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Hohes gesellschaftliches Sicherheitsbedürfnis: Mehr Kooperationen schaffen mehr Sicherheit

16.10.2013
Ob für die Sicherung der Artenvielfalt oder der Netzinfrastruktur oder den sicheren Umgang mit radioaktiven Stoffen: Eine interdisziplinäre und internationale Kooperation aller Akteure sorgt für deutlich mehr Sicherheit in der Gesellschaft als die Verfolgung rein nationaler Interessen.

Dies fand das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI im Rahmen des Projekts ETTIS (European Threats and Trends In Society) heraus. Aus den in Experten-Workshops gewonnenen Erkenntnissen über mögliche Bedrohungen und den daraus resultierenden Bedürfnissen in der Gesellschaft wurden Szenarien entwickelt, die nun in zwei Berichten veröffentlicht wurden.

Im Projekt ETTIS (European Threats and Trends In Society) werden Szenarien zukünftiger Bedrohungen und gesellschaftlicher Bedürfnisse entwickelt. Die Ergebnisse sollen bei Entscheidern das Bewusstsein für Sicherheitsfragen erhöhen und sie dabei unterstützen, Prioritäten für die Sicherheitsforschung zu setzen.

Das Arbeitspaket „Szenarienentwicklung“ wurde vom Fraunhofer ISI übernommen. In vier unterschiedlichen Kontextszenarien stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen internationalen Bezugsrahmen zur Entwicklung von Sicherheitstechnologien, Politik oder Sicherheitswahrnehmung in der Gesellschaft her. Auf dieser Grundlage entstanden je vier Szenarien für die Bereiche Umwelt, Netzinfrastruktur und radioaktive Stoffe, aus denen zukünftige Bedürfnisse der Gesellschaft abgeleitet wurden.

Im Bereich Umwelt wurden vier Szenarien, die etwa 15 Jahre in die Zukunft reichen, mit unterschiedlichen Ausprägungen entwickelt. Darin wird betrachtet, wie es um EU-weite Vorgaben für die Erhaltung der Artenvielfalt sowie naturgerechte Landnutzung, das gesellschaftliche Verantwortungsbewusstsein für die Umwelt sowie den Fokus auf Nachhaltigkeit in Wissenschaft beziehungsweise Forschung und Entwicklung bestellt ist. Je stärker die jeweiligen Bereiche ausgeprägt sind, umso mehr Alternativen gibt es im Umgang mit den möglichen Gefahren.

Als größte Gefahren werden der Klimawandel, der Verlust der Artenvielfalt, die ineffiziente Nutzung von Ressourcen, die Umweltverschmutzung sowie klimatische Extremereignisse wie Hitzewellen, Überflutungen und Stürme gesehen.

Die größten identifizierten Bedürfnisse sind demnach die Schaffung und ständige Verbesserung internationaler Abkommen in diesen relevanten Bereichen. Weiterhin empfehlen die Forscherinnen und Forscher, gemeinsam erreichbare Ziele festzulegen, um die Zusammenarbeit von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren zu fördern sowie eine gute Information der Öffentlichkeit über Ursache und Wirkung von Klimaveränderungen sowie Extremereignissen zu etablieren. Dazu gehört die Installation von zuverlässigen Warnsystemen.

Die im Rahmen des Projektes entwickelten Szenarien zur Zukunft der Netzinfrastruktur in fünf bis zehn Jahren, beschäftigen sich mit unterschiedlichen Ausprägungen der EU-Netzpolitik sowie der Nationalisierung beziehungsweise Internationalisierung der Netzpolitik. Je stärker hier die Kooperation und Abstimmung ist, umso besser kann den Cyber-Gefahren begegnet werden. Eine große Einigkeit und hohe gemeinsame Sicherheitsstandards machen es Kriminellen schwerer. Erfolgt keine Zusammenarbeit oder variieren die Netzpolitiken und Schutzmaßnahmen der Länder deutlich voneinander, entstehen hingegen große Gefahren für Privatpersonen, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Weiterhin wichtig sind die Entwicklung von Präventionstechnologien wie vorinstallierte Sicherheitssysteme, das Recht auf Information und auf Löschung der Daten.

Als größte Gefahr wird die wachsende Komplexität von Informations- und Kommunikationstechniken gesehen, die es immer schwerer macht, der Entwicklung von Viren und Trojanern schnelle und effektive Schutzmechanismen entgegen zu setzen.

Die Bedürfnisse, die am dringendsten erfüllt werden müssen, sind die Schaffung und Schärfung eines hohen Bewusstseins für die Gefahren des Netzes sowie die Schulung der Nutzer für den Umgang damit.

Auch im Bereich radioaktive Stoffe zeigen die auf etwa 15 Jahre angelegten Szenarien: Das Bedürfnis nach Aufklärung und Information hinsichtlich der Gefahren, die vom Umgang mit radioaktivem Material ausgehen können, ist hoch. Neben den häufig genannten Gefahren wie Unfälle in kerntechnischen Anlagen und Nutzung nuklearer Waffen, gehen große Risiken auch vom Diebstahl radioaktiver Materialen sowie deren Verlust beim Transport aus. Dies weckt das Bedürfnis nach internationaler Regulierung und Kontrolle, öffentlicher Beteiligung und Information sowie kontinuierlicher Qualifizierung der Mitarbeiter.

Dr. Ewa Dönitz, Projektleiterin am Fraunhofer ISI, fasst die Schlüsselfaktoren zusammen: „Ein hohes Bewusstsein für die Sicherheitsrisiken und das damit verbundene Bedürfnis nach Sicherheit in der Gesellschaft ist entscheidend, um diesen Entwicklungen zu begegnen. Wichtig dafür ist Bildung und Information der Öffentlichkeit. Neben den technologischen sind auch nicht-technologische Lösungen wie eine interdisziplinäre, internationale Kommunikation der Akteure wichtig − auch außerhalb der Komfortzone gleichgesinnter Staaten und derzeitig international anerkannter Regeln.“

Der Prozess wurde im Juni mit dem „Scenario Validation Workshop“ abgeschlossen. Die beiden Abschlussberichte, die die Beschreibung der Szenarien sowie die daraus abgeleiteten gesellschaftlichen Bedürfnisse enthalten, können ab sofort unter http://ettis-project.eu/wp-content/uploads/2012/03/D4_4.pdf und http://ettis-project.eu/wp-content/uploads/2013/10/D4_5.pdf heruntergeladen werden.

Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI
Breslauer Straße 48
76139 Karlsruhe
Presse und Kommunikation
Anne-Catherine Jung MA
Telefon +49 (0) 721 / 68 09 - 100
presse@isi.fraunhofer.de

Anne-Catherine Jung | Fraunhofer-Institut
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