Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Arbeitslosigkeit vermeiden, aber nicht um jeden Preis

28.09.2007
Der deutsche Arbeitsmarkt wird im internationalen Vergleich oft als festgefahren bezeichnet: Wer einmal arbeitslos ist, hat Schwierigkeiten, schnell wieder eine neue Stelle zu finden.

Wird die Aussicht auf einen Wiedereinstieg nur von Gesetzgebung und Kündigungsschutz gebremst? Oder spielt auch die eigene Einstellung zur Arbeitslosigkeit eine Rolle? Wie hoch ist die Angst vor Arbeitslosigkeit in der arbeitenden Bevölkerung? Wie weit geht die Bereitschaft, Einschränkungen in Kauf zu nehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden? Der kürzlich erschienenen neuesten Allgemeinen Bevölkerungsumfrage in Deutschland (ALLBUS 2006) ist zu entnehmen, dass ein erheblicher Teil der in Deutschland lebenden Erwerbstätigen Arbeitslosigkeit einem schlechteren Job vorziehen würde.

Wie die Daten der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage (ALLBUS) 2006 zeigen, fürchtet ein beachtlicher Teil der Erwerbstätigen in Deutschland um seine Stelle. Ungefähr ein Drittel macht sich Sorgen darüber, seine Arbeit zu verlieren - besonders bei den ostdeutschen Erwerbstätigen ist die Angst um den Arbeitsplatz (über 40%) groß. Dennoch ist nicht jeder bereit, schlechtere Arbeitsbedingungen hinzunehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden: Zwar geben neun von zehn Erwerbstätigen an, bereit zu sein "eine Arbeit anzunehmen, die neue Fähigkeiten und Kenntnisse erfordert". Und die Bereitschaft, irgend etwas zu verändern, um erwerbstätig zu bleiben, ist bei so gut wie allen erwerbstätigen Befragten vorhanden: Nur 2% würde keine schlechteren Arbeitsbedingungen wie zum Beispiel neue Fähigkeiten, Befristung oder längere Fahrt akzeptieren.

Wenn es aber konkret darum geht, eine befristete, eine weiter entfernte oder sogar schlechter bezahlte Arbeitsstelle anzunehmen, ist die Bereitschaft deutlich geringer. Besonders beim Geld hört die Bereitschaft zu Zugeständnissen zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit auf. Zwar würden beinahe drei Viertel aller erwerbstätigen Befragten eine befristete Stelle annehmen und mehr als zwei Drittel würde einen weiteren Arbeitsweg in Kauf nehmen, aber nur etwas mehr als die Hälfte würde auch eine schlechter bezahlte Stelle annehmen. Frauen sind im Vergleich zu Männern eher dazu bereit, eine befristete Stelle anzunehmen, um nicht arbeitslos zu werden (Frauen 76%; Männer 69%). Umgekehrt sind Männer eher als Frauen bereit, einen weiteren Weg zur Arbeit zurückzulegen (Frauen 63%; Männer 76%).

Während sich die subjektiv wahrgenommene Bedrohung von Arbeitslosigkeit in Ost- und Westdeutschland unterscheidet, ist die Bereitschaft, Einschränkungen hinzunehmen, in beiden Teilen Deutschlands relativ ähnlich. Allein bei der Frage nach der Bereitschaft, zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit eine schlechter bezahlte Stelle anzunehmen, gibt es signifikante Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen Erwerbstätigen: 55% der Erwerbstätigen in Westdeutschland geben im Gegensatz zu 46% in Ostdeutschland an, dass sie finanzielle Einbußen hinnehmen würden.

Kontakt:
Dr. Evi Scholz (evi.scholz@gesis.org)
Sophie Müller (sophiemueller@gmx.de)
Kerstin Hollerbach (kerstin.hollerbach@gesis.org)

Kerstin Hollerbach | idw
Weitere Informationen:
http://download.za.uni-koeln.de/index.php3
http://www.gesis.org/Datenservice/ALLBUS/index.htm
http://www.gesis.org/Dauerbeobachtung/Allbus/Aktuelles/Ank%FCndigung2006.htm

Weitere Berichte zu: ALLBUS Bevölkerungsumfrage Erwerbstätige

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Daseinsvorsorge in Stadt und Land sichern
08.11.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht 3, 2, 1, meins: Kaufentscheidungen im Labor erforscht
28.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung