Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frauenbeschäftigungsquote im Osten wächst schneller als im Westen

14.01.2015

Auch 25 Jahre nach dem Mauerfall ist Deutschland zweigeteilt – auf dem Arbeitsmarkt. In den Ost-Bundesländern sind erheblich mehr Frauen beschäftigt als im Westen. Zwischen einzelnen Kreisen und kreisfreien Städten liegen bis zu 27 Prozentpunkte Differenz. Und: Die Kluft wächst weiter.

Starke Ost-West-Unterschiede prägen auch 25 Jahre nach dem Mauerfall den Arbeitsmarkt für Frauen. Während im Osten die Frauenbeschäftigungsquote 2012 bei 57,9 Prozent lag, kam der Westen auf 50,9 Prozent. Spitzenreiter unter den Bundesländern ist Sachsen (58,5 %), gefolgt von Brandenburg (58,0 %) und Thüringen (58,0 %).

Die geringsten Quoten sind dagegen im Saarland (47,2 %) und in Nordrhein-Westfalen (47,5 %) zu verzeichnen, gefolgt von Niedersachsen (50,4 %) und Rheinland-Pfalz (50,6 %). Das belegen Auswertungen der Bertelsmann Stiftung aus ihrem Datenportal "Wegweiser Kommune". Von den bundesweit 295 Landkreisen rangieren 80 Westkreise am Tabellenende, bei den 106 kreisfreien Städten sind es 54 West-Städte. Und die Analyse zeigt, dass die Kluft zwischen Ost und West weiter wächst.

Untersucht wurde die Frauenbeschäftigungsquote aller kreisfreien Städte und Landkreise in Deutschland. Die Quote gibt an, wie viel Prozent der weiblichen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 18 bis 64 Jahren am Wohnort als sozialversicherungspflichtig beschäftigt gemeldet sind. Seit 2006 hat sich die Quote im Osten von 50,9 auf 57,9 Prozent erhöht, im Westen von 45,8 auf 50,9 Prozent. Mit dieser grundsätzlich positiven Entwicklung nimmt aber auch die Differenz zwischen Ost und West weiter zu: von 5,1 Prozentpunkten in 2006 auf 7,0 in 2012.

Bundesweit liegt die Beschäftigungsquote der Frauen mit 51,8 Prozent immer noch deutlich hinter der der Männer (59,2 %). Dr. Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung: "Unsere Auswertungen zeigen, dass trotz des leichten Anstiegs im Zeitverlauf Handlungsbedarf besteht. Niedrige Beschäftigungsquoten erhöhen das Risiko von Altersarmut bei Frauen." Verstärkt wird dieser Effekt durch weitere Rahmenbedingungen. So tragen z .B. auch unterbrochene Erwerbsbiographien oder das niedrigere Lohniveau zu geringeren Einzahlungen in die Rentenkassen und damit zum Risiko einer Altersarmut bei.

Auch aus demographischer Sicht ist eine Analyse der Frauenbeschäftigungsquoten wichtig: Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der potenziellen Arbeitskräfte in der Altersgruppe von 25 bis 64 Jahren um 11,1 Prozent zurückgehen. Dr. Kirsten Witte, Programmdirektorin der Bertelsmann Stiftung: "Mehr Frauen eine Berufstätigkeit zu ermöglichen, ist eine Herausforderung für die Kommunen mit ihren Unternehmen und die gesamte Gesellschaft, denn gerade angesichts des hohen Qualifikationsniveaus von Frauen schlummern hier große Potenziale für den Arbeitsmarkt."

Dass kreisfreie Städte wie Potsdam (60,1 %), Suhl (58,6 %) und Brandenburg an der Havel (58,5 %) sowie Dessau-Roßlau (58,5 %) im Osten und Heidelberg (38,7 %), Gelsenkirchen (39,7 %) und Trier (40,0 %) sowie Herne (40,7 %) im Westen so deutliche Unterschiede aufweisen, ist auch 25 Jahre nach dem Mauerfall nicht zuletzt durch unterschiedliche Rollenbilder in Ost- und Westdeutschland bedingt.

Kirsten Witte: "Die Ost-Rollenbilder waren sehr lange egalitär geprägt – also beide Geschlechter in der Regel berufstätig. Im Westen ist dieses gleichberechtigte Doppelverdiener-Modell weniger stark verbreitet. Hier ist meist der Mann der Hauptverdiener." Besonders gravierend ist das Ungleichgewicht auf der Gemeinde-Ebene. Die Spanne zwischen der höchsten und der niedrigsten Frauenbeschäftigungsquote liegt hier bei bis zu 50 Prozentpunkten.

Große Entwicklungschancen sehen die Experten der Bertelsmann Stiftung in der Ausweitung der Beschäftigung von Frauen. Auswertungen belegen, dass erwerbstätige Frauen hoch und teilweise höher qualifiziert sind als Männer. Dieses Wissenspotenzial muss künftig besser genutzt werden. Beispielsweise könnten Frauen, die in Teilzeit arbeiten, ihre Wochenarbeitsstunden bei verbesserten Rahmenbedingungen ausweiten. Das wäre nicht nur ein Hebel zum Ausgleich der demographischen Nachteile, sondern würde auch dem persönlichen Risiko einer wachsenden Altersarmut entgegenwirken.

Zum Hintergrund:
Die Auswertungen und Analysen stammen aus dem "Wegweiser Kommune" der Bertelsmann Stiftung. Unter www.wegweiser-kommune.de werden für alle Kommunen in Deutschland mit mehr als 5.000 Einwohnern Daten, Bevölkerungsprognosen und konkrete Handlungskonzepte für die kommunale Praxis zur Verfügung gestellt. Der "Wegweiser Kommune" ermöglicht so einen Blick auf die Entwicklung in den Politikfeldern Demographischer Wandel, Bildung, Finanzen, Integration, soziale Lage sowie Wirtschaft und Arbeit. Hier ist auch die Frauenbeschäftigungsquote auf Gemeindeebene abrufbar.

Unsere Experten: Carsten Große Starmann, Telefon: 05241/8181228
E-Mail: carsten.grosse.starmann@bertelsmann-stiftung.de

Petra Klug, Telefon: 05241/8181347
E-Mail: petra.klug@bertelsmann-stiftung.de

Weitere Informationen:

http://www.bertelsmann-stiftung.de
Hier bietet die Bertelsmann Stiftung auch Karten auf Bundes- und Länderebene, sowie regionale Auswertungen zum Download an.

Maria Droop | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Deutschland wächst – aber nicht überall
24.04.2018 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht Daseinsvorsorge in Stadt und Land sichern
08.11.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Im Focus: LZH showcases laser material processing of tomorrow at the LASYS 2018

At the LASYS 2018, from June 5th to 7th, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) will be showcasing processes for the laser material processing of tomorrow in hall 4 at stand 4E75. With blown bomb shells the LZH will present first results of a research project on civil security.

At this year's LASYS, the LZH will exhibit light-based processes such as cutting, welding, ablation and structuring as well as additive manufacturing for...

Im Focus: Kosmische Ravioli und Spätzle

Die inneren Monde des Saturns sehen aus wie riesige Ravioli und Spätzle. Das enthüllten Bilder der Raumsonde Cassini. Nun konnten Forscher der Universität Bern erstmals zeigen, wie diese Monde entstanden sind. Die eigenartigen Formen sind eine natürliche Folge von Zusammenstössen zwischen kleinen Monden ähnlicher Grösse, wie Computersimulationen demonstrieren.

Als Martin Rubin, Astrophysiker an der Universität Bern, die Bilder der Saturnmonde Pan und Atlas im Internet sah, war er verblüfft. Die Nahaufnahmen der...

Im Focus: Self-illuminating pixels for a new display generation

There are videos on the internet that can make one marvel at technology. For example, a smartphone is casually bent around the arm or a thin-film display is rolled in all directions and with almost every diameter. From the user's point of view, this looks fantastic. From a professional point of view, however, the question arises: Is that already possible?

At Display Week 2018, scientists from the Fraunhofer Institute for Applied Polymer Research IAP will be demonstrating today’s technological possibilities and...

Im Focus: Raumschrott im Fokus

Das Astronomische Institut der Universität Bern (AIUB) hat sein Observatorium in Zimmerwald um zwei zusätzliche Kuppelbauten erweitert sowie eine Kuppel erneuert. Damit stehen nun sechs vollautomatisierte Teleskope zur Himmelsüberwachung zur Verfügung – insbesondere zur Detektion und Katalogisierung von Raumschrott. Unter dem Namen «Swiss Optical Ground Station and Geodynamics Observatory» erhält die Forschungsstation damit eine noch grössere internationale Bedeutung.

Am Nachmittag des 10. Februars 2009 stiess über Sibirien in einer Höhe von rund 800 Kilometern der aktive Telefoniesatellit Iridium 33 mit dem ausgedienten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Mikroskopie der Zukunft

22.05.2018 | Medizintechnik

Designerzellen: Künstliches Enzym kann Genschalter betätigen

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics