Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gewalt gegen alte Menschen

01.10.2007
Daten, Fakten, Defizite - Wie der Schutz Pflegebedürftiger verbessert werden muss

Die Betreuung zu Hause führt Pflegende und Gepflegte vielfach an ihre Grenzen. Private Notruf-Initiativen, Verbände und Medien machen immer häufiger auf Fälle von Gewalt und Vernachlässigung alter Menschen aufmerksam. Folgen sind schwerwiegende körperliche Verletzungen, psychosomatische Beschwerden, aber auch posttraumatische Belastungsstörungen bis hin zu Depressionen und Suizidrisiken.

Prof. Gisela Zenz, Expertin für Familienrecht, plädiert für ein dichtes Netz von Prävention und Intervention, das es beispielsweise in England und den USA längst gibt, in Deutschland aber bisher nur in Fachkreisen diskutiert wird. "Wir müssen endlich auch die Politiker überzeugen, damit Gesetzesänderungen auf den Weg kommen", fordert die Juristin, die vor drei Jahren das "Forum Alterswissenschaften und Alterspolitik" an der Universität Frankfurt ins Leben gerufen hat und maßgeblich an der inhaltlichen Konzeption der soeben erschienenen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Forschung Frankfurt" zum Thema "Alter" mitgewirkt hat.

Neben dem Ausbau sozial- und arbeitsrechtlicher Regelungen, die pflegende Angehörige unterstützen und entlasten sollen, erwägen die Experten, das Recht auf gewaltfreie Pflege gesetzlich zu gewährleisten, ähnlich wie es das Recht auf gewaltfreie Erziehung bereits gibt. "Alte Menschen sind zwar nicht wie Kinder, aber sie sind im hohen Alter und insbesondere bei Versorgungs- und Pflegebedürftigkeit ähnlich wehrlos und verletzlich", konstatiert Prof. Zenz und setzt sich dafür ein, Anregungen aus dem Kinderschutzrecht zu überarbeiten für alte Menschen, die wie alle Erwachsenen ein Recht auf selbstbestimmtes Leben haben. Unter Leitung der Frankfurter Rechtswissenschaftlerin und Psychoanalytikerin hat ein Arbeitskreis bereits vor zwei Jahren auf dem Deutschen Familiengerichtstag Empfehlungen für Gesetzgebung und Politik erarbeitet.

... mehr zu:
»Arbeitskreis »Defizit »Prävention
Zur Prävention müssen Beratungs- und Unterstützungsangebote verschiedener Institutionen besser vernetzt werden, damit pflegende Angehörige sich bedarfsrechte und schnelle Hilfe holen könnten, bevor sie mit Alltagssituationen überfordert seien. "Wenn aber Anhaltspunkte bestehen, dass eine pflegebedürftige Person zum Opfer von Gewalt wird, und Hilfeangebote erfolglos sind, sollen Beratungsstellen - ähnlich wie heute Jugendämter in entsprechenden Fällen von >Kindeswohlgefährdung

Vertreter aus der Altenpflegepraxis und -wissenschaft stützen die von Zenz und ihrem Arbeitskreis erarbeiteten Empfehlungen. "Bleibt zu hoffen, dass die Forderung das Ohr des Gesetzgebers nicht erst dann erreicht, wenn aus dem Dunkelfeld grausame Skandalfälle auftauchen und die längst bekannten gesellschaftlichen Versäumnisse in grelles Licht rücken", so die Juristin Gisela Zenz.

Nähere Informationen: Prof. Dr. Gisela Zenz,
Forum Alterswissenschaft und Alterspolitik, Telefon: 069/798-23102,
E-Mail: zenz@em.uni-frankfurt.de
Mit dem Thema "Pflege alter Menschen" beschäftigen sich in Forschung Frankfurt 2/2007 weitere Beiträge:
· Hans Christian Mager (Wirtschaftswissenschaftler): Wenn Angehörige die Pflege übernehmen - Von Kosten und Nutzen intrafamiliärer Pflegevereinbarungen
· Prof. Roland Eisen (Wirtschaftswissenschaftler):
Ist der Pflegenotstand unabwendbar? Über die Zukunft der Pflegeversicherung: Defizite und Lösungen
· Prof. Dr. Marina Wellenhofer-Klein: (Rechtswissenschaftlerin): Bessere Bedingungen für Teilzeitarbeit: Damit Familienangehörige Pflege übernehmen können

· Dr. Gisela Bockenheimer-Lucius (Medizinethikerin): Wer bestimmt das "Wohl" eines Heimbewohners? Entscheidungen in Grenzfällen - Ethik-Komitees fördern Abwägungsprozesse

Kostenlos anfordern:
steier@pvw.uni-frankfurt.de

Dr. Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://www.muk.uni-frankfurt.de/Publikationen/FFFM/2007/index.html

Weitere Berichte zu: Arbeitskreis Defizit Prävention

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie