Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Let me be ME!: Antimobbing-Training für Beschäftigte mit geistiger Behinderung

20.08.2013
Das Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (zepf) der Universität Koblenz Landau hat in Zusammenarbeit mit mehreren europäischen Partnern ein Trainingsprogramm entwickelt, das Menschen mit geistiger Behinderung auf den Umgang mit Mobbing am Arbeitsplatz vorbereitet. Das Projekt mit dem Titel „Let me be ME!” wurde von der EU gefördert.

In einer Pilotstudie wurde dieses Training erstmals mit Arbeitnehmern aus unterstützten Beschäftigungsverhältnissen und aus Werkstätten für Menschen mit Behinderungen in Deutschland, Großbritannien, Irland, Spanien und Portugal umgesetzt. Der Praxistest wurde von den Teilnehmenden und einer internationalen Expertengruppe bewertet. Das Ergebnis ist positiv ausgefallen.

Das Training besteht aus vier Modulen, die vermitteln, was Arbeitsplatz-Mobbing und Cybermobbing ist, wie derartigen Vorfällen vorgebeugt und was im konkreten Mobbingfall unternommen werden kann. Da sich in einer vorangehenden Studie gezeigt hatte, dass auch Beschäftigte mit geistiger Behinderung unter den Mobbing-Tätern sind, beschäftigt sich ein Modul damit, wie man vermeiden kann, selbst zum Mobbing-Täter zu werden. Die Inhalte werden mit Hilfe von zahlreichen praktischen Übungen vermittelt, die an die Bedürfnisse von Menschen mit geistiger Behinderung angepasst sind.

58 Personen mit geistiger Behinderung nahmen an der Pilotstudie teil, davon 16 aus Deutschland, je 11 aus Portugal und Nordirland und je 10 aus Irland und Spanien. Jede Gruppe erprobte eines der vier Module. Insgesamt war der Eindruck der Teilnehmenden zum Trainingsprogramm ausgesprochen positiv. 55 % bis 91 %, die Werte differieren zwischen den einzelnen Gruppen, nahmen sehr gerne am Training teil. Fast alle Teilnehmenden lobten besonders die praktischen Übungen. Darüber hinaus kamen die verwendeten Videos und Rollenspiele sehr gut an. Die Kurslänge wurde überwiegend als angemessen beurteilt (62 % bis 91 %). Die Anzahl der praktischen Übungen wurde von den meisten Teilnehmenden als ausreichend bezeichnet (64 % bis 100 %). Mit Ausnahme eines Beschäftigten würden alle gerne an ähnlichen Trainings wieder teilnehmen. Fast alle Teilnehmenden gaben an, sich nach dem Training informierter zu fühlen (85 % bis 100 %).

Die Expertengruppe, die das Trainingsprogramm bewertete, setzte sich aus 23 Personen verschiedener Professionen zusammen, darunter Arbeitgeber, Trainer, Spezialisten für berufliche Aus- und Weiterbildung sowie Angehörige von Menschen mit geistiger Behinderung. Im Allgemeinen wurde der Kurs als „sehr gut“ oder als „gut“ bewertet. Es wurde betont, dass die Inhalte des Kurses sehr wichtig für die Zielgruppe wären. 59 % stuften das entwickelte Material als sehr nützlich ein, 61 % gaben an, dass das Kursformat für Menschen mit geistiger Behinderung gut geeignet wäre. Es wurde jedoch auch angemerkt, dass einige Kursinhalte schwer verständlich wären. Viele Experten nutzten die Möglichkeit, Veränderungsvorschläge zu machen, die nun ebenso wie die Erfahrungen der Teilnehmenden und der Trainer in die Endfassung der Trainingsmaterialien einfließen.

Das zepf und seine Projektpartner entwickelten auch ein Handbuch für Trainer, das die Durchführung des Programms genau beschreibt. Da sich in der vorangehenden Studie gezeigt hatte, dass vor allem Arbeitgeber auf dem freien Arbeitsmarkt unsicher im Umgang mit Angestellten mit geistiger Behinderung sind, stellt das Projekt „Let me be ME!“ auch Hintergrundinformationen zu den Themen „Menschen mit geistiger Behinderung“ und „Trainings mit Menschen mit geistiger Behinderung“ zur Verfügung.

Die fertige Materialiensammlung wird Ende September 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt und danach auf der Projekthomepage http://www.letmebeme.eu auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Portugiesisch zum Download zur Verfügung stehen.

Kontakt:
Carolin Hass, Dipl.-Psych.
Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (zepf)
der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau
E-Mail: hass@zepf.uni-landau.de

Bernd Hegen | idw
Weitere Informationen:
http://www.letmebeme.eu/de
http://www.uni-landau.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Feinstaub weckt schlafende Viren in der Lunge

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Energieeffizienter Gebäudebetrieb: Monitoring-Plattform MONDAS identifiziert Einsparpotenzial

16.01.2017 | Messenachrichten

Nervenkrankheit ALS: Mehr als nur ein Motor-Problem im Gehirn?

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie