Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Junior-Forschungsgruppe untersucht generationengerechte Stadtviertel

07.11.2013
Selbstbestimmt leben im Quartier

Alt werden und dabei gesund und selbständig bleiben – wer wünscht sich das nicht? Nach Erkenntnissen der Alternsforschung gelingt dies Senioren am besten, wenn sie aktiv leben.

Das Wohnumfeld, also Nachbarschaft, Gebäude, Straßen, Parks und Nahversorgungsmöglichkeiten, aber auch die klimatische Bedingungen sind dabei ein wichtiger Einflussfaktor. Eine von der Fritz und Hildegard Berg-Stiftung mit rund 300.000 Euro geförderte Junior-Forschungsgruppe an der Universität Stuttgart und weiteren Partner-Institutionen soll dazu beitragen, Quartiere generationengerecht und gesundheitsförderlich zu gestalten.

Die Bevölkerung wird älter, die Verstädterung nimmt zu, ebenso die Isolierung des Einzelnen. Ein zweiter Aspekt ist der klimatische Wandel, der städtische Quartiere im Sommer heftig aufheizt. In diesem Spannungsfeld sind Stadt- und Raumplaner gefordert, die Stadt der Zukunft so zu gestalten, dass alle Generationen sich wohlfühlen und ältere Menschen so lange wie möglich selbstbestimmt im Quartier leben können.

„Städtische Quartiere, in denen Menschen sich gerne außer Haus bewegen, sind der tragende Baustein für ein selbstbestimmtes Leben im Alter“, so Prof. Wolfgang Schlicht vom Lehrstuhl für Sport- und Gesundheitswissenschaften der Universität Stuttgart, der die jungen Forscherinnen und Forscher gemeinsam mit den Professoren Clemens Becker (Stuttgart), Frank Oswald (Frankfurt am Main), Stefan Siedentop (Dortmund) und Antje Stokman (Universität Stuttgart) betreut.

Im Rahmen des Projekts arbeiten fünf junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Gerontologie, der Geriatrie, der Gesundheitswissenschaften, der Landschaftsarchitektur und der Stadt- und Raumplanung ab Januar 2014 gemeinsam daran, die mobilitätsfördernde, generationengerechte Stadt zu beschreiben. Sie entwickeln zuverlässige Methoden und erklären die Person-Umwelt-Wechselwirkungen, die zur Mobilität führen oder sie behindern. Ihre Doktorarbeiten konzentrieren sich auf die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Umwelt (klimatische, lärm- und lufthygienische, baulich-räumliche Aspekte), Bedürfnissen und Erwartungen älterer Menschen.

Am Beispiel der Stadt Stuttgart wird beschrieben und erklärt, wodurch körperliche und soziale Mobilität älterer Menschen behindert wird, was sie fördert und wie sich das auf Autonomie, Gesundheit und Wohlbefinden der älteren Menschen auswirkt.

Ältere Menschen „transportieren“ biographische Erfahrungen aus vergangenen Lebenslagen und haben vielfältige Lebensstile. Häufig wohnen sie über Jahrzehnte im selben Quartier. „Dabei beeinflusst gerade im hohen Alter die Wohnumgebung den Alltag viel mehr als in jungen Jahren und trägt so zum Gelingen oder Misslingen des Alterns bei“, sagt Prof. Frank Oswald von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Auch klimatische Einflüsse beeinflussen das Alltagsverhalten. Hohe Temperaturen bei einer gleichzeitig hohen Luftfeuchte zwingen ältere Menschen in den Sommerwochen zur Inaktivität. Einmal inaktiv, kann ihnen bald der Verlust von Lebensfunktionen drohen und die Fähigkeit sinken, den Alltag selbständig zu meistern. „Während des Sommers 2003 verstarben in Süddeutschland vorzeitig alte Menschen, die noch hätten leben können.

Hätten wir mehr Beschattung, Belüftung, Verdunstung und auch andere, in ihrer Wirkung noch unbekannte Maßnahmen der Quartiersgestaltung, dann könnten wir solche vorzeitigen Todesfälle verhindern“, sagt Dr. Clemens Becker, Chefarzt der Geriatrischen Rehabilitationsklinik am Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart. „Das Projekt ist mit seiner interdisziplinären Zusammensetzung herausfordernd und es ist vielversprechend, um das Leben und Wohnen von älteren Menschen in ihrem städtischen Quartier zu erklären. Der Zugang erweitert unsere städtebauliche, räumliche und landschaftsarchitektonische Expertise, mit der wir Leitlinien für eine lebensfreundliche Stadtgestaltung entwickeln können“, so Prof. Antje Stokman vom Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und Ökologie der Universität Stuttgart und Prof. Stefan Siedentop, der Leiter des Instituts für Stadt- und Raumplanung an der Universität Dortmund.

Weitere Informationen:
Prof. Wolfgang Schlicht, Universität Stuttgart, Lehrstuhl für Sport- und Gesundheitswissenschaften, Tel. 0711/685- 63291, E-Mail: wolfgang.schlicht (at) inspo.uni-stuttgart.de

Andrea Mayer-Grenu, Universität Stuttgart, Abt. Hochschulkommunikation, Tel. 0711/685-82176, E-Mail: andrea.mayer-grenu (at) hkom.uni-stuttgart.de

Andrea Mayer-Grenu | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-stuttgart.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften