Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Herausforderung Integration

17.12.2009
Der 'Hessische Monitor Arbeitsmarkt und Migration' unterstützt Eingliederung von Migranten

Migranten sind in Deutschland weniger in den Arbeitsmarkt integriert als ihre deutschen Mitbürger; daran änderten auch Integrationsprogramme der vergangenen Jahre wenig. Warum schlagen diese so häufig fehl?

Es mangelt politischen Entscheidern und kommunalen Verwaltungen oft an passgenau aufbereiteten Hintergrundinformationen, um Fördermaßnahmen erfolgreich umsetzen zu können, sagen die ExpertInnen vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur der Goethe-Universität (IWAK).

Der von ihnen entwickelte 'Hessische Monitor Arbeitsmarkt und Migration' (HeMonA) setzt nun an diesem Punkt an, sorgt mit seinem webbasierten nutzerorientierten Informationssystem für mehr Transparenz zur Situation von Migranten auf kommunalen Arbeitsmärkten und hilft damit, deren Integration zu verbessern. In der soeben erschienenen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins 'Forschung Frankfurt' stellen Prof. Alfons Schmid, Dr. Christa Larsen und Vera Neisen dieses neue Instrument zur Politikberatung vor, das schon seit drei Wochen im Landkreis Offenbach genutzt wird und bis Ende 2010 flächendeckend in Hessen implementiert werden soll.

Heute haben 15 Prozent der Bevölkerung in Deutschland einen Migrationshintergrund, sind also entweder selbst Zuwanderer oder in Deutschland geborene Nachkommen. In Ballungsräumen wie im Rhein-Main-Gebiet liegen die Anteile sogar deutlich über 30 Prozent. Frankfurt ist die bundesdeutsche Großstadt mit dem höchsten Anteil an BürgerInnen mit Migrationshintergrund, hier sind es 38 Prozent der Bevölkerung. Trotz dieser Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur ist die Integration der Migranten erst seit wenigen Jahren stärker in den Fokus von Politik und Öffentlichkeit gerückt. Zwar haben viele der Zugewanderten und ihre Nachkommen längst ihren Platz in der Gesellschaft gefunden; gleichwohl sind die Integrationsprobleme in den zurückliegenden Jahren zum Teil größer geworden. Insbesondere in der zweiten und dritten Generation der Zuwandererfamilien besteht ein erheblicher Integrations-Nachholbedarf. "So ist die Abhängigkeit des Bildungserfolges von sozialer Herkunft und Migrationshintergrund in Deutschland im OECD-Vergleich besonders ausgeprägt", erklärt die Sozialwissenschaftlerin und IWAK-Geschäftsführerin Larsen. "Überdurchschnittlich viele Jugendliche mit Migrationshintergrund verlassen die Schule ohne Abschluss; auf Gymnasien und Universitäten sind sie nur unterdurchschnittlich vertreten. Diese Zahlen schlagen sich auch in der Arbeitsmarktsituation von Migranten nieder. Nur ein Beispiel: Im Kreis Offenbach liegt die Arbeitslosenquote bei 7 Prozent, bei Ausländern bei 18 Prozent." Migranten sind im Rhein-Main-Gebiet außerdem überdurchschnittlich häufig in Niedriglohn-Branchen beschäftigt, etwa im Gastgewerbe, wo fast 30 Prozent der Beschäftigten einen Migrationshintergrund haben.

Inzwischen hat die Frage, wie MigrantInnen in den Arbeitsmarkt und das Bildungssystem der jeweiligen Kommune integriert werden können, eine hohe politische Priorität in vielen Städten, Gemeinden und Kreisen des Rhein-Main-Gebiets. "Diese besteht gerade vor dem Hintergrund, dass die Integration in den Arbeitsmarkt die soziale und politische Integration nach sich zieht und sich Arbeitsmarktintegration somit als Motor der Integration erweist", erläutert Alfred Schmid. Die meisten Kommunen haben bisher keinen systematischen und umfassenden Überblick über die Situation der Migranten auf dem jeweiligen kommunalen Arbeitsmarkt. So sind beispielsweise weder die Qualifikationen der Migranten genau bekannt, noch kann die Frage beantwortet werden, welche dieser Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt werden, ob also das Angebot mit der Nachfrage übereinstimmt.

Die Kommunen können zwar auf verschiedenste Datenquellen des Hessischen Statistischen Landesamts oder der Bundesagentur für Arbeit zurückgreifen, doch die Aufbereitung der Informationen gestaltet sich aufwendig. An dieser Stelle setzt der Hessische Monitor Arbeitsmarkt und Migration' (HeMonA) ein: Dort werden unter Nutzung statistisch-methodischer Verfahren verschiedene Datenbestände miteinander verknüpft, die dann eine solide kommunale Planungsgrundlage darstellen. "Wir haben diese Informations- und Datenprobleme mit einem regionalen oder kommunalen Zielgruppenmonitoring systematisch verbessert. Monitoring ist dabei ein Verfahren, mit dem für die Akteure vor Ort solide Planungsdaten erzeugt und kontinuierlich fortgeschrieben werden. Somit können sie nicht nur adäquate Maßnahmen planen, sondern auch im Zeitverlauf verfolgen, ob ihre Maßnahmen tatsächlich greifen", so Larsen.

Regionales und kommunales Zielgruppenmonitoring ist ein innovatives Instrumentarium, das vom IWAK und Partnern aus dem European Network of Regional Labour Market Monitoring seit 2006 konzeptionell und statistisch entwickelt sowie in Deutschland, den Niederlanden, Österreich und in Tschechien erprobt wurde. Die wesentliche Funktion des Monitorings ist es, Transparenz zu schaffen, indem passgenaue Daten beziehungsweise Informationen erzeugt und an die Akteure vor Ort kommuniziert werden. "Passgenau sind Daten dann, wenn sie tatsächlich jene Informationsbereiche abdecken, die die Akteure vor Ort benötigen und wenn zudem auf diese Daten direkt von den Nutzern, wann immer sie diese brauchen, zugegriffen werden kann, ohne dass dies einen wesentlichen Mehraufwand innerhalb der regulären Arbeitsprozesse bedeutet", ergänzt die Humangeografin Neisen.

Im Sommer 2008 hatte das IWAK im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Arbeit, Familie und Gesundheit die Entwicklungsarbeiten für ein kommunal basiertes Integrationsmonitoring im Landkreis Offenbach aufgenommen. Ziel war es zunächst, in dieser hessischen Pilotregion ein nutzer- und nachfrageorientiertes Monitoring für die Zielgruppe Migranten zu entwickeln und bis Ende 2009 in den Dauerbetrieb zu überführen: "Das ist inzwischen mit dem 'Hessischen Monitor Arbeitsmarkt und Integration' erfolgreich geschehen", so Schmid. Carsten Müller, Kreisbeigeordneter aus dem Kreis Offenbach gehört zu den strategischen Nutzern des HeMonA und beschreibt Vorteile des Instruments für die Arbeit des Kreises: "Das Monitoringsystem bringt uns vor Ort Klarheit darüber, wer, wann, wie gefördert und vermittelt werden kann. Die Datenbasis - direkt nach unseren Bedürfnissen auf dem Bildschirm abrufbar - gibt uns beispielsweise die Möglichkeit, genauer als bisher über Erfordernisse und die Anzahl von Kursen zur Förderung von Migranten zu entscheiden. Wir wissen exakt, wo Schwachstellen liegen und wo Fort- und Weiterbildungsbedarf besteht, zum Beispiel bei der Sprachförderung für Frauen." Jetzt soll mit anderen hessischen Kreisen und kreisfreien Städten die passgenaue Übernahme dieses Instruments vorangebracht werden, um es bis Ende 2010 flächendeckend in Hessen zu implementieren. Damit wäre Hessen das erste Bundesland mit einem flächendeckenden kommunalen Zielgruppenmonitoring.

Informationen: Dr. Christa Larsen, Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK), Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 22152, c.larsen@em.uni-frankfurt.de

Das aktuelle Forschung Frankfurt (3/2009) mit Themen zu 'Frankfurt und Rhein-Main' ist als PDF einsehbar unter www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/2009/index.html oder als Printausgabe anzufordern bei Helga Ott, ott@pvw.uni-frankfurt.de

Ulrike Jaspers | idw
Weitere Informationen:
http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/2009/index.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht Sterblichkeit durch Rauchen für ostdeutsche Frauen bald höher als für westdeutsche
10.05.2017 | Max-Planck-Institut für demografische Forschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Polarstern ab heute unterwegs nach Spitzbergen, um Rolle der Wolken bei Erwärmung der Arktis zu untersuchen

24.05.2017 | Geowissenschaften