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Kinderarmut: einmal arm - immer arm?

01.11.2007
Ein Aufwachsen in Armut hat gravierende Folgen für die Entwicklung von Kindern.

Dies lässt sich anhand der Daten des Deutschen Jugendinstituts (DJI), die im Rahmen einer Langzeitstudie seit dem Jahr 2000 erhoben wurden, differenziert für folgende Bereiche nachweisen: soziale Teilhabe, Persönlichkeit, Schulleistungen und kindliches Wohlbefinden.

Um der Gefahr entgegen zu wirken, dass Kinder aufgrund der ökonomischen Lage der Eltern sozial ausgeschlossen werden, bedarf es einer möglichst frühen und nachhaltigen Unterstützung - insbesondere durch die Kommunen.

Als die Bundesregierung 2005 ihren 2. Armutsbericht veröffentlichte, waren in Deutschland "1,1 Mio. Kinder unter 18 Jahren BezieherInnen von Sozialhilfe." Ein aktueller Armutsbericht liegt derzeit nicht vor, aber der Kinderschutzbund gibt für das Jahr 2007 mit 2,6 Mio. armen Kindern in Deutschland eine alarmierende Schätzung ab.

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Doch hinter dieser erschreckend hohen und anonymen Zahl verbergen sich in Deutschland Schicksale von unzähligen Kindern, die täglich hautnah den Auswirkungen der Armut ausgesetzt sind. Ein Beispiel hierfür ist die Reaktion der kleinen Tochter der alleinerziehenden Marita, die ihre Erlebnisse auf der Internetseite "armutszeugnisse.de" geschildert hat. "Als ich meiner Tochter einmal beim Einkaufen sagte, wir haben für diesen Monat kein Geld mehr, fragte sie mich tränenüberströmt: Mama, haben wir wirklich kein Geld mehr für Essen? Sind wir jetzt arm?"

Um die Frage der Kleinen zu beantworten: Als arm gilt in Deutschland derjenige, dessen Einkommen weniger als 60% des Durchschnittseinkommens beträgt. Diese Einkommensarmut ist als Schlüsselmerkmal von Armut zu sehen mit all ihren Auswirkungen auf weitere Lebensbereiche wie zum Beispiel Gesundheit oder Bildung.

Im Rahmen des DJI-Kinderpanels, einer Langzeitstudie des Deutschen Jugendinstituts zu den Lebenslagen von Kindern, sind mehrere Detailuntersuchungen entstanden, die die Zusammenhänge von Armut und sozialer Teilhabe, Persönlichkeit, kognitiven Leistungen und kindlichem Wohlbefinden differenziert aufzeigen. Die Ergebnisse stellen wir in "Auf einen Blick" vor.

Dr. Dr. Gerhard Beisenherz (DJI) betont im "Interview", dass wir möglichst im frühen Kindesalter ansetzen müssen, um die "Vererbung" von Armut über den Bildungskanal zu verhindern. Dafür brauchen wir jedoch niedrigschwellige und möglichst aufsuchende Angebote für genau diese Zielgruppe der bildungsfernen und zugleich armen Familien.

Umfassende Förder- und Betreuungsangebote wären erste Schritte, um die Abwärtsspirale der Armut zu unterbrechen, meint auch der Sprecher der Nationalen Armutskonferenz Dr. Wolfgang Gern im "Blick von außen". Er warnt aber gleichzeitig davor, die Armut zu pädagogisieren. "Das lenkt vom eigentlichen Problem ab. Durch Bildung allein lässt sich Armut nicht bekämpfen, solange Arbeitsplätze fehlen."

Die Kommunen, die sich langsam, aber zunehmend selbstkritisch dem Thema Kinderarmut stellen, auf die Arbeitsmarktpolitik aber nur begrenzt Einfluss haben, sollten bei der Durchbrechung des Teufelskreises Armut dort ansetzen, wo es ihnen am ehesten möglich ist: das heißt, kommunale Angebote und Infrastruktur für alle Kinder zu öffnen und nicht den Zugang durch weitere Kostenerhöhungen zu erschweren.

Andrea Macion | idw
Weitere Informationen:
http://www.dji.de/thema/0711

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