Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kanada integriert besser

23.11.2012
Eine neue Studie des Berlin-Instituts untersucht, was Deutschland von der Zuwanderungs- und Integrationspolitik Kanadas lernen kann

Deutschland und Kanada gehören zu den Ländern mit den höchsten Anteilen an Zuwanderern weltweit. Doch während hierzulande ein großer Teil von ihnen nur über geringe Qualifikationen verfügt, sind Zuwanderer in Kanada deutlich höher qualifiziert als die einheimische Bevölkerung – 45 Prozent von ihnen haben einen Hochschulabschluss. Entsprechend leichter finden sie dort eine Arbeit: In Kanada sind rund 75 Prozent der Zugewanderten zwischen 25 und 54 Jahren erwerbstägig, während es hierzulande nur 69 Prozent sind.

Dies sind Ergebnisse der Studie „Nach Punkten vorn. Was Deutschland von der Zuwanderungs- und Integrationspolitik Kanadas lernen kann“, zu der das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung kanadische Studien und Daten des deutschen Mikrozensus ausgewertet hat.

Besonders beeindruckend sind in Kanada die Erfolge der zweiten Generation: Die Kinder der Migranten machen dort überwiegend einen akademischen Abschluss und übertreffen damit den Nachwuchs der Einheimischen bei weitem. In Deutschland liegen Migrantenkinder bei den mittleren und höheren Bildungsabschlüssen deutlich hinter den Einheimischen. Nur bei den niedrigsten Abschlüssen, also maximal der Realschule, sind Migrantenkinder mehr als doppelt so häufig vertreten.

Kern der kanadischen Zuwanderungspolitik ist ein transparentes Punktesystem, das Einwanderungswillige überwiegend nach Ausbildung, Sprachfähigkeiten und dem Alter auswählt, also klar auf hochqualifizierte Fachkräfte zielt. Wer diese Kriterien erfüllt, kann auch ohne Jobangebot einreisen. Um auch seinen Bedarf an durchschnittlich und gering qualifizierten Arbeitskräften zu decken, etwa im Pflegesektor oder in der Ölindustrie, bietet Kanada weitere Kanäle zur Zuwanderung an, die Personen mit Jobangebot zunächst einen befristeten Aufenthalt gewähren.

Wegen der anhaltend niedrigen Geburtenraten wird in Deutschland die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter bis 2020 um rund sechs Millionen schrumpfen. Die Unternehmen benötigen deshalb heute schon Arbeitskräfte aus dem Ausland. In den nächsten Jahrzehnten ist mit einem flächendeckenden Mangel, vor allem an Hochqualifizierten zu rechnen.

Nach Auffassung des Berlin-Instituts bieten die Zuwanderungs- und Integrationserfahrungen Kanadas viele Ansätze, die sich auch in der deutschen Politik umsetzen ließen. Dieser gelingt es bis heute nicht, sich offensiv als Zuwanderungsland zu präsentieren. Angesichts des international stark wachsenden Bedarfs an Fachkräften läuft Deutschland deshalb Gefahr, den Zug zu einer Einwanderungsgesellschaft des 21. Jahrhunderts zu verpassen.

Stephan Sievert | idw
Weitere Informationen:
http://www.berlin-institut.org/publikationen/studien/nach-punkten-vorn.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE