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Betonung wesentliches Indiz - Potsdamer Uni-Wissenschaftler erforschen, woran Kleinstkinder ihre Muttersprache erkennen

07.02.2007
In einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt suchen Wissenschaftlerinnen der Universität Potsdam nach den Gründen für die Fähigkeit von Kleinstkindern, sehr schnell ihre Muttersprachen erkennen und von anderen Sprachen unterscheiden zu können.

In dem aktuellen Forschungsvorhaben geht es speziell um die Frage, wie Kinder Wörter ihrer Muttersprache erkennen lernen, obwohl Sprache aus einem Silbenstrom besteht. Das Team um Barbara Höhle, Professorin im Institut für Linguistik, will wissen, woran die Kleinen erkennen, wo ein Wort anfängt und wo es endet. Erkenntnisse dazu erhofft es sich durch Tests mit Probanden, die nur vier bis 24 Monate alt sind.

Nachgewiesen haben die Potsdamer Linguisten bereits, dass schon sechs Monate alte Kinder, das typische Wortbetonungsmuster ihrer Muttersprache erkennen. Das Betonungsmuster im Deutschen, wonach die meisten Wörter auf der ersten Silbe betont werden, spielt offensichtlich für die Kinder eine entscheidende Rolle bei der Erkennung von Wörtern. In einem zweiten Schritt geht es nun aber auch darum zu erschließen, wie die Kinder die für ihre Sprache typische Betonung überhaupt herausfinden und ob bei Sprachen mit anderem Betonungsmuster dieses die gleiche Rolle bei der Spracherkennung spielt.

Um das zu klären, werden in Tests deutsche und türkischstämmige Kinder, die in Deutschland leben, verglichen. Das Bild komplettieren sollen Untersuchungen an Kindern in der Türkei. Das Türkische ist von den Wissenschaftlerinnen deshalb gewählt worden, weil hier anders als im Deutschen die Betonung eines Wortes auf der letzten Silbe liegt.

Neben der Betonung wird auch die Rolle der Vokalharmonie, eine Besonderheit des Türkischen, die es im Deutschen nicht gibt, für das Erkennen von Wörtern aus dem Sprachfluss untersucht. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass türkische Kinder vokalharmonische Wörter gegenüber nicht vokalharmonischen beim Hören bevorzugen. Deutsche Kinder zeigen in den entsprechenden Untersuchungen keine Vorlieben.

Hinweis an die Redaktionen:
Für Fragen steht Ihnen Prof. Dr. Barbara Höhle im Institut für Linguistik/Allgemeine Sprachwissenschaft der Universität Potsdam unter Tel.: 0331/977-2948 zur Verfügung. Mehr zum Projekt ist auch in der aktuellen Ausgabe der Universitätszeitung "Portal" der Universität Potsdam zu erfahren.

Andrea Benthien | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-potsdam.de/pressmitt/2007/pm030_07.htm

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