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Erste Demografie-Checks für deutsche Alpenregionen

31.08.2011
Konferenz des EU-Forschungsprojekts „demochange“ an der Hochschule München

Der „Demografische Wandel“ gilt als Megatrend. Im Alpenraum sind die Folgen besonders gut sichtbar, er ist geprägt durch eine tourismusintensive Wirtschaft, knappe Siedlungsflächen und starke Migration.

Jedoch handeln bislang nur vereinzelt Regionen, um dem Mix aus alternder Bevölkerung, weniger Kindern und höherer Lebenserwartung zu begegnen. Bis 2012 untersucht das EU-Forschungsprojekt „Demochange“, wie der Wandel sich auf den Alpenraum auswirkt und gibt den Regionen Fakten und Strategien an die Hand.

Zehn Modellregionen aus dem gesamten Alpenraum liefern dabei wertvolle Erfahrungen, darunter das Allgäu und der Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Die ersten Demografie-Checks in Bayern analysieren diese beiden Regionen von 2008 bis 2028. Darin beantwortet die Hochschule München – Fakultät für Tourismus Zukunftsfragen wie: Wohin genau entwickelt sich die Bevölkerung in alpinen Regionen, wer kommt, wer geht? Welche Chancen, welche Risiken birgt dies, und vor allem: was ist zu tun? Sie bringen die komplexen Auswirkungen des demografischen Wandels anhand von Bereichen wie Wirtschaft, Tourismus, Arbeitsmarkt, Bildung, Pflege, Infrastruktur oder kommunale Finanzen auf den Punkt. Die Analysen münden in konkrete erste Handlungsempfehlungen. Diese Erfahrungen, aber auch die aus anderen Modellregionen in Deutschland, Österreich, Slowenien, Italien und der Schweiz diskutiert das Projektteam am 15. und 16. September 2011 mit Experten aus Demografie und Raumplanung. Zu dieser Konferenz lädt das Projektteam alle Interessierten ins italienische Monastero Bormida (Piemont). Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldung und Download der Demographie-Checks erfolgt unter www.demochange.org .

Mehr zu den neuen Demografie-Checks
Harald Kühn, Landrat von Garmisch-Partenkirchen sieht darin die Chance „für ein detaillierteres Verständnis“ sowie „zur Einleitung einer Trendwende“. Eingangs zeigen die Broschüren europa-, und deutschlandweite Prognosen. Im regionalen Filter wird dann rasch klar, dass der demographische Wandel von Ort zu Ort höchst unterschiedliche Spuren hinterlässt, sowohl in Bevölkerungszahl als auch -struktur. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen etwa reicht die Palette von Boom-Gemeinden, wie Seehausen mit rund 20 Prozent Bevölkerungszuwachs in den vergangenen 15 Jahren bis zu Ettal mit einem ebenso hohen Rückgang. Insgesamt wird im Allgäu die Einwohnerzahl in den nächsten beiden Jahrzehnten noch recht konstant bleiben, Garmisch-Partenkirchen dürfte dagegen rund 4 Prozent Rückgang verzeichnen, ungewöhnlich viel für Südbayern. In beiden Regionen ist der Alterungsprozess deutlich sichtbar: So prognostiziert man im Allgäu, dass zwischen 2008 und 2028 die Anzahl der über 65-Jährigen um rund 30 Prozent steigt. Dabei ist der Anteil der Senioren schon heute vergleichsweise hoch, da viele Ruheständler in diese attraktive Region ziehen. Mehr alte Menschen werden mehr Pflegebedürftige und Demenzkranke bedeuten.

Dass Alpenregionen ältere Menschen anziehen, birgt auch Vorteile: Über die Hälfte der Urlaubsgäste im Alpenvorland ist über 60 Jahre alt. Ähneln die Vorlieben der Senioren von morgen denen der Senioren von heute, könnte der demografische Wandel den Alpen also mehr Urlaubsgäste bescheren. Zudem wird die sparsame Kriegs- gerade durch die aktive Nachkriegsgeneration abgelöst. Somit gilt der Wandel für Tourismusregionen als Motor für Marktrecherchen und Produktanpassungen und als Chance, sich etwa im Gesundheitsbereich zu positionieren.

Die Bevölkerungsentwicklung gefährdet aber auch den Tourismus. Noch prägt die Milchviehwirtschaft das Landschaftsbild im bayerischen Alpenraum. Schon heute liegen aber immer mehr Flächen brach, da der Nachwuchs in der Landwirtschaft fehlt. Dadurch kommt es zu einem Wandel der bei den Touristen beliebten Kulturlandschaft, die immer weiter „verbuscht“. Gemäß der offiziellen Berechnung nimmt im Allgäu die Zahl der unter 25-Jährigen zwischen 2008 bis 2028 um fast 20 Prozent ab – das Nachwuchsproblem in der Landwirtschaft wird somit akut.

In Gemeinden mit viel Tourismus und zuziehenden Ruheständlern ist bezahlbarer Wohnraum – gerade für Familien – oft Mangelware. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen etwa liegen die Baulandpreise weit über dem Landesdurchschnitt und sind die höchsten im ganzen bayerischen Alpenvorland. Das Einkommensniveau und die regionale Wertschöpfung liegen hingegen weit unter dem Durchschnitt im Freistaat. Personalengpässe dürfte auch dort die eklatante Abwanderung der 18 – 29-Jährigen bringen, gepaart mit den Folgen von Altersteilzeit, Vorruhestand und hoher Teilzeitquote bei Frauen. Weniger Kinder bedeuten in Zukunft auch weniger Schüler. So können insbesondere kleinere Gemeinden Schulen bald finanziell und organisatorisch nicht mehr „stemmen“. Das wirkt sich auch auf den Nahverkehr im ländlichen Raum aus, dessen Finanzierung stark von der Schülerzahl abhängt. Ein Dilemma, denn gleichzeitig steigt die Zahl der hochbetagten Menschen, die selbst nicht mehr Auto fahren können und damit auf den Nahverkehr angewiesen sind.

Dies sind nur einige Beispiele für die Herausforderungen, die der demografische Wandel im Alpenraum mit sich bringt. Die beiden Demografie-Checks der Hochschule München sind als Download unter www.demochange.org/de verfügbar.

Kontakt: Alexander Veser, Hochschule München, Fakultät für Tourismus
(Tel: 089-1265-2134, E-Mail: alexander.veser@hm.edu)

Christina Kaufmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.demochange.org

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