Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Potentiale kultureller Vielfalt nutzen

26.03.2015

Den Taxi fahrenden Ingenieur aus Syrien gibt es leider immer noch – und das keineswegs nur deswegen, weil sein Abschluss hierzulande nicht anerkannt wird. Viele Unternehmen tun sich schwer damit, den oft als fremdartig wahrgenommenen kulturellen Background einer Bewerberin oder eines Bewerbers als Chance zu begreifen.

An der Hochschule Niederrhein arbeiten Wissenschaftlerinnen seit zwei Jahren an dem Projekt „Kulturelle Vielfalt in Sozial- und Altenhilfeeinrichtungen“. Jetzt geht das Projekt des Förderprogramms Integration durch Qualifizierung“ (IQ) in eine neue Förderperiode. In dieser sollen unter anderem Ergebnisse des ersten Projekts auf Kindertagesstätten transferiert werden.

770.000 Euro werden dem Institut So.con (Social Concepts) der Hochschule Niederrhein in den nächsten vier Jahren dafür zur Verfügung gestellt. Ziel ist es, kulturelle Vielfalt in Einrichtungen und Unternehmen zu gestalten – und dabei alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit und ohne Migrationshintergrund einzubeziehen.

„Integration kann nur gelingen, wenn sie als gemeinsame Aufgabe von eingewanderten Menschen und der aufnehmenden Gesellschaft verstanden wird“, sagt Prof. Dr. Beate Küpper, die das Projekt leitet. „Uns geht es darum, die Unternehmen und Einrichtungen so aufzustellen, dass sie Menschen mit Migrationshintergrund gerne beschäftigen. Sie sollen den Wert von Vielfalt schätzen lernen und als Potential begreifen.“

Fakt ist: Schon heute leben in Deutschland rund 20 Prozent Menschen mit Einwanderungsgeschichte. 2014 wanderten netto rund eine halbe Millionen Menschen nach Deutschland ein. Zum anderen verschärft sich der Wettbewerb um die besten Köpfe auf dem Arbeitsmarkt.

In Altenheimen beispielsweise wächst der Fachkräftebedarf, der Anteil von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Migrationshintergrund steigt. Ähnlich ist die Situation in Kindertageseinrichtungen. „Es gibt Kindergärten, da haben 50 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund“, sagt Küpper. „Aber beim Personal spiegelt sich das nicht wieder. Da überwiegen oft die Vorbehalte zum Beispiel gegenüber einer Kindergärtnerin, die ein Kopftuch trägt.“

Das So.con-Projekt ist eng an den Fachbereich Sozialwesen angebunden. Dabei soll es auch Kooperationen mit den Studiengängen Kindheitspädagogik und Soziale Arbeit geben, um die dort vorhandenen Strukturen und das Know-how zu nutzen. „Wir sind eine multikulturelle Gesellschaft und wir müssen diese Vielfalt wertschätzen“, sagt Küpper. Konkret geht es darum, den Blick für das Potenzial von Menschen mit Migrationsgeschichte zu schärfen, Diskriminierungen abzubauen und die interkulturelle Kompetenz bei Arbeitsmarktakteuren auszubauen.

Erklärtes Ziel des bundesweiten Netzwerks „Integration durch Qualifizierung“ (IQ) ist es, die Arbeitsmarktchancen für Menschen mit Migrationsgeschichte zu verbessern. In der jetzt angelaufenen Förderphase steht die Qualifikation im Kontext des Anerkennungsgesetzes im Mittelpunkt, um mehr Menschen mit im Ausland erworbenen Berufsabschlüssen in bildungsadäquate Beschäftigung zu bringen.

Die neue Förderphase in NRW wurde Anfang Februar eröffnet, die Laufzeit endet 2018. Das IQ-Netzwerk arbeitet seit 2005 bundesweit und hat 16 Landesnetzwerke, die mit sehr unterschiedlichen Projekten realisiert werden. Es umfasst 300 Projekte bundesweit, davon 27 in NRW, die mit Mitteln des Bundes (BMAS) und mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) ko-finanziert umgesetzt werden.

Pressekontakt:

Dr. Christian Sonntag, Referat Hochschulkommunikation, Tel.: 02151 822-3610;

E-Mail: christian.sonntag@hs-niederrhein.de

Dr. Christian Sonntag | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.hs-niederrhein.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie