Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Keine Angst vor dem Geburtenrückgang!

03.11.2010
Die Bevölkerung altert – und demographischer Wandel verändert auch das Arbeitsleben. Doch laut Studien der TU Wien können die Auswirkungen durchaus positiv sein.

Die Geburtenzahlen gehen zurück, der Anteil der älteren Bevölkerung wächst. Oft wird diese Entwicklung mit negativen Konsequenzen für das Wirtschaftswachstum verbunden, doch gibt es darüber weder zuverlässige Erfahrungswerte noch liefern ökonomische Modelle dazu eindeutige Aussagen.

Wirtschaftsmathematische Analysen der TU Wien zeigen nun: Ein Bevölkerungsrückgang kann sich sogar positiv auf den Wohlstand auswirken. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Bildungsgrad der Arbeitskräfte steigt – und zwar in jedem Lebensalter.

Rechnen statt raten

Eine Bevölkerungsentwicklung, wie sie nun durch den Geburtenrückgang und die steigende Lebenserwartung bevorsteht, gab es bisher noch nie. Man kann sich also bei Prognosen nicht auf historische Beispiele stützen. Daher ist es wichtig, alternative Modellansätze zu berechnen, die neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch die sich verändernde Altersstruktur der Bevölkerung berücksichtigen.

„So haben wir etwa das neoklassische Modell der Arbeitsnachfrage nun um die Altersstruktur der Arbeitnehmer erweitert“, erklärt Prof. Alexia Fürnkranz-Prskawetz vom Institut für Wirtschaftsmathematik der TU Wien. Unterstützt wurde sie bei diesem Projekt von ihrem Kollegen Prof. Vladimir Veliov (Gruppe „Operations Research and Control Systems, Institut für Wirtschaftsmathematik, TU Wien).

Weniger Menschen, mehr Investition in Bildung

Der Geburtenrückgang setzt Ressourcen frei, die von den Eltern idealerweise in eine verbesserte Ausbildung der Kinder investiert werden – und mehr Bildung hilft der Wirtschaft. Wenn frei werdende Produktionsmittel in einer schrumpfenden Bevölkerung auf immer weniger Menschen aufgeteilt werden, kann die Bevölkerungsreduktion zu einem Wohlstandsgewinn führen. Stehen der einzelnen Arbeitskraft bessere Maschinen oder bessere Bildungsmöglichkeiten zur Verfügung, steigt die Produktivität. „Allerdings funktioniert das nur, wenn diese frei werdenden Ressourcen auch tatsächlich in produktiven ökonomischen Bereichen und nicht zu einem großen Teil in wachsende Sozial- und Rentenleistungen investiert werden“, betont Prof. Alexia Fürnkranz-Prskawetz.

Die an der TU Wien entwickelten Modelle können Firmen helfen, wichtige Entscheidungen richtig zu treffen: Sollen eher junge als ältere Personen angestellt werden? Soll das Budget, das für Weiterbildung zur Verfügung steht, eher in Jüngere oder in Ältere investiert werden? „Unsere Modelle zeigen, dass es optimal sein kann, auch in die Weiterbildung von älteren Arbeitskräften zu investieren“ erklärt Prof. Fürnkranz-Prskawetz. Gerade wenn es weniger Jüngere gibt, bringt mehr Bildung für Ältere deutliche Vorteile für das Unternehmen.

Österreichische Unternehmen statistisch untersucht

Auch durch empirische Studien lässt sich untersuchen, welche Bedeutung ältere Arbeitnehmer für ein Wirtschaftsunternehmen haben. Inga Freund, Assistentin am Institut von Prof. Fürnkranz-Prskawetz, hat sich (gemeinsam mit Bernhard Mahlberg, ebenfalls TU Wien) systematisch die Altersstruktur in österreichischen Unternehmen angesehen und mit der Produktivität der Unternehmen in Beziehung gesetzt. „Ältere und jüngere Arbeitnehmer sind nicht einfach gegeneinander austauschbar“, meint Inga Freund. Während jüngere Beschäftigte im Durchschnitt eine schnellere Auffassungsgabe haben, bringen ältere Arbeitnehmer mehr Erfahrung ein. Doch selbst wenn die Produktivität von älteren Arbeitnehmern einzeln betrachtet nicht mehr ganz an die der jüngeren Generation heranreicht, sollte ein Unternehmen nicht nur auf jüngere Beschäftigte setzen – so das Resultat der Studie. „Die Produktivität eines Unternehmens ist nicht einfach nur die Summe der Produktivität jedes einzelnen Arbeitnehmers“, erklärt Inga Freund. „Unsere jüngsten Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein höherer Anteil an älteren Beschäftigen nicht mit geringerer Arbeitsproduktivität in einer Firma in Verbindung steht.“

Jobs für Ältere

Prof. Alexia Fürnkranz-Prskawetz empfiehlt Unternehmen, sich auch die Stärken älterer Arbeitnehmer bewusst zu machen und nicht nur den persönlichen Arbeitsoutput zu betrachten: „Das in der Firma angesammelte Know-How und die Organisationsstruktur sind oft wichtiger als die individuelle Produktivität.“ Die Rechenmodelle zeigen auch, dass es sich für Firmen rentiert, sich auf künftige demographische Entwicklungen rechtzeitig vorzubereiten. „Firmen werden den demographischen Wandel schon frühzeitig in ihre Personalentwicklungspläne einfließen lassen und für einen passenden Mix aus alt und jung sorgen“, prognostiziert Prof. Fürnkranz-Prskawetz.

Florian Aigner | idw
Weitere Informationen:
http://www.tuwien.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften