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Klatsch und Tratsch sozial wichtig

16.10.2007
Forscherteam zeigt wie Lästern das eigene Handeln beeinflusst

Das Lästern über nicht anwesende Personen galt lange Zeit als Unsitte. Ein Team von Forschern um den Evolutionsbiologen Ralf Sommerfeld vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie (ehemals Limnologie) konnte nun beweisen, dass Klatsch und Tratsch für die Erlangung und Verbreitung sozialer Informationen eine wesentliche Rolle spielt.

Die forscherische Motivation des Teams von Evolutionsbiologen aus Plön und Wien war ursprünglich eine andere: Man wollte herausfinden, inwieweit die Bereitschaft von Menschen untereinander zu kooperieren vom Ruf der jeweiligen Person abhängt. "Menschen helfen anderen Menschen, wenn diese selbst hilfsbereit sind und einen guten Ruf haben", erklärt Ralf Sommerfeld im Gespräch mit pressetext. Dieser Sachverhalt - die sogenannte Indirekte Reziprozität - sei zwar in bisherigen Studien auch schon untersucht worden, konnte aber nie konkret aufgezeigt werden. "Unsere Studie hat erstmals die Funktion von Klatsch und Tratsch in diesem Zusammenhang untersucht", so der Forscher. "Es konnte gezeigt werden, dass wir wichtige soziale Informationen über Klatsch und Tratsch aufnehmen und auch weitergeben. Aufgrund dieser Information scheinen wir auch unser Verhalten anderen gegenüber anzupassen", resümiert er die Forschungsergebnisse.

Im Rahmen der Studie wurden mehrere Tests an Studenten durchgeführt. Die Ergebnisse verblüfften: Auch wenn die Probanden alle neutralen und wichtigen Informationen über eine Person haben, lassen sie sich in ihren Entscheidungen maßgeblich von Gerüchten beeinflussen. "Überraschenderweise konnten wir zeigen, dass Menschen auch auf Klatsch und Tratsch hören, wenn sie genau wissen, wie hilfsbereit andere Menschen sind. Unabhängig vom tatsächlichen Verhalten der Teilnehmer, kooperierten 20 Prozent mehr, wenn sie zusätzlich positiven Klatsch hörten, und sie kooperierten um 20 Prozent weniger, wenn sie zusätzlich etwas Negatives gehört haben" erläutert Sommerfeld. Zudem fanden die Forscher heraus, dass der persönliche Kontext, in dem Gerüchte zwischen Personen kommuniziert werden, von entscheidender Bedeutung ist. Ein Lästern unter befreundeten Personen hat dabei deutlich positivere Auswirkungen als eines zwischen Menschen, die sich nicht leiden können oder in Konkurrenz zueinander stehen.

Dass Wissenschaftler sich mit der Macht von Klatsch und Tratsch auseinandersetzen, ist nichts Neues. So ist etwa schon seit längerem klar, dass Gerüchten eine wichtige Funktion bezüglich dem Gruppenzusammenhalt zukommt. Tratsch ermöglicht es, die Werte einer Gemeinschaft durch den Vergleich mit anderen Gruppen immer wieder klar zu definieren. Egoistische Lästereien wiederum sind in der Gruppe wesentlich weniger effizient als Tratsch, der der Gruppe nutzt.

Markus Steiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.mpil-ploen.mpg.de

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