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Psychologen entschlüsseln die sozialen Konsequenzen von Narzissmus

10.09.2013
Narzissten wirken einerseits charmant, andererseits unangenehm.

Eine Forschergruppe um die Psychologen Prof. Dr. Mitja Back und Dr. Albrecht Küfner von der Universität Münster hat nun neue Forschungsergebnisse vorgelegt, die diese paradoxen Effekte erklären. Demnach nutzen Narzissten zwei Verhaltensstrategien, die mit sozialem Erfolg oder mit Konflikten verbunden sind.

Sie sind schillernde Persönlichkeiten: Narzissten wirken einerseits oft faszinierend und anziehend auf andere Menschen. Sie machen einen charmanten Eindruck und haben häufiger Führungspositionen inne. Auf der anderen Seite sind sie unangenehm. Ihnen sind die Bedürfnisse anderer Menschen egal, sie überschätzen ihren Beitrag zu gemeinsamen Leistungen, sind arrogant und provozieren Konflikte. Eine Forschergruppe um die Psychologen Prof. Dr. Mitja Back und Dr. Albrecht Küfner von der Universität Münster hat nun neue Forschungsergebnisse vorgelegt, die diese paradoxen Effekte erklären.

Demnach lassen sich zwei Seiten von Narzissmus unterscheiden: das narzisstische Bedürfnis nach Bewunderung, welches mit einem selbstbewussten und charmanten Auftreten einhergeht, und die narzisstische Rivalität. Letztere ist mit der Abwertung anderer Personen und aggressivem Verhalten verbunden, besonders nach Kritik.

In einer Reihe von Studien haben die münsterschen Psychologen gemeinsam mit Kollegen zeigen können, dass die zwei Seiten von Narzissmus zwar miteinander einhergehen, jedoch unterschiedliche Auswirkungen auf soziale Begegnungen und soziale Beziehungen haben. Ein erhöhtes Bedürfnis nach Bewunderung ist mit größerem Selbstbewusstsein, positiverer Stimmung, extravertierterem Auftreten und höherer Beliebtheit beim Kennenlernen verbunden. Demgegenüber führt narzisstische Rivalität zur Abwertung anderer, einer geringeren Beliebtheit in sozialen Gruppen und mehr Konflikten in Freundschaften, aber auch in romantischen Beziehungen.

"Diese Befunde verdeutlichen, dass Narzissten zwei Gesichter haben. Eine Hälfte der Persönlichkeit ist durch Selbsterhöhung und Selbstdarstellung auf der Suche nach Bewunderung gekennzeichnet. Die andere versucht, fehlender Anerkennung und Kritik durch die Abwertung anderer und durch aggressives Verhalten entgegenzutreten", erklärt Mitja Back. "Beide Strategien dienen den Narzissten dazu, ihre vermeintliche Großartigkeit aufrechtzuerhalten. Sie sind aber unterschiedlich effektiv. Je nachdem, welche der zwei Seiten in einem sozialen Kontext stärker zum Ausdruck kommt, ist Narzissmus mit sozialem Erfolg oder mit sozialen Konflikten und Unbeliebtheit verbunden."

Eine solche genaue Betrachtung hilft, die Konsequenzen von Narzissmus in vielen sozialen Zusammenhängen – beispielsweise Freundschaften, Liebesverhältnisse und soziale Beziehungen am Arbeitsplatz – und über die Dauer von Beziehungen hinweg zu verstehen. "Wenn wir Narzissten kennenlernen, erscheinen sie uns aufgrund ihres selbstbewussten und ausdrucksstarken Verhaltens häufig sympathisch, attraktiv oder als 'Macher'", erläutert Albrecht Küfner. "Erst später, wenn sich in engeren Interaktionen zeigt, dass Narzissten weniger auf andere achten und gereizt auf Kritik reagieren, kommt es zu einer abnehmenden Beliebtheit unter Gleichaltrigen, zu Konflikten in Paarbeziehungen und zu ausbleibendem Erfolg im Beruf."

Die münsterschen Psychologen um Mitja Back und Albrecht Küfner wollen nun auf den Ergebnissen ihrer Studien aufbauen und sich einer Reihe wichtiger offener Fragen widmen, beispielsweise: Welche Narzissten schaffen es, sozial erfolgreich zu sein, und welche scheitern eher? Wer profitiert von Narzissten und wer leidet unter ihnen? Wie bewusst ist Narzissten überhaupt ihr eigener Narzissmus, und wie ist der Übergang zu narzisstischen Persönlichkeitsstörungen zu verstehen?

Neben Wissenschaftlern aus Münster waren Forscher der Universitäten Göttingen, Berlin und Tilburg (Niederlande) an den Studien beteiligt. Die Forschung von Mitja Back und seinen Kollegen zu den sozialen Konsequenzen von Narzissmus wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt.

Beteiligte Wissenschaftler:

Universität Münster: Mitja Back, Roos Hutteman, Albrecht Küfner, Steffen Nestler, Stefanie Wurst
Georg-August-Universität Göttingen: Tanja M. Gerlach
Humboldt-Universität Berlin: Michael Dufner, John F. Rauthmann
Universität Tilburg (Niederlande): Jaap J. A. Denissen
Aktuelle Veröffentlichungen:
Back, M. D., Küfner, A. C. P., Dufner, M., Gerlach, T. M., Rauthmann, J. F., & Denissen, J. J. A. (in press). Narcissistic admiration and rivalry: Disentangling the bright and dark sides of narcissism. Journal of Personality and Social Psychology.

Küfner, A. C. P., Nestler, S., & Back M. D. (2013). The two pathways to being an (un-)popular narcissist. Journal of Personality, 81, 184-195.

Weitere Informationen:

http://www.uni-muenster.de/PsyIFP/AEBack/
Arbeitseinheit Psychologische Diagnostik und Persönlichkeitspsychologie
http://www.uni-muenster.de/PsyIFP/AEBack/research/publications.html
Aktuelle Veröffentlichungen der Arbeitseinheit

Dr. Christina Heimken | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de

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