Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Demografiewandel und Fortschritt fordern: Kompetenzentwicklung und Arbeitsprozesse neu gestalten

30.01.2014
Verbundprojekt beschäftigt sich mit betrieblichem Kompetenzmanagement, neuen Modellen der Arbeitsorganisation und Konzepten einer lebenslagenorientierten Personalpolitik

Angesichts der demografischen Entwicklung sowie des technologischen und strukturellen Wandels stoßen altbewährte Modelle der Arbeitsorganisation, der Personalpolitik und der Kompetenzentwicklung in Unternehmen zunehmend an ihre Grenzen. Schon mittelfristig bedarf es hier neuer Lösungen.


Das Forschungsvorhaben „Arbeitsprozessorientierte Kompetenzentwicklung für den Hafen der Zukunft“ (ArKoH) hat vorrangig die maritime Wirtschaft im Blick.

Foto: Sabine Nollmann


Die Projektpartner untersuchen die künftige Entwicklung in der Fertigung und Installation von Offshore-Komponenten und anderer hafenbezogener Tätigkeiten.

Foto: Siemens AG

Damit beschäftigt sich nun ein Forschungsprojekt unter der Leitung des BIBA – Bremer Institut für Produktion und Logistik GmbH an der Universität Bremen. Beteiligt ist unter anderem das Institut Technik und Bildung (ITB) der Universität Bremen. Vom 30. bis 31. Januar kommen die Projektpartner aus Forschung und Industrie zum Auftakttreffen im BIBA zusammen.

Das 39-monatige Forschungsvorhaben „Arbeitsprozessorientierte Kompetenzentwicklung für den Hafen der Zukunft“ (ArKoH) hat vorrangig die maritime Wirtschaft im Blick, doch seine Ergebnisse lassen sich auch auf andere Branchen übertragen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und vom Projektträger DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) betreut. Beteiligt sind das BIBA, das ITB, die TST – Trainingscenter für Sicherheit und Transport GmbH (Bremen), die M.I.T e-Solutions GmbH (Friedrichsdorf) und die Logistik Service Agentur GmbH (Bremerhaven). Die Projektkoordination liegt beim BIBA. Zudem engagieren sich die Handelskammer Bremen, das Maritime Cluster Norddeutschland (Hamburg) und die Pumacy Technologies AG (Berlin). Sie unterstützen das Projekt unter anderem mit ihren Expertisen.

„Abkehr von defizitärer Sichtweise“

Unternehmen agieren heute im Spannungsfeld zwischen Kostendruck und Erhaltung sowie Förderung der Beschäftigungsfähigkeit und Kompetenzentwicklung ihrer Mitarbeiter. Dabei müssen sie zudem die demografische Entwicklung berücksichtigen. „Neuere Untersuchungen dazu bestätigen die notwendige Abkehr von der defizitären Sichtweise, wonach ältere Beschäftigte wegen eines erhöhten Krankheitsrisikos, physisch und psychisch an Beschäftigungsfähigkeit einbüßen. Die Studien heben stattdessen das Erfahrungswissen und dessen Innovationspotenzial hervor“, sagt BIBA-Wissenschaftler Heiko Duin. Der Wandel fordere ein Umdenken. Es gelte, so der ArKoH-Projektleiter, die drei sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren betriebliche Altersstruktur, Kompetenzentwicklung und Gestaltung der Arbeitsorganisation in Einklang zu bringen.

Ziel der Verbundpartner ist es nun, mit dem Fokus auf technische, betriebliche und demografische Entwicklungen Arbeitsprozesse zu analysieren und daraus entsprechende Weiterbildungskonzepte und auch Empfehlungen für die Gestaltung von Arbeit abzuleiten. Dabei setzen sie nicht auf herkömmliche Qualifizierungsmethoden wie zum Beispiel Seminare und Schulungen, sondern auf das Lernen mithilfe von Spielen (Serious Gaming), was effektiv und zudem kostengünstig sowie zeitsparend während der Arbeit eingesetzt werden könne. Anhand realer Situationen lernen die Beschäftigten, Situationen einzuschätzen und Entscheidungen zu treffen. Spielerisch bauen sie Wissen auf und aus. Die Projektpartner entwickeln ein Konzept für die arbeitsprozessintegrierte Kompetenzentwicklung, erproben es im betrieblichen Umfeld und werten es anschließend aus.

„Auf diese Weise werden Unternehmen ‚demografiefest‘“

Das kommt besonders kleinen und mittleren Betrieben zugute, deren finanzielles und zeitliches Budget für Weiterbildung und Personalentwicklung zumeist sehr knapp bemessen ist. Die berufsbegleitende, in den Arbeitsprozess integrierte und professionell unterstützte Kompetenzentwicklung soll Beschäftigte vom Einstieg ins Erwerbsleben bis zum Erreichen des Rentenalters leis-tungsfähig erhalten. „Auf diese Weise können Unternehmen ‚demografiefest‘ werden sowie ihre Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit ausbauen“, sind sich die Projektpartner sicher. Es bedürfe einer besseren Nutzung von Kompetenzen der gesamten Belegschaft durch neue Modelle der Arbeitsorganisation, durch neue Konzepte lebenslagenorientierter Personalpolitik und durch neue Strategien unternehmensspezifischen Kompetenzmanagements.

„Aus den Wechselwirkungen von demografischem Wandel und moderner Arbeitswelt entstehen bereits jetzt anspruchsvolle Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft, die sich mittelfristig verschärfen werden“, sagt Dr. Daniela Ahrens vom ITB. „Diese tiefgreifenden Veränderungsprozesse müssen von den Unternehmen aktiv mitgestaltet werden. In jedem Unternehmen treten diese Herausforderungen in speziellen Konstellationen auf.“

Das Verbundprojekt ArKoH untersucht die künftige Entwicklung in der Fertigung und Installation von Offshore-Komponenten und anderer hafenbezogener Tätigkeiten. Dazu Ahrens: „Es gibt nicht den einen richtigen Weg hinsichtlich der Gestaltung demografiegerechter Arbeit. Es sind stets auch regionale sowie betriebs- und branchenspezifische Aspekte zu berücksichtigen, also individuelle Lösungen gefragt. Was aber für alle gilt: Wir brauchen dringend neue Modelle auf dem Feld der Kompetenzentwicklung und der Arbeitsprozessgestaltung.“

Ihre Ansprechpartner:

Prof. Dr.-Ing. Klaus-Dieter Thoben
(Institutsleiter BIBA, Koordinator des Projektes)
Telefon: 0421 218-500 05, E-Mail: tho@biba.uni-bremen.de
Dipl.-Inform. Heiko Duin (Projektleiter BIBA)
Telefon: 0421 218-500 91, E-Mail: du@biba.uni-bremen.de

Sabine Nollmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.biba.uni-bremen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Geothermie: Den Sommer im Winter ernten

18.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Kompositmaterial für die Wasseraufbereitung

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Brain-Computer-Interface: Wenn der Computer uns intuitiv versteht

18.01.2017 | Informationstechnologie