Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Translokalität" – Austausch- und Vernetzungsprozesse in Afrika und Asien

27.05.2010
Kultur- und Wirtschaftsräume in Asien und Afrika sind seit Jahrhunderten dadurch geprägt, dass Menschen, Waren, Dienstleistungen und Ideen in einem lebhaften Austausch stehen. Professor Achim von Oppen (Universität Bayreuth) und Professorin Ulrike Freitag (FU Berlin) zeigen in einer neuen Publikation, weshalb das Schlagwort von der "Globalisierung" diesen Prozessen nicht gerecht wird.

Die Welt auf dem Weg zum "global village"?

Soziale Entwicklungen und Strukturen, die über lokale, regionale und nationale Grenzen hinausreichen, werden oft mit dem Hinweis auf "die Globalisierung" erklärt. Darunter wird in der Regel ein Prozess der Vernetzung verstanden, der ausgehend von den Industrienationen des Westens in alle Regionen der Erde vordringt und dabei eine Vielzahl sozialer, ökonomischer, politischer und kultureller Entwicklungen in einen einzigen Globalzusammenhang integriert. Diese verbreitete Vorstellung infrage zu stellen und eine differenziertere Betrachtungsweise auf den Weg zu bringen, ist das Ziel einer Publikation, die Professor Achim von Oppen, Direktor des Instituts für Afrikastudien an der Universität Bayreuth, und Professorin Ulrike Freitag, Direktorin des Zentrums Moderner Orient an der FU Berlin, vor kurzem herausgegeben haben.

Vom westlichen Globalisierungsmodell zur Translokalität –
ein neuer Ansatz zur Erschließung sozialer und kultureller Prozesse
Der Begriff der "Translokalität" (engl. "translocality") ist - davon sind die beiden Herausgeber überzeugt - weitaus besser als die gängige Redeweise von der "Globalisierung" geeignet, grenzüberschreitende Austausch- und Vernetzungsprozesse wissenschaftlich zu erschließen. Manche Kultur- und Wirtschaftsräume in Asien, Afrika sowie im Nahen und Mittleren Osten sind seit Jahrhunderten dadurch geprägt, dass Menschen, Waren, Dienstleistungen, Informationen und Ideen in einem lebhaften Austausch stehen; teilweise über weite räumliche Distanzen hinweg. Diese geschichtlichen Prozesse in das Konzept einer „Globalisierung“ einordnen zu wollen, die in der westlichen Moderne ihren Ursprung hat und auf eine weltumspannende Integration zuläuft, würde den historischen Gegebenheiten nicht gerecht.

Zudem gehen politische, ökonomische und kulturelle Vernetzungen oftmals mit Prozessen der Identitätsbildung einher. Auf diese und andere Weise fördern grenzüberschreitende Bewegungen die Entstehung neuer Abgrenzungen, Ordnungen und Unterscheidungsmuster. Dies gilt in besonderem Maße für die ehemals kolonisierten Gebiete Asiens und Afrikas. Das Konzept der "Globalisierung", das die weltweite Überschreitung und Auflösung von Grenzen betont, reicht also nicht aus, um die Widersprüchlichkeit dieser Prozesse und deren Wirkungen zu erfassen.

Ebenso ist die Vorstellung verfehlt, die von einem globalen Modernisierungs- und Integrationsprozess (noch) nicht erfassten Gesellschaften und Kulturen müssten als in sich geschlossene Einheiten betrachtet werden, deren Identität nur lokal definiert ist. "Was uns in Afrika oder Asien fremdartig, ja exotisch anmutet, hat auf den ersten Blick oft eine rein lokale Dimension", erklärt von Oppen. "In vielen Fällen zeigt sich jedoch bei weiterem Hinsehen, dass derartige Phänomene in weiträumige Austausch- und Vernetzungsprozesse eingebettet sind, die ihrerseits auf lokale Entwicklungen zurückwirken."

Der Blick von außen –
Fallstudien zu grenzüberschreitenden Prozessen in Afrika und Asien
Verbindungen zwischen Gesellschaften und Kulturen sowie deren Ausstrahlung auf das Bewusstsein der Menschen sind also zu komplex, um sich auf einer einzigen Skala verorten zu lassen, die von "nur lokal" bis "universal" reicht. Wie unzulänglich ein Verständnis von "Globalisierung" ist, das sich an einer derartigen Skala ausrichtet, tritt gerade dann zutage, wenn raumübergreifende Interaktionen aus einer außereuropäischen Perspektive betrachtet werden. Dies wollen Freitag und von Oppen mit den 15 wissenschaftlichen Einzelstudien (Erstveröffentlichungen) deutlich machen, die sie in ihre Publikation aufgenommen haben.

Die Studien decken ein breites thematisches Spektrum ab und sind vier Schwerpunktbereichen zugeordnet: (i) Migrations- und Austauschprozesse, die sich außerhalb des westlich geprägten Globlisierungsmodells vollziehen ("Marginal Mobilities"); (ii) der geschichtliche Wandel von Räumen, die sich aufgrund translokaler Beziehungen herausbilden ("Spaces on the Move"); (iii) das Ineinandergreifen von lokalen und translokalen Verbindungen ("Locality and Beyond"); (iv) Verständnisse von Globalisierung, die sich in asiatischen und afrikanischen Kulturräumen entwickelt haben ("Alternate Globalities").

Titelaufnahme:

Ulrike Freitag und Achim von Oppen (Hrsg.),
Translocality: The Study of Globalising Processes from a Southern Perspective
Leiden – Boston (2010), 447 S.
(= Studies in Global Social History, Vol. 4)
Kontaktadresse für weitere Informationen:
Prof. Dr. Achim von Oppen
- Geschäftsführender Direktor -
Institut für Afrikastudien
Universität Bayreuth
Universitätsstr. 30, GW II
95447 Bayreuth
Tel.: +49 (0) 921 / 55-4193
E-Mail: achim.vonoppen@uni-bayreuth.de

Christian Wißler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bayreuth.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Deutschland wächst – aber nicht überall
24.04.2018 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht Daseinsvorsorge in Stadt und Land sichern
08.11.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics