende geht es darum, dass ältere Mitarbeiter besser in die Unternehmen integriert werden können.

„Solche Projekte können dem Mittelstand sehr dienlich sein“, meint Wolfgang Hebig, Geschäftsführer der Rostocker Schiffsversorgung. Das Unternehmen ist weltweit tätig. Wer hier arbeitet, muss nicht nur technisch versiert sein, sondern auch die englische Sprache beherrschen. Das Unternehmen hat 105 Beschäftigte. Auch hier steht ein Generationswechsel an. Seit etwa zwei Jahren ist Personalentwicklung verstärkt auf die Tagesordnung des Unternehmens gekommen. Das ist aber eher eine Ausnahme im Mittelstand.

Die Uni Rostock nimmt zunächst Kontakt mit 500 Unternehmen in den drei Bundesländern auf. „Wir wollen eine Bestandsaufnahme zur Situation alternder Belegschaften machen“, sagt Projektmitarbeiter Christoph Müller. Seine Kollegin Susanne Curth verweist auf den zweiten Schritt. 50 Geschäftsführer bzw. Personalverantwortliche von Unternehmen sollen gewonnen werden, um dann von ihnen konkrete Probleme zur Personalsituation zu erfahren. Am Ende werden es sechs Unternehmen sein, für die die Universität Rostock ein passgenaues Weiterbildungsprojekt schneidert und jede beteiligte Firma konkrete Hilfe bekommt. „Das muss man sich so wie Coaching vorstellen“, sagt Prof. Nerdinger. „ Ziel ist es, Weiterbildungen für Ältere als ständiges Angebot an der Universität zu etablieren, damit der Mittelstand wettbewerbsfähig bleibt“.

Das ist für den Chef der Arbeitsagentur Rostock, Christoph Möller, „eine gute Sache. Die Herausforderung alternder Belegschaften entwickelt sich zunehmend zu einem entscheidenden Faktor strategischer Unternehmensführung“. Für Möller ist „Weiterbildung der Weg, um mittelfristig in Anbetracht des ausgehenden Nachwuchses wettbewerbsfähig zu bleiben“. Der Rostocker Agenturchef sagt: „Insbesondere im Nordosten Deutschlands, in dem die demografische Entwicklung bereits deutlich spürbar ist, ist es ebenso lohnend wie unabdingbar, diese Frage wissenschaftlich anzugehen, kreative Lösungen zu entwickeln und in der Wirtschaft zu implementieren“.

Kontakt:

Universität Rostock
Lehr für Wirtschafts- und Organisationspsychologie
Prof. Dr. Friedemann W. Nerdinger
T: 0381 498 4566
email: friedemann.nerdinger@uni-rostock.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie