Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Computerspiele die Gesellschaft verändern

29.04.2009
Online-Verabredung mit den Clankollegen statt Kino mit der Clique? Chatten mit den Spielern der Gilde statt Kaffee mit der besten Freundin?
Immer mehr Deutsche verbringen ihre Freizeit am Computer - beim Spielen. Das betrifft nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch viele Erwachsene.

Ein neuer Arbeitskreis der Soziologen an der Universität Duisburg-Essen beschäftigt sich nun damit, wie sich die Computer-Spiele auf die soziale Interaktion der Gamer auswirken.

"Wir wollen überprüfen, ob ein Teil der sozialen Kontakte nicht mehr direkt, sondern hauptsächlich oder gar ausschließlich über ein Computerspiel realisiert werden", sagt Diego Compagna, der den Arbeitskreis "Digital-Game & -Gaming Forschung" am Lehrstuhl für Soziologie leitet.

Dabei soll auch herausgefunden werden, ob es durch Computerspiele generell zu einer eher technikzentrierten Lebensführung kommt. Computerspiele und das Spielen am PC, Spieler und Online-Communities sind ein rasant wandelndes Phänomen und stellen für die Soziologie ein recht neuartiges Forschungsfeld dar mit zukunftsweisenden Facetten für die gegenwärtige Gesellschaft.

"Wichtig dabei ist, dass wir wertneutral an die Sache herangehen - d.h. für uns ist die soziale Interaktion über ein PC-Spiel einfach eine neuartige Form "sozialer Wirklichkeit", und nicht etwas, das wir von vornherein negativ einordnen, bzw. den realweltlichen sozialen Beziehungen unterordnen würden", betont Compagna.

Sechs verschiedene Phänomene will der Arbeitskreis im Laufe des Jahres untersuchen. Dazu werden Computerspieler beobachtet und interviewt, aber auch Experten befragt. Einen Bereich stellen die so genannten Clans da, in denen sich die Spieler unterschiedlicher Online-Games wie in einer Art Verein organisieren. "Der Arbeitskreis stellt sich dabei die Frage, wie Hierarchisierung und Rollendifferenzierung in Online-Gaming-Clans funktionieren", sagt Diego Compagna.

Er selbst beschäftigt sich außerdem mit dem Spieler-Avatar-Verhältnis und der Frage nach der Handlungsträgerschaft. Handelt der Spieler, und die von ihm gesteuerte Figur ist lediglich so etwas wie eine Marionette? Oder findet die eigentliche Spielhandlung vielmehr im Spiel statt, und muss also letztlich dem Avatar zugeschrieben werden? Diese Fragen sind besonders im Hinblick auf den Ego-Shooter "Counterstrike" interessant, der nach dem Amoklauf von Winnenden wieder in die Diskussion geraten ist.

Selbstverständlich steht auch das weltweit millionenfach verkaufte Online-Rollenspiel "World of Warcraft" im Mittelpunkt der Forschung der Duisburg-Essener Soziologen. Eine der Arbeiten untersucht die Spielermotivation in "WoW". Was hält die Gamer über Jahre bei der Stange, sich mit ihrem Avatar durch die bunte Computer-Welt zu bewegen? Ist es die Besonderheit der Spielsphäre, die einen ganz neuen Möglichkeitsraum von Handlungen eröffnet und die für Abenteuer und positive Realitätsflucht steht?

Weitere Arbeiten beschäftigen sich mit den "Female Teams im eSport", den "Spielcharakteristika von Digital Game: Autotelis vs. Leistungsorientierung" sowie dem "Utopie-Potenzial und 'Erleben' von/beim Digital Game/Gaming". Die Ergebnisse fließen in fünf Diplomarbeiten und zwei Dissertationen ein. Die Forschungsarbeiten werden größtenteils durch die Zusammenarbeit mit dem E-Sport-Clan n!faculty ermöglicht.

Weitere Informationen: Diego Compagna, Arbeitskreis für Digital-Game & -Gaming Forschung, Institut für Soziologie, Tel. 0203/379-3703, diego.compagna@uni-duisburg-essen.de,

Redaktion: Isabelle De Bortoli, Tel. 0203/379-2429

Beate Kostka | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-due.de
http://www.uni-due.de/soziologie/compagna_forschung-digitalgame.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten