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Mit Blick auf das im Herbst dieses Jahres startende zwölfmonatige Modellprojekt der ADS werden darin die bisherigen internationalen Erfahrungen mit derartigen Verfahren analysiert und auf dieser Grundlage konkrete Handlungsempfehlungen gegeben.
IZA-Direktor Klaus F. Zimmermann äußerte sich am Dienstag in Berlin zum Hintergrund des Projekts: "Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt ist auch weiterhin ein verbreitetes Phänomen von erheblichem Ausmaß. Es handelt sich dabei nicht nur um ein gesellschaftspolitisches, sondern auch um ein gesamtwirtschaftliches Kernproblem.
Diskriminierung bedeutet einen Verzicht auf wirtschaftliche Effizienz und damit einen Wohlfahrtsverlust. Gerade in Deutschland müssen wir unsere personellen Ressourcen vor dem Hintergrund des wachsenden Fachkräftebedarfs künftig besser ausschöpfen. Anonymisierte Bewerbungsverfahren können dabei helfen, Diskriminierung zumindest in der ersten Stufe des Bewerbungsprozesses zu reduzieren."
Am Pilotprojekt der ADS werden sich fünf Unternehmen sowie das Bundesfamilienministerium beteiligen. Bei den Firmen handelt es sich um die Deutsche Post, die Deutsche Telekom, das Kosmetikunternehmen L’Oréal, den Erlebnisgeschenkdienstleister MYDAYS und den Konsumgüterkonzern Procter & Gamble. Wie ADS-Leiterin Christine Lüders in Berlin bekannt gab, werden die beteiligten Unternehmen ein Jahr lang Bewerbungen ohne Foto, Name, Alter, Geschlecht, Nationalität, Geburtsort, Familienstand und Angabe einer etwaigen Behinderung testen.
Am Dienstag trafen sich die beteiligten Unternehmen und Institutionen erstmals am Runden Tisch in der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Dabei wurde auch die IZA-Expertise der Öffentlichkeit vorgestellt. Die beteiligten Wissenschaftler des IZA empfehlen in ihrer Studie unter anderem, ein standardisiertes Bewerbungsformular zu entwerfen, um den Zeitaufwand für das Anonymisieren herkömmlicher Bewerbungen möglichst gering zu halten. Das Formular soll nur Informationen zu den relevanten Qualifikationen enthalten und den Bewerbenden auf geeignete Weise zur Verfügung gestellt werden. Bei Online-Bewerbungen reicht eine entsprechende Anpassung der Eingabemaske aus.
ADS-Leiterin Lüders: "Wir sind stolz darauf, dass sich fünf große Unternehmen und das Bundesfamilienministerium an unserem Pilotprojekt beteiligen. Es handelt sich um namhafte Firmen und Institutionen, die für die Themen Antidiskriminierung und Chancengleichheit seit langem sehr aufgeschlossen sind. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir mit den Ergebnissen unseres Pilotversuchs weitere Unternehmen von den Vorteilen von Vielfalt und Diskriminierungsfreiheit überzeugen können."
IZA-Direktor Zimmermann: "Die Durchführung dieses Modellprojektes ist äußerst sinnvoll. Zum einen, um mehr über die Effektivität und Praktikabilität von anonymisierten Bewerbungsverfahren in Erfahrung zu bringen, und zweitens, um diesbezüglich ein Umdenken bei den Unternehmen hervorzurufen. Denn letztlich liegt es im eigenen Interesse jedes Unternehmens, offene Stellen mit den fähigsten Personen zu besetzen – unabhängig von etwaigen Vorlieben oder Vorurteilen der Personalverantwortlichen."
Die konkrete Umsetzung anonymisierter Bewerbungen in den jeweiligen Stellenausschreibungen werden die Teilnehmer auf Grundlage der Handlungsempfehlungen des IZA bis zum Projektstart im Herbst erarbeiten. Das Projekt wird auch weiterhin durch das IZA wissenschaftlich begleitet. An der Evaluation ebenfalls beteiligt ist die Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt der Europa-Universität Viadrina (KOWA).
Die Expertise des IZA in Kooperation mit der ADS ist über die IZA-Homepage abrufbar:
Annabelle Krause, Ulf Rinne, Klaus F. Zimmermann:
Anonymisierte Bewerbungsverfahren
IZA Research Report No. 27, Bonn: August 2010, 44 Seiten.
http://www.iza.org/link/iza_report_27.pdf
Kurzfassung der Expertise:
http://www.iza.org/link/iza_report_27_kurz.pdf
Mark Fallak | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.iza.org/link/iza_report_27.pdf
www.iza.org/link/iza_report_27_kurz.pdf
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