Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Italienische Einwanderer leben länger

07.01.2013
Einwanderer aus Italien leben länger als die Angehörigen ihres Gastlandes.
Hingegen ist das Sterberisiko ihrer Nachkommen deutlich höher als dasjenige der Einheimischen. Den Einflüssen des Gastlandes mehr ausgesetzt, entfernt sich die zweite Generation vom gesundheitsbegünstigenden südländischen Lebensstil, dem engen familiären Netz und hat schlechtere Bildungschancen als Einheimische. Wobei Männer stärker davon betroffen sind als Frauen, wie die Studie des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich belegt.

Einwanderer aus Italien und ihre Nachkommen bilden eine der grössten Bevölkerungsgruppen in der Schweiz. Trotzdem gibt es kaum Studien über ihren Gesundheitszustand und ihr Sterberisiko. Silvan Tarnutzer und Matthias Bopp vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich berechneten erstmals für die Schweiz unverzerrte Sterberisiken für Personen mit italienischem Migrationshintergrund.

Einwanderer aus Italien leben länger als Schweizer

Verglichen mit in der Schweiz geborenen Schweizern weisen die eingewanderten Italienerinnen und Italiener ein rund 10 Prozent geringeres Sterberisiko auf. Vor allem bei jüngeren Männern schneiden Italiener besser ab als Schweizer, wobei die Unterschiede im hohen Alter immer geringer werden. Auf den ersten Blick erstaunt dieser Befund, denn oft verfügen italienische Einwanderer nur über eine niedrige schulische Bildung und unterdurchschnittliches Einkommen, beides Faktoren, die mit höheren Sterberisiken in Zusammenhang gebracht werden. In die gleiche Richtung wirken auch die, verglichen mit der Schweiz, stärkere Verbreitung von Rauchen und Übergewicht in Italien sowie die schlechtere Beurteilung der eigenen Gesundheit. Als Gegenkraft stehen dem auf der Verhaltensebene bloss der mediterrane Ernährungsstil – häufiger Konsum von Fisch, Obst, Gemüse und Olivenöl – sowie die ausgeprägte soziale Vernetzung gegenüber. Studienerstautor Silvan Tarnutzer geht deshalb davon aus, dass die niedrigeren Sterberisiken hauptsächlich dem sogenannten «healthy migrant effect» zugeschrieben werden können. Darunter versteht man, dass oft besonders gesunde und mutige Menschen migrieren, Schwächere und Kranke sich gar nicht erst nach einer Arbeit im Ausland umsehen oder im Krankheitsfall wieder ins Ursprungsland zurückkehren.

Nachfolgegenerationen mit höherem Sterberisiko

Bei den in der Schweiz geborenen Nachkommen der Migranten fällt dieser Startvorteil weg. Der Lebensstil des Gastlandes beeinflusst die Italiener späterer Generationen während ihrer persönlichen Entwicklung. Sie entfernen sich vom gesundheitsbegünstigenden südländischen Lebensstil und vom engen familiären Netz. So zeigen in der Schweiz geborene Italiener ein 16 Prozent höheres Sterberisiko als Einheimische. «Vermutlich als Folge einer doppelten Belastung durch schlechtere Bildungschancen und einen ungünstigen Lebensstil», sagt Koautor Matthias Bopp. Interessanterweise scheinen die Frauen von dieser ungünstigen Risikokonstellation weniger betroffen. «Die männlichen Nachkommen von italienischen Einwanderern stellen aufgrund ihrer grossen Zahl und ihres durchschnittlich eher niedrigen Alters eine besondere Zielgruppe für Prävention und Gesundheitsförderung dar», schliesst Silvan Tarnutzer.

Hintergrund:
Viele Einwanderer aus Italien haben einen Wohnsitz in der Schweiz und in Italien, so dass Sterbefälle im Ausland in der Schweiz häufig nicht registriert werden. Dies führt zu einer Unterschätzung der tatsächlichen Sterberisiken.

Durch die Verwendung der «Swiss National Cohort», einer Verknüpfung von Daten aus der Volkszählung von 1990 und dem Sterbe- bzw. Ausländerregister der Jahre 1990 bis 2008 konnten Silvan Tarnutzer und Matthias Bopp vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich diese Unterregistrierung umgehen. Dabei unterschieden sie zwischen der Einwanderergeneration und den in der Schweiz geborenen Nachfolgegenerationen.

Literatur:
Tarnutzer S, Bopp M for the Swiss National Cohort Study Group. Healthy migrants but unhealthy offspring? A retrospective cohort study among Italians in Switzerland. BMC Public Health 2012,12:1104. doi:10.1186/1471-2458-12-1104
Kontakt:
lic. phil. Silvan Tarnutzer
Institut für Sozial- und Präventivmedizin
Universität Zürich
E-Mail: silvan.tarnutzer@ifspm.uzh.ch
Tel. +41 44 634 48 57
Dr. phil. II Matthias Bopp MPH
Institut für Sozial- und Präventivmedizin
Universität Zürich
E-Mail: bopp@ifspm.uzh.ch
Tel. +41 44 634 46 14

Nathalie Huber | idw
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie