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Posen der Macht weniger mächtig als gedacht

01.04.2015

Beine auseinander, Brust raus, Schultern nach hinten: Solche «Power-Posen» sollen gemäss einer weltweit beachteten Studie die Hormonproduktion sowie die Risikobereitschaft beeinflussen. Wissenschaftler der Universität Zürich finden jedoch mittels einer grösser angelegten Studie keine Belege für diese Zusammenhänge. «Power-Posen» beeinflussen das Verhalten nicht, sie lassen einen allenfalls sicherer fühlen.

Die Hände in die Hüfte stemmen oder etwa zurückgelehnt die Arme hinter dem Kopf verschränken sind typische Posen der Macht. In der Fachsprache als «Power-Posen» oder Hochstatus-Gesten genannt, sollen sie psychologische sowie physiologische Prozesse anregen.

Forschende um Amy Cuddy von der Harvard Business School kamen im Jahr 2010 in einer Studie zum Schluss: über kurze Zeit eingehaltene «Power-Posen» beeinflussen die Hormone sowie die finanzielle Risikobereitschaft der beteiligten Probanden. Wissenschaftler der Universität Zürich widerlegen nun diese Ergebnisse mittels einer grossangelegten Studie:

«Power-Posen» haben weder Auswirkungen auf das Männlichkeitshormon Testosteron, das Stresshormon Cortisol, noch auf das tatsächliche Verhalten der Probanden.

Macht-Posen lassen Probanden sich mächtiger fühlen

Die körperliche Machtdemonstration beeinflusst hingegen die eigene Wahrnehmung von Macht, ein Ergebnis zu dem auch die vorangehende Studie gekommen ist. Studienleiterin Eva Ranehill vom Departement of Economics der Universität Zürich stellt fest:

«Dies deutet darauf hin, dass der wesentliche Einfluss von <Power-Posen> darin besteht, dass die Probanden feststellen, dass sie sich selbstsicherer fühlen. Wir finden jedoch keine Belege dafür, dass sich dies auf ihr Verhalten oder ihre Physiologie auswirkt.»

In der Studie mussten 102 Männer und 98 Frauen, in der Mehrheit Studentinnen und Studenten aus Zürich, nach dem Zufallsprinzip Körperhaltungen mit «viel Macht» bzw. mit «wenig Macht» einnehmen.

Die Teilnehmer führten danach eine Aufgabe zur finanziellen Risikobereitschaft durch, bei der sie, wie in der im Jahr 2010 durchgeführten Studie, zwischen fixen Geldbeträgen und risikoreichen Glücksspielen wählen konnten. Die risikoreiche Option war ein Glückspiel mit einer 50-prozentigen Chance, bei dem zehn oder null Franken gewonnen werden konnten.

Die sicheren Optionen reichten von zwei bis sieben Franken. Um die Auswirkung der «Power-Posen» auf den Hormonspiegel zu messen, wurden von jedem Teilnehmenden zwei Speichelproben analysiert. Die erste Speichelprobe wurde genommen, bevor die Teilnehmenden entweder die höhere oder die niedrigere Stellung einnahmen – die zweite am Ende der Studie, nach den Verhaltensaufgaben.

Es braucht mehr als eine Studie

«Unsere Studie ist aussagekräftiger als die ursprüngliche Studie, da wir viel mehr Daten haben», so Roberto Weber, Professor an der Universität Zürich und Koautor der neuen Studie. «Die grössere Teilnehmerzahl unserer Studie macht es viel unwahrscheinlicher, dass wir zu Ergebnissen kommen, die dem Zufall geschuldet sind.

Unsere Studie ist auch das nach unserem Wissen einzige veröffentlichte Werk, in dem erneut untersucht wird, welchen Effekt <Power-Posen> auf die Hormone haben.» Die Ergebnisse der neuen, grossangelegten Studie zeigen gemäss Roberto Weber auch, wie wichtig es ist, veröffentlichte Studien zu replizieren.

Die Studie wurde von der Jan Wallander and Tom Hedelius Foundation (Handelsbankens forskningsstiftelser), der Knut and Alice Wallenberg Foundation, dem Swedish Council for Working Life and Social Research sowie dem Schweizerischen Nationalfonds finanziert.

Literatur:

Eva Ranehill, Anna Dreber, Magnus Johannesson, Susanne Leiberg, Sunhae Sul, Roberto A. Weber. Assessing the Robustness of Power Posing: No Effect on Hormones and Risk Tolerance in a Large Sample of Men and Women. Psychological Science, March 26, 2015.


Kontakt:

Dr. Eva Ranehill
Department of Economics
Universität Zürich
Tel. +41 44 634 50 60
E-Mail: eva.ranehill@econ.uzh.ch

Weitere Informationen:

http://www.mediadesk.uzh.ch

Nathalie Huber | Universität Zürich

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