Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutschland droht Bevölkerungsrückgang von 25 Prozent

25.09.2012
Geburtendefizit in Deutschland wächst in 50 Jahren bis auf über 500.000 Personen jährlich
Bis zum Jahr 2060 könnte die Einwohnerzahl in Deutschland um 25 Prozent abnehmen. Während heute noch etwa 82 Millionen Menschen hier leben, werden es dann voraussichtlich nur noch rund 61 Millionen sein, zumindest, wenn etwa gleich viele Menschen aus- wie einwandern.

Die Zahlen entstammen einer aktuellen Studie von Professor Dr. Eckart Bomsdorf von der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln. Unter Mitarbeit von Dipl.-Kfm. Dipl.-Volksw. Jörg Winkelhausen untersuchte Bomsdorf verschiedene Aspekte der demografischen Entwicklung in Deutschland bis zum Jahr 2060.
Die Ursache für die schrumpfende Bevölkerung ist das immer größer werdende Geburtendefizit. Heute sterben in Deutschland jedes Jahr etwa 200.000 Menschen mehr, als geboren werden. Bis zum Jahr 2060 könnte die Differenz zwischen Geburten und Sterbefällen auf über 500.000 steigen. Das entspricht etwa der Hälfte der Einwohnerzahl Kölns.

Anhaltspunkte für steigende Geburtenzahlen gibt es laut Bomsdorf gegenwärtig nicht. Die einzige Möglichkeit, dem Bevölkerungsrückgang entgegenzuwirken, sind aktuell demnach steigende Einwandererzahlen. „Allerdings stellt sich auch immer wieder die Frage, wieweit es ethisch vertretbar ist, anderen Ländern gerade die Hochqualifizierten abzuwerben“, gibt Bomsdorf zu bedenken. Geht man aber von einem positiven Wanderungsüberschuss von 150.000 jährlich aus – das bedeutet, dass 150.000 mehr Menschen einwandern als auswandern – wird die Bevölkerung statt bis auf 61 Millionen nur auf 70 Millionen im Jahr 2060 zurückgehen.

Über die Bevölkerungszahlen hinaus untersuchte die Studie u.a. auch die Entwicklung der Altersstruktur in Deutschland. Das Ergebnis: Die Bevölkerung wird im Durchschnitt wesentlich älter. Die Hälfte der Bevölkerung wird 2060 älter sein als 51 Jahre sein. Besonders deutlich wird die Verschiebung der Altersstruktur, wenn man das Verhältnis zwischen Kindern und alten Menschen betrachtet. Heute gibt es in Deutschland etwa gleich viele Kinder unter 6 Jahren wie Menschen über 80, bei beiden sind es etwa 4 Millionen.

Bevölkerungsumfang und Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland 2010 bis 2060 (Wanderungsüberschuss 150.000 Personen jährlich)


Ausgewählte Kennziffern zur Bevölkerungsentwicklung in Deutschland bis 2060 (Wanderungsüberschuss 0 bzw. 150.000 Personen jährlich)

In 40 Jahren sieht es ganz anders aus: Auf nur noch 3 Millionen Kinder unter 6 kommen dann 10 ½ Millionen Menschen über 80 Jahre. Gegenwärtig ist jeder zwanzigste Einwohner älter als 80 Jahre, im Jahr 2060 wird es jeder siebente sein.

Die Bevölkerung nimmt also insgesamt ab und wird gleichzeitig älter. „In der Kombination ist das eine doppelte Herausforderung nicht nur für die Sozialsysteme, weil immer mehr Alte immer weniger Erwerbstätigen gegenüber stehen“, so Bomsdorf dazu.

Wolle man den Anteil der Bevölkerung im Erwerbsalter an der Gesamtbevölkerung bis 2060 annähernd konstant halten, müsse vereinfacht gesagt die Altersgrenze der Erwerbsbevölkerung zur Rentnergeneration von heute 65 auf 71 Jahre 2060 steigen. Bomsdorf zufolge bedeutet das nicht, dass das gesetzliche Rentenalter auf diese Höhe gesetzt werden muss, vielmehr müsse es zu einer grundsätzlichen Flexibilisierung der Altersgrenze in der Rentenversicherung kommen.

Bei Rückfragen: Professor Eckart Bomsdorf,
Tel.: +49-221-470-2982,
bomsdorf@wiso.uni-koeln.de

Verantwortlich: Dr. phil. Patrick Honecker MBA – patrick.honecker@uni-koeln.de

Gabriele Rutzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koeln.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Daseinsvorsorge in Stadt und Land sichern
08.11.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht 3, 2, 1, meins: Kaufentscheidungen im Labor erforscht
28.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics