Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ethnische Clubkulturen - wie junge Migranten in europäischen Großstädten leben

19.09.2008
Kira Kosnick, Juniorprofessorin am Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, ist vom European Research Council (ERC) für einen "Starting Independent Researcher Grant" im Bereich "Social Sciences and Humanities" ausgewählt worden.

Mit fast 1,3 Millionen Euro wird ihr Projekt, das neue Formen von kulturellen Praxen und Sozialformationen in ethnischen Clubkulturen untersucht, in den nächsten vier Jahren gefördert.

"In europäischen Städten wie Berlin, London und Paris sind in den letzten zehn Jahren eigenständige Clubszenen entstanden, die sich musikalisch an hybriden Genres wie Türkischem Pop und Asian Underground orientieren. Mich interessiert besonders, wie diese jungen Leute bestimmte soziale Praxen und Zusammenhänge entwickeln, die in der Migrationsforschung bislang ausgeblendet bleiben", so Kosnick. Sie beobachtet seit fünf Jahren, wie Migranten der zweiten und dritten Generation urbane Räume in Europa nutzen und verändern. Mit den Fördermittel der Europäischen Union will Kosnick dies nun detailliert untersuchen.

Die Clubszene gehört seit einigen Jahren zur Lebenskultur junger Migranten in den Metropolen Europas. "Diese Clubs sind stark von den Nachkommen der Einwanderer in den verschiedenen Städten geprägt: in Berlin von der türkischen Szene, in London von der britisch-asiatischen und in Paris von den Nachkommen nordafrikanischer Einwanderer", weiss Kosnick aus ihren Studien vor Ort. Bisher wurde allerdings nie wissenschaftlich hinterfragt, wie ethnische Minderheiten sich an spezifisch urbanen Phänomenen von Vergesellschaftung beteiligen, wie sie sich beispielsweise in Szenen einbringen und sozial experimentieren. Das hat seine Gründe, wie Kosnick erläutert: "In vielen aktuellen Studien steht die Identität der Migranten im Vordergrund; die meisten Wissenschaftler, ob Anthropologen oder aus angrenzenden Disziplinen, haben sich wenig für die sozialen Praktiken interessiert, wie sie sich in der Großstadt-Szene entwickeln können: flüchtige soziale Formationen, im halb-öffentlichen Raum und ohne klar definierte Mitgliedschaft." Mit ethnografischen Fallstudien sollen nun die Potenziale der urbanen Clubszenen herausgefiltert werden, die auf neue Formen von Solidarität und Integration benachteiligter Gruppen in urbanen Räumen verweisen. Untersuchen werden Kosnick und ihr Mitarbeiterteam dies in den drei Metropolen Berlin, London und Paris.

Kira Kosnick studierte Soziologie an der Freien Universität Berlin und an der New School for Social Research in New York. Als Marie-Curie-Fellow war sie am Centre for Migration Research der University of Sussex. Nach ihrer Promotion, für die von der New School for Social Research sie den "Stanley Diamond Memorial Award 2003" in den Sozialwissenschaften ausgezeichnet wurde, kehrte sie nach Europa zurück. Zunächst nach Deutschland an die Brandenburgische Technische Universität Cottbus, dann zog es sie erneut nach England an die University of Southhampton und die Nottingham Trent University. Seit 2006 ist Kira Kosnick Juniorprofessorin an der Goethe-Universität.

"Die Förderung durch den ERC ermöglicht es, mit großer Autonomie innovative Projekte durchzuführen, die über die Förderprogramme auf nationaler Ebene so nicht zu realisieren wären", erläutert die Juniorprofessorin, die gemeinsam mit dem Chemiker Prof. Magnus Rueping als erste Wissenschaftler der Goethe-Universität mit dem "Starting Grant". ausgezeichnet wurde. Beide gehören zu rund 300 Nachwuchsforscherinnen und -forschern, die im ersten Aufruf des Starting Independent Researcher Grant gefördert werden. Die Goethe-Universität war mit zwei erfolgreichen Anträgen in der ersten Runde dieses neuen Förderprogramms der Europäischen Union (EU) erfolgreicher als manche Elite-Uni. Aus Deutschland waren 32 Projektanträge erfolgreich; insgesamt wurden über 9000 Anträge eingereicht, die in einem zweistufigen Verfahren, zu der auch eine Präsentation in Brüssel gehörte, ausgewählt wurden. Die Frankfurter Anthropologin, Kira Kosnick ist eine von fünf Kandidaten in Deutschland, deren Antrag im Bereich "Social Sciences and Humanities" gefördert wird. Insgesamt waren aus Deutschland 108 Bewerbungen in Brüssel eingegangen.

Der European Research Council (ERC) will anspruchsvolle, risikoreiche Projekte an Forschungseinrichtungen in den Mitgliedstaaten oder einem assoziierten Staat der EU fördern, wobei die Nationalität eines Wissenschaftlers keine Rolle spielt. Damit wird deutlich, dass Europa als Wissenschaftsstandort weltweit an Attraktivität gewinnen soll. Das in Zukunft von Jahr zu Jahr steigende Budget des ERC dokumentiert, dass dieser 2007 initiierten Prozess kontinuierlich gestärkt werden soll. Ein Ziel ist es unter anderem, Europa als Forschungsstandort insbesondere in Konkurrenz zu den USA wieder attraktiver zu gestalten.

Informationen:
Juniorprof. Kira Kosnick,
Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie,
Campus Westend,
Tel: (069) 798-32913,
kosnick[at]em.uni-frankfurt.de

Ulrike Jaspers | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften