Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entscheiden will gelernt sein – neuer Test misst Risikointelligenz

12.04.2012
www.riskliteracy.org gibt Auskunft darüber, wie gut wir Risiken abschätzen können

Es gibt Tests, mit denen sich die Persönlichkeit, Intelligenz oder Gedächtnisleistung ermitteln lässt. Wie gut jemand darin ist, unter Risiko Entscheidungen zu treffen, ließ sich dagegen bislang nicht so leicht herausfinden.

"Dabei ist dies eine wichtige Fähigkeit, die viele unsere Entscheidungen massiv beeinflusst", sagt der Psychologe Edward Cokely, der 2007 am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung auf die Idee kam, einen schnellen Test für dieses Talent zu entwickeln. In fünf Jahren Arbeit hat er gemeinsam mit Kollegen aus der Gruppe des Max Planck Direktors Gerd Gigerenzer am Berliner Institut und der Michigan Technological University 21 Teilstudien in 15 Ländern durchgeführt. Heraus kam dabei der erste Schnelltest für die Risikointelligenz einer Person. Seit Anfang April steht der "Berlin Numeracy Test" im Internet unter www.riskliteracy.org auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Niederländisch öffentlich zur Verfügung.

Der Test funktioniert doppelt so gut wie bisherige Methoden und er dauert nur drei Minuten. Die herkömmlichen Tests, die eher allgemeine kognitive Kapazitäten wie Intelligenz oder Aufmerksamkeitskontrolle ermitteln, sagen über die Risikokompetenz eines Menschen wenig aus. Ein hohes Maß an Intelligenz bedeutet nicht zwangsläufig, dass diese Person auch besonders gut in allen Bereichen ist. "Meine Ärztin mag sehr intelligent sein, aber das bedeutet nicht, dass sie besonders gut mein Auto reparieren oder meine Steuerklärung ausfüllen kann", erklärt Cokely.

Für die Ausarbeitung ihres Tests führten der Psychologe und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Experimente mit mehreren tausend Probanden in Nordamerika, Europa und Asien durch. Diese mussten sich Aufgaben aus verschiedenen Bereichen stellen. Zum Beispiel wurden 300 Teilnehmer einer Teilstudie in Berlin mit psychologischen Testaufgaben konfrontiert, die unter anderem ihre persönliche emotionale Stabilität, allgemeine Zufriedenheit oder Prüfungsangst feststellen sollten. Außerdem mussten sie Informationen über Risiken interpretieren. "Wir wollten herausfinden, wie gut sie zum Beispiel Wettervorhersagen verstehen", sagt Cokely.

Dabei zeigte sich, dass auch hochgebildete Personen oftmals Schwierigkeiten bei der Interpretation von Informationen zu Risikowahrscheinlichkeiten haben. "Wenn wir aber gebildete Bürger haben wollen, die auf der Grundlage von Informationen Entscheidungen treffen, brauchen wir Menschen, die Informationen über Risiken verstehen", so der Forscher. So gesehen ist die Risikointelligenz als Fähigkeit genauso wichtig wie Lesen und Schreiben. "Glücklicherweise", so fügt er hinzu, "kann auch sie gelernt werden." Denn eigentlich, so haben die Forscher in den fünf Jahren Erprobung verschiedener Aufgaben herausgefunden, hängt die Risikointelligenz eng mit mathematischen Fähigkeiten zusammen und haben ihren Test entsprechend ausgerichtet: Alle drei Aufgaben gehören in den Bereich der Prozentrechnung.

Kontakt:
Prof. Dr. Edward T. Cokely
Department of Cognitive and Learning Sciences
Michigan Technological University
Telefon: +1 90 6487-2062
E-Mail: ecokely@mtu.edu

Dr. Petra Fox-Kuchenbecker
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin
Telefon: 030 82406-211
Fax: 030 824-9939
E-Mail: fox@mpib-berlin.mpg.de

Dr Harald Rösch | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpib-berlin.mpg.de
http://www.mtu.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften