Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

El Niño und Messel: Pazifische Klimaspuren im Ölschiefer

28.06.2010
Das zentraleuropäische Klima folgte schon vor 47 Millionen sehr ähnlichen Gesetzmäßigkeiten wie heute.

Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstituts und der Universität Darmstadt veröffentlichen in der Juli-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Geology neue Erkenntnisse aus den Ölschiefern der Grube Messel.

Zyklen in den Sedimenten der Grube zeigen eine so genannte ENSO-Situation – warm oder kalt, das Oberflächenwasser des Pazifiks bestimmt unser Klima – und das bis heute.

Dr. Volker Wilde vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt und Dr. Olaf Lenz von der Technischen Universität Darmstadt untersuchen Messelablagerungen. Diese sind weltberühmt für Ihre einmalig erhaltenen Fossilien, bergen aber auch Informationen über den unbelebten Teil der Welt von vor 47 Millionen Jahren.

Pro Jahr lagerten sich weniger als zwei Zehntel Millimeter Sediment in der Grube ab, aber selbst in diesen hauchdünnen Lagen lassen sich helle Sommer- von dunkleren Wintersedimenten unterscheiden. Die Wissenschaftler konnten anhand von Zeitreihenanalysen zeigen, dass minimale Unterschiede in den Dicken dieser Jahreslagen sich überlagernde Zyklen zeigen. Die drei kürzesten dieser Zyklen – ca. 2,4 Jahre, 3,2 Jahre und 5,2 Jahre – sind typische Anzeichen für die sogenannte „El Niño – Southern Oscillation“ (ENSO). Verursacht wird diese Oszillation durch periodisch wiederkehrende El Niños, sehr warme, oberflächennahe Meeresströmungen im äquatorialen Pazifik.

Diese Strömungen sind ostgerichtet und beeinflussen auch das Klima in Europa. „Tatsächlich war der ENSO-Einfluss auf Zentraleuropa vor 47 Millionen Jahren viel stärker als heute.“ sagt Paläobotaniker Wilde, „denn damals war der Atlantik erst ein schmaler Meeresarm, das heißt Europa lag viel näher am Pazifik. Aber auch heute ist der ENSO-Einfluss in Europa klar nachweisbar.“

Die beiden Wissenschaftler untersuchten Ablagerungen, die sich in Messel über einen Zeitraum von 600000 Jahren bildeten. „Die Zyklen finden sich über den gesamten Zeitraum“, so Lenz: „und sie finden sich auch in den fast 4 Millionen Jahre jüngeren Ablagerungen des Eckfelder Maars in der Eifel. Dies zeigt, dass der pazifische Einfluss im Klima von Mitteleuropa damals über sehr lange Zeit stabil war“. Überraschend sind die Ergebnisse dieser Untersuchungen auch deshalb, weil das globale Klima zu Messel-Zeiten viel wärmer als heute war – im Schnitt 10-15 Grad. Die Spielregeln des Klimas bleiben also bei Abkühlung oder Erwärmung gleich – eine wichtige Erkenntnis für Prognosen des künftigen, sich erwärmenden Klimas. (SD)

Kontakt:
PD Dr. Volker Wilde, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt,
Tel. 069/97075-1160, E-Mail Volker.Wilde@senckenberg.de
Dr. Olaf Lenz, Institut für Angewandte Geowissenschaften, TU Darmstadt,
Tel. 06151/16-2271, E-Mail lenz@geo.tu-darmstadt.de

Doris von Eiff | idw
Weitere Informationen:
http://www.senckenberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Daseinsvorsorge in Stadt und Land sichern
08.11.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht 3, 2, 1, meins: Kaufentscheidungen im Labor erforscht
28.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie