Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Selbstlos zum gemeinsamen Erfolg

21.04.2011
Ein möglicher Ansporn zum Energiesparen: Menschen bestrafen Eigennutz eher, wenn ihre Gruppe mit anderen konkurriert

Was ein Fußball-Team zu engagiertem Zusammenspiel motiviert, könnte auch dem Klimawandel zugutekommen. Die Mitglieder einer Gruppe handeln nämlich dann besonders uneigennützig und zum Wohl der Gruppe, wenn sich ihre Gemeinschaft im Wettbewerb mit anderen befindet.

Sie nehmen dann auch eher eigene Nachteile hin, um egoistische Mitglieder ihrer Gruppe zu bestrafen. Diese Erkenntnis hat eine Forschergruppe am Jenaer Max Planck Institut für Ökonomik in spieltheoretischen Untersuchungen gewonnen. Daraus könnte sich ein Ansatz ergeben, Menschen zum Energiesparen anzuspornen.

Ein Stürmer, der vor allem an die eigene Torstatistik denkt, dürfte seiner Mannschaft manchen Sieg verpatzen. Muss er dagegen für eigensinnige Aktionen einen Obulus an die Mannschaftskasse entrichten, dürfte er etwa am Elfmeterpunkt dem vom Trainer bestimmten Schützen den Vortritt lassen. Auf ähnliche Weise lassen sich möglicherweise Anreize schaffen, uneigennütziges Verhalten zu fördern, um etwa das Klima zu schützen. Das legen Erkenntnisse nahe, die Forscher am Jenaer Max-Planck Institut für Ökonomik gewonnen haben.

In vielen Fällen hängt der Erfolg einer Gruppe davon ab, dass ihre Mitglieder entgegen möglicher eigennütziger Interessen zum Wohle der Gemeinschaft zusammenzuarbeiten. Wie gut Mitglieder konkurrierender Gruppen miteinander kooperieren und wie sie damit umgehen, wenn einzelne nur ihren Eigennutz verfolgen, untersuchten die Wissenschaftler in einem spieltheoretischen Laborexeriment. „Wir wussten, dass Gruppen, deren Mitglieder kooperieren, erfolgreicher sind. Unter welchen Umständen aber werden sie aktiv, wenn egoistisches Verhalten dem Erfolg der Gruppe im Weg steht?“, erläutert Studienleiter Lauri Sääksvuori die Fragestellung, die er mit seinen Kollegen Tapio Mappes und Mikael Puurtinen von der Universität Jyväskylä in Finnland untersucht hat.

Die Forscher bildeten Gruppen, deren Mitglieder in 30 Spielrunden Gelder auf ein eigenes oder das Gruppenkonto verteilen konnten. Den Betrag auf dem Gruppenkonto verdoppelten die Forscher nach jeder Runde und teilten ihn unter allen Mitgliedern auf – das Geld egoistisch zu horten, half also nur dem Einzelnen, wirkte sich aber negativ auf den Erfolg aller aus.

Allerdings variierten die Forscher die Bedingungen: In einigen Gruppen bestand die Möglichkeit, eigennützig handelnde Mitglieder durch Punktabzug zu sanktionieren – dies kostete allerdings auch den Strafenden Punkte.

Gleichzeitig standen manche Gruppen im Wettbewerb miteinander, dort gewann die Gruppe mit dem am besten gefüllten Gemeinschaftskonto bei Spielende.

Die Verhaltensforschung würde nun erwarten, dass rationale Individuen nicht sanktionieren, sondern abwarteten, um die Kosten der Sanktion anderen zu überlassen. Wenn alle Mitglieder so handeln, blockiert sich die Gruppe, und der Erfolg sinkt. Die Forscher beobachteten aber ein anderes Verhalten: Sobald ihre Gruppe im Wettbewerb mit anderen steht, warten Gruppenmitglieder nicht mehr ab, ob ein anderer die Sanktion vornimmt – sie handeln schnell und nehmen die Kosten auf sich, zum Vorteil der ganzen Gruppe.

„Der Wettbewerb zwischen den Gruppen bietet damit einen Anreiz-Mechanismus, um kulturelle Einstellungen zu verändern. Ein Fußballteam spielt auch mannschaftsdienlicher, wenn es um den Pokal geht“, ordnet Lauri Sääksvuori die Ergebnisse ein. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. Unter anderem könnte die Politik spielerische Anreize schaffen, Energie zu sparen. So könnte ein Wettbewerb zwischen Dörfern oder Gemeinden um den Titel der größten Energiesparer helfen, den sozialen Druck auf notorische Energieverschwender zu erhöhen.

StS/PH

Originalveröffentlichung:
Lauri Sääksvuori, Tapio Mappes and Mikael Puurtinen
Costly punishment prevails in intergroup conflict
Proceedings of the Royal Society, 30. März 2011; doi: 10.1098/rspb.2011.0252
Kontakt:
Lauri Sääksvuori
Max-Planck-Institut für Ökonomik, Jena
Telefon: +49 3641 686-678
Fax: +49 3641 686-667
e-mail: saaksvuori@econ.mpg.de
Stephan Schütze, Petra Mader
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Ökonomik
Kahlaische Straße 10
07743 Jena
Telefon: +49 3641 686-950, -960
Fax: +49 3641 686-710
e-mail: presse@econ.mpg.de

Peter Hergersberg | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/4281417

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht Sterblichkeit durch Rauchen für ostdeutsche Frauen bald höher als für westdeutsche
10.05.2017 | Max-Planck-Institut für demografische Forschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten