Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Umweltbewusste Jugendliche oft Außenseiter

16.07.2009
Handlungskompetenz für nachhaltige Entwicklung beginnt im Kindesalter

Um sich für eine nachhaltige Entwicklung zu engagieren, müssen junge Menschen das Gefühl von Hilflosigkeit überwinden. Zu diesem Schluss kommt die schwedische Forscherin Ellen Almers von der School of Education and Communication der Universität Jönköping.

In narrativen Interviews befragte sie eine kleine Gruppe junger Erwachsener, die einen Großteil ihrer freien Zeit und Energie für Projekte des Klimaschutzes, der Biodiversität oder der sozialen Gerechtigkeit widmen, nach der Grundlage ihres Tuns.

"Gemeinsames Kennzeichen der Befragten war die moralische Verpflichtung gegenüber Menschen, denen sie nie begegnen werden, da sie beispielsweise in einem anderen Erdteil leben oder erst in Jahrhunderten geboren werden", so die Forscherin gegenüber pressetext. Darüber hinaus fand sie gemeinsame soziale und emotionale Motivationsfaktoren und zeigte, welchen wichtigen Einfluss auch außerschulische, informelle Kanäle haben.

Der Nährboden des Engagements für die Umwelt werde bereits in der frühen Kindheit vorbereitet, ausgelöst oft von emotionalen Reaktionen auf Missstände. "Häufig ist es ein Gefühl der Empörung etwa über Hunger in der Welt oder über Tiersterben, das zu einer ersten Handlung führt", so Almers. Statt deterministischer Weltsicht sei die Einstellung entscheidend, dass man die Welt durch eigene Handlungen mitgestalten und verändern könne, was erst das wichtigste Hemmnis - das Gefühl von Hilflosigkeit - überwinde. Ein weiterer Faktor sei Wissenskompetenz über Umweltthemen und Handlungsmöglichkeiten, wofür die Forscherin das Konzept des ökologischen Fußabdrucks als Beispiel nennt. "Dieser Zugang vermittelt besonders anschaulich, wie selbst unbewusste Handlungen Auswirkungen auf die Umwelt haben."

Selbst in der Umweltthematik sind Jugendliche ständig verschiedenen Perspektiven ausgesetzt. "Elternhaus, Schule und manchmal auch moralische Instanzen wie die Kirche vermitteln verschiedene Sichtweisen, was Jugendliche zur eigenen Stellungnahme auffordern kann." Sich Gruppenzwängen und Konsumzwang nicht zu beugen, sei eine emotional schwierige Erfahrung, weshalb viele auf die Suche nach eigenen Positionen verzichten würden. "Kritisches, reflektiertes Denken und Handeln nach dem Gewissen erwächst jedoch erst daraus. Viele die sich später in sozialen Organisationen engagieren waren in ihrer Schulzeit aufgrund ihrer Einstellungen Außenseiter und sind später froh, Gleichgesinnte zu entdecken", so die Forscherin.

Der Schule rät Almers, neben der Wissensvermittlung über den Klimawandel zu umweltfreundlichem Verhalten einzuladen und dieses selbst zu praktizieren. "Oft konzentriert man sich zu viel auf Probleme und zu wenig auf Lösungen. Ein Weg dazu wäre etwa, Menschen aus NGOs einzuladen, die für Schüler Beispiele für Umweltengagement liefern und Identifikation ermöglichen." Die Förderung und Diskussion von Umwelthandlungs-Strategien für den Alltag seien schon bisher Anliegen sensibilisierter Lehrer, die laut Almers an jeder Schule zu finden seien. Man dürfe jedoch die Schule nicht abgesondert von ihrem Umfeld betrachten. "Das materialistische Konsumverhalten, das uns die Werbung einbläut, ist sehr schwer zu bekämpfen. Es ist wichtig, Alternativen dazu aufzuzeigen und zu fördern."

Als Aufgabe der Eltern für das Umwelthandeln sieht Almers einerseits die Vermittlung eines Wertesystems. "Kinder müssen spüren, dass es nicht verhandelbare Dinge gibt, etwa der gleiche Wert des Lebens aller." Beeindruckend war für die Forscherin vor allem die Erfahrung, dass es keine perfekte familiäre Situationen brauche, um Weichen in Richtung Umweltengagement zu stellen.

"Manche der Befragten berichteten von großen Problemen ihrer Eltern, unter anderem Alkoholismus und Scheidung. Doch selbst diesen Eltern kann es gelingen, ihren Kindern zu vermitteln, dass sie an sie glauben und in sie vertrauen. Das ist für die spätere Handlungsfähigkeit enorm wichtig."

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://hlk.hj.se/eng

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Deutschland wächst – aber nicht überall
24.04.2018 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht Daseinsvorsorge in Stadt und Land sichern
08.11.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Im Focus: LZH showcases laser material processing of tomorrow at the LASYS 2018

At the LASYS 2018, from June 5th to 7th, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) will be showcasing processes for the laser material processing of tomorrow in hall 4 at stand 4E75. With blown bomb shells the LZH will present first results of a research project on civil security.

At this year's LASYS, the LZH will exhibit light-based processes such as cutting, welding, ablation and structuring as well as additive manufacturing for...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

23.05.2018 | Physik Astronomie

LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

23.05.2018 | Messenachrichten

Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

23.05.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics