Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Psilocybin hemmt die Verarbeitung von negativen Emotionen im Gehirn

07.05.2014

Werden Emotionen im Gehirn negativ verzerrt verarbeitet, kann ein Mensch an einer Depression erkranken.

Psilocybin, der bioaktive Bestandteil der mexikanischen Zauberpilze, greift offenbar positiv in den Verarbeitungsmechanismus von Emotionen ein. Schon eine geringe Menge des Stoffs aus der Natur schwächt die Verarbeitung negativer Emotionen ab und wirkt stimmungsaufhellend, wie Forschende der UZH mit bildgebenden Verfahren nachweisen.

Emotionen wie Angst, Wut, Traurigkeit und Freude ermöglichen es dem Menschen, sich der Umwelt anzupassen und auf Belastungen flexibel zu reagieren. Sie haben eine fundamentale Funktion für kognitive Prozesse, physiologische Reaktionen und soziales Verhalten.

Die Verarbeitung von Emotionen ist eng an die Vorgänge im Gehirn, an das sogenannte limbische System, gekoppelt. Innerhalb dieses Systems haben die Mandelkerne eine zentrale Funktion – sie verarbeiten vor allem negative Emotionen wie Angst und Furcht. Gerät die Aktivität dieser Mandelkerne aus dem Gleichgewicht, können Depressionen und Angsterkrankungen entstehen.

Forschende der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich zeigen nun, dass Psilocybin, der bioaktive Bestandteil der mexikanischen Zauberpilze, die Mandelkerne beeinflusst und dadurch die Verarbeitung von negativen Umweltreizen abschwächt. Diese Erkenntnisse könnten für «neuartige Behandlungsansätze wegweisend» sein, kommentiert Erstautor Rainer Krähenmann die Resultate, die nun im renommierten Fachjournal «Biological Psychiatry» publiziert sind.

Psilocybin hemmt die negative Emotionsverarbeitung in den Mandelkernen

Die Verarbeitung von Emotionen kann durch verschiedene Ursachen beeinträchtigt sein und psychische Erkrankungen hervorrufen. Eine übersteigerte Aktivität der Mandelkerne auf Umweltreize bewirkt etwa, dass die Nervenzellen negative Umweltsignale verstärken, positive jedoch schwächer verarbeiten. Dieser Mechanismus spielt bei der Entstehung von Depressions- und Angsterkrankungen eine wichtige Rolle. Und genau in diese Wirkungskette scheint Psilocybin einzugreifen, wie das Forschungsteam der Gruppe Neuropsychopharmakologie und Brain Imaging unter der Leitung von Dr. Rainer Krähenmann und Prof. Dr. Franz Vollenweider zeigt.

Psilocybin beeinflusst die Stimmung bei gesunden Menschen positiv. Im Gehirn stimuliert der Stoff spezifische Andockstellen für den Botenstoff Serotonin. Die Wissenschaftler haben deshalb angenommen, dass Psilocybin womöglich seine stimmungsaufhellende Wirkung über eine Veränderung des Serotoninsystems in limbischen Hirnregionen entfaltet – was mithilfe von bildgebender funktioneller Magnetresonanz-Tomographie (FMRT) tatsächlich gezeigt werden konnte: «Bereits eine moderate Dosis von Psilocybin schwächt die Verarbeitung von negativen Umweltreizen durch eine Veränderung der Mandelkerne im limbischen System und weiterer damit assoziierter Hirnregionen ab», führt Krähenmann aus. Die Studie zeigt eindeutig, dass die Veränderung der Aktivität in den Mandelkernen direkt mit der Verbesserung der Stimmung zusammenhängt.

Nächste Studie mit depressiven Patienten

Diese Beobachtung ist gemäss Krähenmann von wichtiger klinischer Bedeutung: Gerade depressive Patienten reagieren verstärkt auf negative Umweltreize und ihre Gedanken kreisen oft um negative Inhalte. Deshalb wollen die Neuropharmakologen in weiterführenden Studien nun prüfen, ob Psilocybin bei depressiven Patienten die überhöhte Verarbeitung negativer Reize im Gehirn normalisiert – und damit bei den Betroffenen zu einer Stimmungsverbesserung führt.

Rainer Krähenmann erachtet die Erforschung neuartiger Behandlungsansätze als sehr wichtig. Denn die derzeit verfügbaren Medikamente zur Behandlung von Depressionen und Angsterkrankungen seien nicht bei allen Patienten wirksam und erzeugten zum Teil starke, unerwünschte Nebenwirkungen.


Literatur:
Rainer Kraehenmann, Katrin H. Preller, Milan Scheidegger, Thomas Pokorny, Oliver G. Bosch, Erich Seifritz, Franz X. Vollenweider,(in press). Psilocybin-Induced Decrease in Amygdala Reactivity Correlates with Enhanced Positive Mood in Healthy Volunteers. Biological Psychiatry. http://dx.doi.org/10.1016/j.biopsych.2014.04.010


Kontakt:
Prof. Dr. Franz Vollenweider
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Universität Zürich
Telefon: +41 44 384 24 04
E-Mail: vollen@bli.uzh.ch

Dr. Katrin Preller
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Universität Zürich
Telefon: +41 44 384 26 25
E-Mail: preller@bli.uzh.ch

Nathalie Huber
Media Relations
Universität Zürich
Tel. +41 44 634 44 64
E-Mail: nathalie.huber@kommunikation.uzh.ch

Weitere Informationen:

http://www.mediadesk.uzh.ch

Nathalie Huber | Universität Zürich

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik