Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fremdeln in der Vielfalt

07.03.2012
Vertrauen in ethnisch heterogenen Regionen ist geringer

Menschen in ethnisch vielfältigen Regionen haben weniger Vertrauen in ihre Mitmenschen als die Bewohner ethnisch homogener Städte und Gemeinden. Die Folge: Die Bereitschaft, für gemeinsame Ziele einzutreten, ist geringer.

Das ist eines der Ergebnisse des Forschungsprojekts „Ethnische Diversität, soziales Vertrauen und Zivilengagement“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), in dem die Auswirkungen ethnischer Vielfalt in Deutschland erforscht werden.

Die Forscher fanden heraus, dass schon der bloße Hinweis auf ethnische Vielfalt in der Nachbarschaft das Vertrauen schwächen kann. Das gilt vor allem für Menschen, die wenig Erfahrung mit ethnischer Heterogenität haben. Zu den Ursachen des Misstrauens zählen Sprachbarrieren, fehlende Kontakte und unterschiedliche Vorstellungen über das Zusammenleben. Ethnische Vielfalt und eine ungünstige soziale Lage wirken dabei oft zusammen: Auch die schlechte wirtschaftliche Situation in einer Region lässt das Vertrauen der Menschen zueinander schwinden.

Weniger Vertrauen heißt aber nicht, dass sich Menschen generell in die Passivität zurückziehen, wie die Forscher betonen. Vertrauensdefizite können Menschen auch mobilisieren, sich zu engagieren, um ihre Umgebung zu verändern. Das betrifft vor allem die ehrenamtliche Mitarbeit in Vereinen und die Beteiligung an Protestaktionen.

Das Forschungsprojekt der WZB-Abteilung Migration, Integration, Transnationalisierung, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wurde, umfasst neben Telefoninterviews mit über 10.000 Befragten auch experimentelle Feldversuche und qualitative Fallstudien an Grundschulen.

Die Projektergebnisse werden im aktuellen Heft der Vierteljahreszeitschrift WZB-Mitteilungen dargestellt:

Eine Teilstudie befasst sich mit dem Thema Vertrauen und Engagement an 40 Berliner Grundschulen. Ein Ergebnis ist, dass sich Eltern an Schulen mit Kindern verschiedener ethnischer Herkunft zurückhaltend im Schulleben engagieren – das gilt vor allem, wenn die Schüler aus sozial benachteiligten Familien stammen.
Zum Artikel in den WZB-Mitteilungen (PDF)
http://www.wzb.eu/sites/default/files/publikationen/wzb_mitteilungen/wm135.13-15.pdf
Wie ein Briefexperiment in Berlin zeigt, hat das fehlende Vertrauen direkte Auswirkungen: Solidarisches Verhalten ist in Bezirken, in denen Menschen unterschiedlicher Herkunft leben, geringer ausgeprägt.
Zur gesonderten Pressemitteilung http://www.wzb.eu/de/pressemitteilung/vielfalt-beeinflusst-solidaritaet

Zum Artikel in den WZB-Mitteilungen (PDF) http://www.wzb.eu/sites/default/files/publikationen/wzb_mitteilungen/wm135.9-12.pdf

In einem Interview erklären die beiden Wissenschaftler Ruud Koopmans und Merlin Schaeffer, dass sich Vertrauensdefizite durch integrationspolitische Maßnahmen kaum verringern lassen.

Zum Interview in den WZB-Mitteilungen (PDF) http://www.wzb.eu/sites/default/files/publikationen/wzb_mitteilungen/wm135.16-18.pdf

Pressekontakt

Kerstin Schneider
Referat Information und Kommunikation
fon: 030 254 915 06
kerstin.schneider@wzb.eu
Claudia Roth
Referat Information und Kommunikation
fon: 030 254 915 17
claudia.roth@wzb.eu
Zur aktuellen Ausgabe der WZB-Mitteilungen (PDF)
http://www.wzb.eu/sites/default/files/publikationen/wzb_mitteilungen/wm135.gesamt.pdf

Dr. Paul Stoop | idw
Weitere Informationen:
http://www.wzb.eu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise