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Einwandererkinder trotz schwieriger Startbedingungen oft erfolgreich

13.10.2011
Die zweite Generation der Kinder türkischer »Gastarbeiter« befindet sich auf einem steilen Weg nach oben.

Die Schulabschlüsse der Kinder übersteigen das Bildungsniveau der Eltern um ein Vielfaches, und auch im Arbeitsleben ebenso wie in fast allen anderen Bereichen der Gesellschaft ist der Erfolg junger Deutscher türkischer Herkunft kaum noch übersehbar. Ein neues Forschungsprojekt am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück will nun den Blick auf die erfolgreichen Einwandererkinder türkischer Herkunft lenken. Die Stiftung Mercator fördert dieses Projekt mit 365.000 Euro.

Untersucht werden am Beispiel erfolgreicher türkischer Einwandererkinder die im Entstehen begriffene »neue Elite mit Migrationshintergrund«. Im großstädtischen Vergleich der Metropolregion Ruhr und der Stadtregionen Frankfurt/M. sowie Berlin werden Aufstiegskarrieren von jetzt 21- bis 38-Jährigen analysiert. Ziel des Projekts »Pathways to Success. Erfolgreiche Einwandererkinder und ihre Aufstiegskarrieren im urbanen und internationalen Vergleich« ist es, die zentralen Einflussfaktoren für Bildungs- und Karriereerfolg zu identifizieren und bei den staatlichen Verantwortlichen für entsprechend angepasste Integrationspolitiken und Fördermaßnahmen zu werben.

Dieses lokale Vorhaben ist in einen europäischen Forschungsverbund eingebettet, der dieselben Fragestellungen in verschiedenen Städten in vier weiteren europäischen Ländern (Niederlande, Frankreich, Schweiz und Schweden) verfolgt. Erste Ergebnisse sollen im Frühjahr 2014 der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Während die öffentliche Debatte von wenigen, aber zum Teil dramatischen Beispielen individueller Desintegration und der vorgeblichen Entstehung ethnischer Ghettos in den Großstädten geprägt ist, befindet sich die zweite Generation der Kinder der »Gastarbeiter« auf einem steilen Weg nach oben. Türkische Einwandererfamilien erleben zum Beispiel einen historisch kaum gesehenen sozialen Aufstiegsprozess, weil die Schulabschlüsse der Kinder das Bildungsniveau der Eltern um ein Vielfaches übersteigen. Auch im Arbeitsleben ebenso wie in fast allen anderen Bereichen der Gesellschaft ist der Erfolg junger Deutscher türkischer Herkunft kaum noch übersehbar.

Instituts- und Projektleiter Prof. Dr. Andreas Pott: »Diese schnell wachsende Gruppe ist auch in der Migrationsforschung lange vernachlässigt worden. Wir wissen einiges über hochqualifizierte Einwanderer, aber nur sehr wenig darüber, was die Kinder von ‚Gastarbeitern’ und Flüchtlingen zum Erfolg führt – besonders angesichts der Tatsache, dass das deutsche Bildungssystem eher dazu tendiert, den sozialen Status der Eltern zu reproduzieren.«

Gleichzeitig zeigen aktuelle Studien, dass die Bedingungen für diesen Aufstieg von Stadt zu Stadt unterschiedlich sind, und wiederum Deutschland als Ganzes deutlich schlechtere Entwicklungs- und Teilhabemöglichkeiten bietet als die meisten seiner westeuropäischen Nachbarn. Deshalb hat das Projekt sowohl eine lokal als auch eine international vergleichende Dimension. Projektforscher Dr. Jens Schneider stellte bei einer von ihm geleiteten europäischen Vergleichsstudie an der Universität Amsterdam fest, dass in Deutschland nur fünf Prozent der Kinder türkischer Eltern mit geringer Schulbildung einen Hochschulabschluss erreicht hatten – in Frankreich und Schweden waren es über dreißig Prozent.

Das ist einer der Gründe, warum die Essener Stiftung Mercator die neue Osnabrücker Studie über drei Jahre fördert. Geschäftsführer Prof. Dr. Bernhard Lorentz weiß aus der langjährigen Fördererfahrung der Stiftung, wie unterschiedlich die jeweiligen lokalen Kontexte den Erfolg von Förderprojekten für Migrantenjugendliche beeinflussen können. »Für uns ist es von zentraler Bedeutung, mehr darüber zu erfahren, was den Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen mit schwierigen Startbedingungen und den Verlauf ihrer späteren beruflichen Karrieren positiv beeinflusst. Das von uns geförderte Forschungsprojekt wird Erkenntnisse liefern, die auch für die Gestaltung des Bildungssystems in Deutschland von Bedeutung sein werden.«

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Andreas Pott
Dr. Jens Schneider
Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS)
Universität Osnabrück
Telefon 0541-969-4159
E-Mail: andreas.pott@uni-osnabrueck.de
Marisa Klasen
Stiftung Mercator
Kommunikationsmanagerin
Telefon 0201-245 22 53
E-Mail: marisa.klasen@stiftung-mercator.de

Dr. Utz Lederbogen | idw
Weitere Informationen:
http://www.stiftung-mercator.de

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