Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grenzgänger am Arbeitsmarkt. Die große Furcht vor dem Abstieg

19.09.2008
Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt: Prekarisierte Erwerbsbiografien

Im Zuge der Neuordnung der Arbeitsmarktpolitik und angesichts einer wachsenden Zahl prekär Beschäftigter in der Arbeitswelt bildet sich ein neuer Typus heraus: die Grenzgänger am Arbeitsmarkt. Sie gehören nicht richtig dazu, aber sie sind auch keine Ausgeschlossenen.

Die Grenze zwischen dauerhaft sicheren und kontinuierlich unsicheren Zonen der Arbeitswelt verwischt zunehmend. Dies ist ein zentrales Ergebnis eines Projekts des Hamburger Instituts für Sozialforschung, welches Teil eines vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales drittmittelfinanzierten Forschungsvorhabens ist.

Ein Merkmal der Grenzgänger ist ihre hohe Aktivität am Arbeitsmarkt. Aber trotz Aktivität, Kreativität und Mobilität schaffen nur wenige den Aufstieg in erwerbsbiographische Stabilität, so die Wissenschaftler vom Hamburger Institut. "Es kann hier" so die Wissenschaftler, "von einem rasenden Stillstand gesprochen werden", denn Aktivität am Arbeitsmark führe nicht zwangsläufig zu einer Verbesserung der eigenen Lebens- oder Arbeitssituation.

Natalie Grimm und Berthold Vogel haben im Abstand von zwei Jahren 106 Personen befragt. Die Interviews zeigen, dass die Zahl der erwerbsgesellschaftlichen Grenzgänger, die im steten Wechselspiel zwischen Arbeitslosigkeit und Erwerbstätigkeit pendeln, zunimmt.

Für die meisten der Befragten - Männer wie Frauen, Junge wie Alte, Qualifizierte und Hilfs-kräfte - ist Erwerbsarbeit nach wie vor der zentrale Modus der gesellschaftlichen Integration. Eine starke Sorge, ja Angst teilen alle Befragten, die vor der beruflichen Deklassierung und die vor der sozialen Ausgrenzung. Alle spüren den Zwang, den gesellschaftlichen Verhalten-anforderungen zu entsprechen. Sie bemühen sich in einem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, der nur Jobs, aber keine perspektivreiche Beschäftigung kennt, was dazu führt, dass die Betroffenen erwerbsbiografisch in der Prekarität gefangen sind.

Es gilt die Faustformel: je unqualifizierter und älter, desto stärker stehen sie mit dem Rücken zur Wand. Und umgekehrt: Je jünger und qualifizierter, desto mehr Handlungsspielräume bleiben ihnen noch. Grimm und Vogel haben eine Präzisierung des Prekaritätsbegriffs vorge-nommen, denn "die Fragilität von Beschäftigungsverhältnissen, die rechtliche, soziale und materielle Prekarität der Erwerbsarbeit, aber auch die wachsende Hilfebedürftigkeit hat Einzug in ehedem stabile Bereiche der sozialen und beruflichen Mittelschicht gehalten".

Natalie Grimm und Berthold Vogel werden ihre Ergebnisse auf dem Soziologiekongress in Jena (7. bis 10.10.2008) vorstellen.

Für Rückfragen und Anfragen an die beiden Autoren der Studie wenden Sie sich gerne an mich.

Dr. Regine Klose-Wolf
Hamburger Institut für Sozialforschung
Leiterin der Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 040-414097-12
Fax 040-414097-11
Presse@his-online.de

Dr. Regine Klose-Wolf | idw
Weitere Informationen:
http://www.his-online.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops