Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Dienstmädchen: Untersuchung zu Migration und Mobilität osteuropäischer Frauen

14.11.2008
Die Pendelmigration osteuropäischer Frauen war Untersuchungsgegenstand des deutsch-polnischen Kooperationsprojektes "Grenzräume - Zwischenräume.

Migration polnischer Frauen ins Ruhrgebiet" des Hochschuldidaktischen Zentrums der TU Dortmund unter Leitung von Prof. Sigrid Metz-Göckel. Jetzt sind die Ergebnisse des Projekt als Buch publiziert worden.

"Migration and mobility in enlarged Europe - A gender perspective" untersucht internationale Mobilität und Migration von Frauen aus Mittelosteuropa. Insbesondere rückt dabei die Diskussion um die "Neuen Dienstmädchen" in den Mittelpunkt. Hierbei liegt das Hauptaugenmerk auf der eng mit dem Thema verbundenen Frage, wie Geschlechterrollen sich im Kontext der Diskussion entwickeln bzw. zurückentwickeln.

Informationen zum Thema der Pendelmigration:
Gerade mal 7,50 Euro pro Stunde nimmt eine Dienstleistungskraft aus Zentral- und Osteuropa im Durchschnitt - natürlich nicht sozialversicherungspflichtig gemeldet. Rund um die Uhr sind viele von ihnen vor allem im Pflege- und Haushaltsbereich tätig. Der Bedarf ist da: Rund vier Millionen Haushalte in Deutschland nehmen regelmäßig oder gelegentlich bezahlte Dienstleistungen in Anspruch. Das sind vor allem Haushalte mit betreuungs- oder pflegebedürftigen Personen sowie Rentnerhaushalte.

Die Öffnung der Grenzen hat es möglich gemacht: Nun können Menschen aus den Ostblockländern nicht nur auswandern, sondern auch zurückkehren. Viele von ihnen pendeln zwischen ihrem Arbeitsstelle und Heimatland. "Leben auf der Schaukel" nannte es der polnische Migrationsforscher Okólsk. Im wechselnden Rhythmus, oft mehrere Monate, pendeln die Migrantinnen zwischen zwei Orten. Sie leben etwa weiter in Polen und fahren zwischen ihrem Wohnort und dem zum Arbeitsplatz reduzierten Aufnahmeland hin und her.

In beiden Ländern gelang es nur mit äußerster Mühe, interviewbereite Frauen zu finden. Schließlich berichteten 20 Frauen in Polen und 21 im Ruhrgebiet aus ihrem Leben an zwei Orten. Warum fiel es den Frauen in Polen schwer, über ihre Beschäftigung zu sprechen? Weniger die Illegalität als das Gefühl der sozialen Scham waren die Ursache dafür. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, dass der polnische Diskurs zur Migration von Frauen oft um Prostitution bzw. Sexarbeit kreist.

In Deutschland hingegen hatten die Frauen Angst vor staatlicher Kontrolle und ihren Folgen. Die öffentliche Debatte wurde hier zeitweilig so geführt, dass eine Kriminalisierung, Ausweisung und Bestrafung zu befürchten war. In Polen dagegen war die ungemeldete Migration ins Ausland sogar lange Zeit tabuisiert. Erst in jüngster Zeit debattiert man auch öffentlich darüber.

Obwohl es illegale Beschäftigungen sind, ist es nicht schwer, eine Arbeitsstelle zu finden. Dafür gibt es den "schwarzen Arbeitsmarkt": Private Beziehungen und Netzwerke oder durch informelle Arbeitsvermittler. In diesen Fällen erhalten sie auf sechs Wochen befristete Aufträge gegen eine Vermittlungsgebühr, die sowohl die Pendlerin als auch die Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen zu entrichten haben.

Das funktioniert, weil sich für alle Beteiligen, insbesondere in der häuslichen Pflege, eine win-win Situation ergibt. Auch wenn eine Frau wie Natalia für weniger Geld als andere Pflegekräfte in Deutschland arbeitet, kommt sie immer noch auf ihre Kosten: "Ich kann meinen Lebensstandard verbessern! In Polen war ich arbeitslos. Hier kann ich Geld verdienen."

Und schließlich haben auch die Kommunen einen Vorteil: Sie sparen Geld. Sonst müssten sie ihre Bürger finanziell unterstützten, wenn sie eine Heimunterbringung nicht bezahlen könnten. Daher wird sich so schnell nichts an der Situation ändern.

Metz-Göckel, Sigrid/Morokvsic-Müller, Mirjana/Münst, A. Senganata:
Migration and mobility in enlarged Europe
A gender perspective
ISBN: 978-3-86649-108-3
29,90 Euro
URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news288709

Ole Lünnemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-dortmund.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht 3, 2, 1, meins: Kaufentscheidungen im Labor erforscht
28.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik

IVAM-Produktmarkt „High-tech for Medical Devices“ auf der COMPAMED 2017

18.10.2017 | Messenachrichten