Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geben ist seliger denn nehmen: Wie Persönlichkeit den Wissensaustausch in Organisationen beeinflusst

11.08.2014

Gebende teilen mehr wichtiges Wissen - das haben Forscher des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM) in Tübingen und der Universität Tübingen herausgefunden.

In einer großen Onlinestudie mit Berufstätigen untersuchten sie, wie sich die Klassifikation von Adam Grant in Nehmende, Vergleichende und Gebende auf das Teilen von Ressourcen und Information auswirkt. Das Ergebnis: Gebende teilen nicht nur mehr Ressourcen und mehr Informationen, sondern sie teilen auch vor allem die wichtigen Informationen. Nehmende behalten dagegen alles für sich.

Tübingen, 08. August 2014. Adam Grant, Professor der Wharton School der Universität von Pennsylvania, stellt in seinem Bestseller „Geben und Nehmen: Erfolgreich sein zum Vorteil aller“, der zur Pflichtlektüre für Manager gehört, die gängige These in Frage, dass rücksichtslose Egoisten am ehesten Karriere machen und zeigt, dass auch altruistische Menschen weit kommen können.

Seine Unterteilung in Gebende, Nehmende und Vergleichende lässt sich auch sinnvoll auf den Wissensaustausch in Organisationen anwenden – das konnten nun Forscherinnen des Leibniz-Instituts für Wissensmedien in Tübingen (IWM) und der Universität Tübingen zeigen. Demnach teilen Gebende nicht nur mehr Ressourcen und mehr Informationen, sondern vor allem auch wichtige Informationen. Nehmende dagegen behalten alles für sich.

Adam Grant unterscheidet zwischen Gebenden, Vergleichenden und Nehmenden. Gebende sind immer hilfsbereit und geben mehr als sie bekommen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Vergleichende verhalten sich nach der „wie Du mir, so ich Dir“-Strategie. Nehmende versuchen vor allem, so viel wie möglich zu bekommen, ohne eine Gegenleistung zu erbringen.

Zur Klassifikation hat Grant einen Fragebogen entwickelt, bei dem die Teilnehmer in 15 Szenarien aus dem (Berufs)alltag angeben müssen, für welche von drei Handlungsalternativen sie sich entscheiden würden. Diese neue Klassifikation und eine ältere Klassifikation in Prosoziale, Individualisten und Kompetitive verwendeten Prof. Dr. Sonja Utz (Professorin an der Universität Tübingen und Leiterin der Nachwuchsgruppe Social Media am IWM), Nicole Muscanell (IWM) und Prof. Dr. Anja Göritz (Universität Freiburg) in einer Studie mit über 1200 Berufstätigen, die demnächst in der Zeitschrift Personality and Individual Differences veröffentlicht wird. Weiterhin wurden verschiedene Persönlichkeitsmerkmale, wie beispielsweise Narzissmus, erhoben.

Zwei Wochen später erhoben Prof. Utz und ihre Kolleginnen kooperatives Verhalten in einem sozialen Dilemma und strategischen Wissensaustausch. Bei der ersten Aufgabe, dem sozialen Dilemma, gaben die Teilnehmenden ihre Bereitschaft an, wie viel ihrer fiktiven 300,- EUR sie in den gemeinsamen Gruppentopf geben würden. Das Geld im Gruppentopf wurde dann verdoppelt und gleichmäßig unter allen Gruppenmitgliedern aufgeteilt.

Für die Gruppe wäre es also am besten, wenn jeder seinen Beitrag teilt; für den Einzelnen ist es am besten, darauf zu hoffen, dass alle anderen teilen und gleichzeitig den eigenen Beitrag zu behalten. Mit der Aufgabe zum strategischen Wissensaustausch untersuchten die Wissenschaftler, wie viele und welche Informationen die Teilnehmenden weitergeben: eher die weniger wichtigen und ohnehin schon bekannten, oder die wirklich wichtigen Informationen, über die nur sie selbst verfügen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Gebende weniger selbstorientiert und weniger narzisstisch sind als Nehmende. Darüber hinaus konnte die Klassifikation in Gebende, Vergleichende und Nehmende das Verhalten der Probanden zwei Wochen später besser vorhersagen als die herkömmliche Klassifikation in Prosoziale, Individualisten und Kompetitive. Gebende teilten nicht nur mehr Geld mit der Gruppe, sondern sie gaben vor allem auch die wichtigen Informationen weiter. Nehmende indes behielten sowohl Geld als auch jegliche Art von Information für sich.

Diese Ergebnisse haben wichtige Implikationen für das Wissensmanagement in Unternehmen. Sie zeigen, dass die Bereitstellung von geeigneten Wissensmanagement-Tools allein nicht ausreicht, um optimales Wissensmanagement zu gewährleisten. Stattdessen sollten Führungskräfte immer auch die Persönlichkeit ihrer Mitarbeiter im Blick behalten, da gerade Nehmende dazu neigen, wichtige Informationen für sich zu behalten.

Kontakt & weitere Information Leibniz-Institut für Wissensmedien
Prof. Dr. Sonja Utz
Leibniz-Institut für Wissensmedien, Schleichstraße 6, 72076 Tübingen
Tel.: 07071/ 979-308, Fax: 07071/ 979-100, E-Mail: s.utz@iwm-kmrc.de

Sieglinde Neudert, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Wissensmedien, Schleichstraße 6, 72076 Tübingen,
Tel.: 07071/ 979-339, Fax: 07071/ 979-100, E-Mail: presse@iwm-kmrc.de

Das Leibniz-Institut für Wissensmedien
Das Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen erforscht das Lehren und Lernen mit digitalen Technologien. Rund 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Kognitions-, Verhaltens- und Sozialwissenschaften arbeiten multidisziplinär an Forschungsfragen zum individuellen und kooperativen Wissenserwerb in medialen Umgebungen. Seit 2009 unterhält das IWM gemeinsam mit der Universität Tübingen Deutschlands ersten WissenschaftsCampus zum Thema „Bildung in Informationsumwelten“. Besuchen Sie uns im Internet unter http://www.iwm-kmrc.de.

Die Leibniz-Gemeinschaft
Das IWM ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, die 89 selbstständige Forschungseinrichtungen der Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften verbindet. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Sie unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 16.500 Personen, darunter 7.700 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,4 Milliarden Euro.

Sieglinde Neudert | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.iwm-kmrc.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie