Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Demografische Entwicklung: Afrika am Scheideweg

07.07.2014

Die demografische Entwicklung kann für die Entwicklungsländer südlich der Sahara Fluch oder Segen sein. Wohin die Reise geht, entscheidet sich heute.

2050 werden mindestens neun Milliarden Menschen auf der Erde Leben, so die aktuellen Prognosen der Vereinten Nationen. Der größte Teil des Bevölkerungswachstums findet in den Entwicklungsländern statt – vor allem in den Ländern südlich der Sahara.

Der Zuwachs stellt eine enorme Herausforderung dar, denn immer mehr Menschen konkurrieren um knappe Ressourcen wie Ackerland, Nahrung, Wasser, aber auch um Bildung, Gesundheitsversorgung und vor allem um Arbeitsplätze.

Trotzdem sehen viele Experten in der demografischen Entwicklung eine große Chance für die Region. So auch Reiner Klingholz vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: „Wenn alles gut geht, kann in vielen afrikanischen Ländern schon bald ein sogenannter demografischer Bonus entstehen.“

Dieser bildet sich heraus, wenn die Geburtenraten sinken und die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter schneller wächst als die Gesamtbevölkerung. Viele Erwerbsfähige stehen dann relativ wenigen jungen oder alten abhängigen Menschen gegenüber. Dieses Verhältnis habe in den 1980er Jahren gemeinsam mit Verbesserungen in den Bereichen Bildung und Arbeitsmarkt zum enormen Wirtschaftswachstum der asiatischen Tigerstaaten geführt.

Doch die Mehrheit der Staaten Subsahara-Afrikas ist von diesem Bonus noch Jahre entfernt. Vor allem, weil mit durchschnittlich fünf Kindern pro Frau die Fertilitätsraten noch auf sehr hohem Niveau liegen. Und selbst wenn die Region den Bonus einmal erreicht, ist ein wirtschaftlicher Aufschwung nach asiatischem Vorbild nicht programmiert. „Subsahara-Afrika könnte anstatt eines Booms ein Desaster erwarten“, so Klingholz.

Denn um die günstige Altersstruktur in eine sogenannte demografische Dividende zu verwandeln, müssten die Länder vor allem für ausreichend Jobs sorgen. Und das, so der Forscher, sei eine gewaltige Herausforderung.

Prognosen zufolge wird zwischen 2010 und 2020 die Zahl der potenziellen Arbeitskräfte der Region um 120 Millionen Menschen anwachsen. 2050 werden eine Milliarde Menschen im erwerbsfähigen Alter südlich der Sahara leben – mehr als in Indien oder China. „Doch schon heute können die Arbeitsmärkte die wachsende Schar an Arbeitskräften nicht aufnehmen“, gibt Klingholz zu bedenken.

Davon seien vor allem junge Menschen betroffen. „Nur jeder vierte Mann und jede zehnte Frau unter 30 haben einen Job im formalen Sektor. Der Rest muss sich meist lebenslang mit Gelegenheitsjobs zufrieden geben“, erklärt der Demografie-Experte. Bliebe es bei dieser Lage und nähme gleichzeitig die Bevölkerung wie prognostiziert zu, würde die Zahl junger Afrikaner ohne jegliche Perspektive bedrohlich wachsen.

Klingholz warnt deshalb vor einer Eskalation: „Konzepte müssen auf den Tisch, um den demografischen Wandel voranzutreiben und gleichzeitig die Arbeitsplätze von morgen zu schaffen. Sonst könnte es in der Region schon bald vermehrt zu Kriegen und Konflikten kommen. Was passieren könnte, wenn nichts geschieht, zeigen Mali und Nigeria schon heute.“ Mit Investitionen an den richtigen Stellen, vor allem in Bildung, so Klingholz weiter, erhöhe sich dagegen die Chance auf einen anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Subsahara-Afrika.

Umfangreiches Material zu den Themen Weltbevölkerung und demografische Dividende finden Sie in unserem Themenspecial

http://www.berlin-institut.org/themenspecials/demografische-dividende.html

und in unserem aktuellen Newsletter

http://www.berlin-institut.org/newsletter/175_07_Juli_2014.html

Bei Rückfragen helfen wir Ihnen gerne weiter:

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung
Schillerstr. 59
10627 Berlin

Ansprechpartner: Ruth Müller (mueller@berlin-institut.org, Tel.: 030 - 31 01 74 50) und Franziska Woellert (woellert@berlin-institut.org, Tel.: 030 - 31 01 74 50)

Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung ist ein unabhängiger Thinktank, der sich mit Fragen regionaler und globaler demografischer Veränderungen beschäftigt. Das Institut wurde 2000 als gemeinnützige Stiftung gegründet und hat die Aufgabe, das Bewusstsein für den demografischen Wandel zu schärfen, nachhaltige Entwicklung zu fördern, neue Ideen in die Politik einzubringen und Konzepte zur Lösung demografischer und entwicklungspolitischer Probleme zu erarbeiten.

Das Berlin-Institut erstellt Studien, Diskussions- und Hintergrundpapiere, bereitet wissenschaftliche Informationen für den politischen Entscheidungsprozess auf und betreibt ein Online-Handbuch zum Thema Bevölkerung.

Weitere Informationen, wie auch die Möglichkeit, den kostenlosen regelmäßigen Newsletter „Demos“ zu abonnieren, finden Sie unter http://www.berlin-institut.org

Weitere Informationen:

http://www.berlin-institut.org/themenspecials/demografische-dividende.html
http://www.berlin-institut.org/newsletter/175_07_Juli_2014.html
http://www.berlin-institut.org

Stephan Sievert | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie