Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rio+20: Klimaschutz und Armutsbekämpfung brauchen beide eine neue globale Übereinkunft

05.06.2012
Der Rio+20-Gipfel könnte den Weg zu einer neuen globalen Übereinkunft ebnen helfen, in der entscheidende Themen wie Klimaschutz und Entwicklung miteinander verbunden werden.
„Wenn die Welt gefährlichen Klimawandel vermeiden will, muss die Diskussion in Rio über das sehr breite Thema Nachhaltigkeit und die sehr enge Idee des grünen Wachstums hinausgehen“, sagt Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), der selbst zum Gipfel reisen wird.

In einem jetzt veröffentlichten Buch zeigen Wissenschaftler des PIK und des Instituts für Gesellschaftspolitik (IGP) zusammen mit Misereor und der Munich Re Stiftung, wie Klima- und Entwicklungspolitik zusammengebracht werden können. Es stellt wissenschaftliche Erkenntnisse für die Vorbereitung von Rio+20 zur Verfügung und bietet Lösungspfade für die Herausforderungen von Klimawandel und Gerechtigkeit.

„Da die Klimapolitik derzeit auf der Stelle tritt, könnte die Wissenschaft den Anstoß geben für neuen Schwung“, so Schellnhuber. „Das Bewusstsein für die Belastungsgrenzen unseres Planeten zu schärfen und Möglichkeiten zur Bewältigung der Erderwärmung aufzuzeigen, ist entscheidend, um Pfade zu nachhaltiger Entwicklung zu finden und die Millenniumsziele grüner zu machen.“ Schellnhuber wird in Rio einer der Leiter eines fächerübergreifenden Podiums von Nobelpreisträgern sein.

Während das politische Ziel, die globale Erwärmung auf höchstens zwei Grad Celsius über vorindustriellem Niveau zu begrenzen, bereits ein wichtiger Bezugspunkt in der internationalen Klimapolitik geworden ist, werden geeignete politische Maßnahmen noch immer diskutiert. Das neue Buch entwickelt ein politisches Rahmenwerk, betrachtet dabei aber auch Kosten und Risiken. „Heute muss die Atmosphäre als globales Gemeingut betrachtet werden – und dessen Management ist eine ökonomische Herausforderung, aber auch eine Frage globaler Gerechtigkeit“, sagt Ottmar Edenhofer, Chef-Ökonom des PIK. „Während bislang sozio-ökonomische Entwicklung eng an einen Anstieg von Emissionen gekoppelt war, versuchen wir zu zeigen, dass ein neuer Wachstumspfad möglich ist.“

Das viel gelobte Konzept des grünen Wachstums allein wird nicht ausreichen, so Edenhofer. Es muss durch ein politisches Rahmenwerk verbindlicher Emissionsreduktionen ergänzt werden, das langfristig Anreize für Investitionen setzt. Edenhofer und seine Co-Autoren skizzieren in ihrem Buch ein Abkommen für die Zeit nach 2012. Dieses umfasst einen globalen Handel mit Emissionsrechten, öffentliche Unterstützung für den Technologietransfer in Entwicklungsländer und Maßnahmen wie Zahlungen für die Reduktion von Emissionen aus der Entwaldung, sowie finanzielle Unterstützung für Anpassungsmaßnahmen in den am wenigsten entwickelten Ländern.

„Arme Menschen sind besonders betroffen durch den Klimawandel“, sagt Thomas Loster von der Munich Re Stiftung. „Mehr als 80 Prozent der seit 1980 durch Wetterextreme umgekommenen Menschen kamen aus Entwicklungsländern, wie unsere Daten zeigen.“ Um die Widerstandsfähigkeit von Bevölkerungsgruppen zu erhöhen, die im Zusammenhang mit dem Klimawandel von Dürren oder Fluten betroffen sind, bieten laut Loster etwa Mikroversicherungen Möglichkeiten, um mit den Folgen solcher Schläge fertig zu werden. „Finanzinstrumente könnten deshalb ein wichtiger Teil der Anpassung sein“, sagt Loster. „Nötig ist aber eine neue Wahrnehmung des Risikos – sowohl lokal als auch global“.

„Der Kampf gegen Armut und gegen den Klimawandel wird zusammen gewonnen – oder verloren“, sagt Bernd Bornhorst von Misereor. Als Organisation für Entwicklungszusammenarbeit „erleben wir in unserer täglichen Arbeit, wie eng verbunden Entwicklung und der Kampf gegen die globale Erwärmung in armen Ländern sind“. Das neue Buch „bietet sowohl eine Brille für die Kurzsichtigen als auch eine Karte, auf der Wege in Richtung nachhaltige Entwicklung angegeben sind“, so Bornhorst. Betrachte man jedoch die Vorbereitungen für Rio+20 in vielen Ländern, „kommen Zweifel auf, ob die Teilnehmer des Gipfels in Brasilien auch tatsächlich bereit sind, sich der Nachhaltigkeit zuzuwenden“.

„Mit einer passenden Ausgestaltung und Umsetzung könnte das von uns vorgeschlagene Abkommen für die Zeit nach 2012 auch die Armen unterstützen“, sagt Johannes Müller von IGP. „Die Ergebnisse im Hinblick auf Klimaschutz, Anpassung und nachhaltige Entwicklung wären effektiv, effizient und gerecht“.

Buch: Edenhofer, O.; Wallacher, J.; Lotze-Campen, H.; Reder, M.; Knopf, B.; Müller, J. (Eds.): Climate Change, Justice and Sustainability – Linking Climate and Development Policy. Springer, June 2012, ISBN 978-94-007-4539-1

Weblink zum Buch:
http://www.springer.com/earth+sciences+and+geography/earth+system+sciences
/book/978-94-007-4539-1

Kontakt für weitere Informationen:

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
Telefon: +49 (0)331 288 2507
E-Mail: presse@pik-potsdam.de

Mareike Schodder | PIK Potsdam
Weitere Informationen:
http://www.pik-potsdam.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie