Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Gender-Index: Daten zur Chancengleichheit von Frauen und Männern für alle kreisfreien Städte und alle Landkreise

04.11.2008
Wo ist die Gleichstellung der Geschlechter relativ weit fortgeschritten, welche Regionen haben Nachholbedarf? In Schweden gibt ein Blick auf den Gender-Equality Index des statistischen Zentralamts schon lange die Antwort. Seit heute hat auch Deutschland eine Landkarte zur Chancengleichheit.

Das Web-Portal http://www.gender-index.de liefert Zahlen und Grafiken, die für jeden deutschen Landkreis und jede kreisfreie Stadt zeigen, wo Frauen und Männer bei den Schlüsselthemen Beruf, Ausbildung und politische Partizipation stehen. Das neue Angebot hat die Hans-Böckler-Stiftung in Kooperation mit dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) aufgebaut.

Am heutigen Montag wird es in der schwedischen Botschaft in Berlin im Beisein von Botschafterin Ruth Jacobi vorgestellt. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von Karin Roth, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Michael Sommer, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes und des Vorstandes der Hans-Böckler-Stiftung, schaltet den neuen Index frei: "Der Gender-Index zeigt, dass jede Region gute Index-Werte erreichen kann, wenn sie will. Diese neue Vergleichbarkeit wird den politischen Wettbewerb um mehr Chancengleichheit verstärken", so Sommer. "Wer den Alltag verbessern will, braucht lokale Informationen, leicht zugänglich und systematisch aufbereitet. Genau die liefert der Index", sagt Nikolaus Simon, der Sprecher der Geschäftsführung der Hans-Böckler-Stiftung.

- 19 Indikatoren zu Bildung, Berufstätigkeit und politischer Teilhabe -
Kernstück des neuen Gender-Indexes ist eine Deutschlandkarte, über die sich mit wenigen Klicks für jeden Kreis und jede kreisfreie Stadt ermitteln lässt, ob die Berufs- und Bildungs-Situation von Frauen und Männern ähnlich ist, oder nicht. Dazu haben die Index-Expertinnen Katrin Meyer und Antonia Milbert vom BBR 19 Indikatoren aus verschiedenen amtlichen Statistiken geschlechtsspezifisch ausgewertet.

Der Index bezieht die Quote der Schulabbrecherinnen und Schulabbrecher ebenso ein wie die der Abiturientinnen und Abiturienten und die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen. Die Chancenverteilung auf dem Arbeitsmarkt misst das Instrument unter anderem an den Erwerbs- und Arbeitslosenquoten von Frauen und Männern, an den durchschnittlichen Einkommen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie an den Zahlbeträgen, die Rentnerinnen und Rentner erhalten. Maßstab für die politischen Partizipationschancen ist im Index das zahlenmäßige Verhältnis von weiblichen und männlichen Ratsmitgliedern sowie von Frauen und Männern im Bürgermeisteramt. Als Ergänzung zum eigentlichen Gender-Index sind regionale Hintergrundinformationen in Karten und Tabellen zu finden. Sie informieren beispielsweise über die Altersstruktur der Bevölkerung nach Geschlecht oder über die Infrastruktur für die Betreuung von Kleinkindern und Pflegebedürftigen.

In Schweden hat man sehr gute Erfahrungen mit dieser Form der Transparenz gemacht. Für Kommunen, die einen guten Index-Wert erreichen, ist das ein Standortvorteil. Für die, die schlechter dastehen, ein Warnsignal und eine Hilfestellung, hat eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Vorstudie von Mechthild Kopel und Gerhard Engelbrech ermittelt. Diese Funktion soll der Index nun auch in der Bundesrepublik übernehmen. "Durch die Zusammenarbeit von BBR und Hans-Böckler-Stiftung sind wir schnell vorangekommen. Ein Jahr nach dem Erscheinen der Machbarkeitsstudie zum Index können wir jetzt das Webportal freigeben, in das viele Daten aus unserem aktuellen räumlichen Informationssystem einfließen", sagt Dr. Hans-Peter Gatzweiler, Leiter der Forschungsabteilung des BBR. Und jedes Jahr, wenn der Index aktualisiert wird, können regionale Politikerinnen und Politiker verfolgen, ob sich ihr Einsatz für Chancengleichheit und "Gender Mainstreaming" in der Statistik ausgewirkt hat.

- Geringe Unterschiede zwischen den Geschlechtern signalisieren nicht automatisch hohen Wohlstand -

Dabei zeigt ein Blick auf die aktuelle Rankingliste, in der Kreise und Städte nach niedrigem oder hohem Grad der Geschlechterungleichheit geordnet sind, dass nicht nur besonders prosperierende Regionen einen guten Wert im Gender-Index erreichen können. So finden sich auf vorderen Plätzen sehr unterschiedliche Kreise wie Bitterfeld, Starnberg, Leipziger Land, Ludwigslust, Teltow-Fläming, Parchim und Freiberg sowie Städte wie Rostock, Dresden, Freiburg im Breisgau und Berlin. "Niedrige Index-Werte, also relative Chancengleichheit, dürfen nicht automatisch mit guten regionalen Voraussetzungen, hohem Wohlstand oder besonders guter Strukturpolitik gleichgesetzt werden", erklären die Index-Expertinnen Katrin Meyer und Antonia Milbert. "Im Extremfall kann Chancengleichheit auch bedeuten: Frauen und Männer haben gleich schlechte Chancen. Deshalb ist es immer wichtig, im Einzelfall zu klären, wie der Indexwert zustande gekommen ist."

- Deutschland im Index: Erste räumliche Tendenzen -
Stark vereinfacht, lassen sich auf Basis des Indexes derzeit zwei zentrale Aussagen zu regionalen Ausprägungen treffen:

=> In ostdeutschen Regionen sind Frauen und Männer im Durchschnitt stärker gleichgestellt. Sie finden oft ein gut ausgebautes Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen vor. Das beeinflusst die Frauenerwerbstätigkeit positiv; die Erwerbsverläufe von Frauen und Männern sind sich hier ähnlicher. Dadurch sind die Renten vieler Frauen annäherungsweise so hoch wie die der Männer. Die höhere Arbeitslosigkeit und die geringeren Verdienste als in Westdeutschland treffen Frauen und Männer gleichermaßen. Nur in einigen ländlichen Regionen haben Frauen im Vergleich schlechtere Chancen, was den Indexwert dann verschlechtert.

=> In den westdeutschen Großstädten sind Frauen und Männer stärker gleichgestellt als im übrigen Gebiet Westdeutschlands. Die Erwerbsmöglichkeiten sind für beide Geschlechter höher und die Einkommensmöglichkeiten inklusive der Rentenzahlungen besser. Allerdings sind auch hier wie in Westdeutschland insgesamt die Unterschiede zwischen Frauen und Männern deutlicher spürbar als in ostdeutschen Regionen. Und nicht immer bedeutet Gleichheit gute Chancen: die Rate der Schulabbrecher, der Anteil der Jobs mit geringen Qualifikationsanforderungen und die Zahl der Minijobs ist in den Kernstädten unter beiden Geschlechtern jeweils höher als in anderen Kommunen.

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/320_93309.html
http://www.gender-index.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht 3, 2, 1, meins: Kaufentscheidungen im Labor erforscht
28.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie