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Migration und Komik. Ein- und Ausgrenzungsprozesse durch Komik und Satire in Spätaussiedlermilieus

27.10.2010
Soziale Funktionen der Satire und Komik sind seit der Antike bekannt, deren Potentiale werden aber in der gegenwärtigen empirischen Sozialforschung selten genutzt.

Halyna Leontiy, Associate Research Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), stellt am 3. November ihr Projekt „Migration und Komik“ im Rahmen einer vom Verein zur Förderung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen initiierten Vortragsreihe vor.

Sie geht dabei der Frage nach, ob Komik und Satire mehr Zugehörigkeit zwischen der zugewanderten und der einheimischen deutschen Bevölkerung bewirken können als institutionelle Maßnahmen, bzw. inwiefern Komik und Satire ausgrenzend wirken.

Die dem Projekt zugrundeliegende Untersuchung verläuft auf zwei Ebenen. Auf der Ebene der institutionellen Komik wird das Beispiel des Aussiedler-Kabaretts von Lilia Tetslau sowie des „KB-Shows“ von Aussiedlerjugendlichen herangezogen und mit dem türkischen Kabarett/der Comedy kontrastiert.

Es sollen dabei die stilistischen Mittel, mit denen die Beziehungen zwischen den Einheimischen und den Aussiedlern im Kabarett humoristisch bzw. satirisch dargestellt werden, und die Reaktion des Publikums auf die Inhalte des Kabarettprogramms untersucht werden. Es wird auch der Frage nachgegangen, ob es eine Aussiedler-Komik gibt, über die alle gemeinsam lachen können. Auf einer zweiten Ebene wird die alltägliche Konversationspraxis des Komischen bzw. Satirischen am Beispiel verschiedener Aussiedler-Gruppen in den Blick genommen. Hier wird es darum gehen, die Bildung von Formen der Inklusion bzw. Exklusion durch kulturspezifisch geprägte, pragmatisch im Alltag eingesetzte Komik zu rekonstruieren. Dieser Teil der Forschung wird ethnographisch in Hochstätt, einem Stadtteil Mannheims, und in Lahr bei Freiburg durchgeführt.

Referent:
Dr. Halyna Leontiy studierte Germanistik an der Staatlichen Universität Chernowitz in der Westukraine sowie Soziologie, Sprachwissenschaft und Jura an der Universität Konstanz; Promotion 2007 im Fach Soziologie mit einer Studie zur deutsch-ukrainischen Wirtschaftskommunikation. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Konstanz und im Sozialwissenschaftlichen Archiv Konstanz sowie Lehrbeauftragte an der Hochschule für Polizei Villingen-Schwenningen und an der Zeppelin University Friedrichshafen. Seit Oktober 2010 arbeitet sie am KWI an der Pilotstudie zum eigenen interdisziplinär angelegten Forschungsprojekt „Migration und Komik. Inklusions- und Exklusionsprozesse durch Komik und Satire in Spätaussiedlermilieus“ und übernimmt Lehraufträge am Germanistischen Institut der Universität Münster.
Verein zur Förderung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI):
Der Förderverein des KWI unterstützt das Forschungskolleg bei der interdisziplinären Grundlagenforschung in den Kulturwissenschaften, insbesondere auch bei der öffentlichen Präsentation der Forschungsergebnisse. Er fördert die interuniversitäre Arbeit des Instituts und den wissenschaftlichen Nachwuchs in den Kulturwissenschaften. Weitere Informationen zum Verein im Internet: www.kulturwissenschaften.de/home/foerderverein.html
Datum: 3. November 2010, 18.30 Uhr
Ort: Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), Goethestr. 31, 45128 Essen
Die Veranstaltung ist öffentlich.
Kontakt:
Armin Flender, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI)
Tel. 0201 7204 -152
armin.flender@kwi-nrw.de.
Über das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI):
Das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) ist das Forschungskolleg der Universitätsallianz Metropole Ruhr (UAMR), zu der sich die Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen zusammengeschlossen haben. Seine Aufgabe ist die Förderung hervorragender interdisziplinärer Forschung in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften mit regionalen, nationalen und internationalen Partnern. Das KWI erforscht die Grundlagen der modernen Kultur praxisnah und mit Blick auf aktuelle relevante gesellschaftliche Fragen. Derzeit stehen die Themenfelder kollektive Erinnerung, kulturelle Vielfalt der Weltgesellschaft, soziale Verantwortung und kulturelle Aspekte des Klimawandels im Mittelpunkt. Mit seinen Veranstaltungen sucht das KWI den Dialog mit einer breiteren Öffentlichkeit, es unterhält enge Partnerschaften mit Kultureinrichtungen und Medien.

Armin Flender | idw
Weitere Informationen:
http://www.kulturwissenschaften.de/home/veranstaltung-267.html

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