Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Reformblockaden durch Politikverdrossenheit?

22.01.2007
Reformblockaden in Deutschland werden gerne damit erklärt, dass der Bevölkerung das Vertrauen in die politische Führung fehlt.

Ob dies tatsächlich stimmt und ob die Menschen Einschnitte in den Sozialstaat bei weniger Politikverdrossenheit eher akzeptieren würden, untersucht ein neues Forschungsprojekt am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart. Die Studie wird von Prof. Oscar W. Gabriel (Abteilung für Politische Systeme und Politische Soziologie) geleitet und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft zwei Jahre lang mit insgesamt 270.000 Euro gefördert.

Seit mehr als einem Jahrzehnt steht Deutschland vor der Herausforderung, die Systeme der sozialen Sicherung den veränderten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen. Trotz des dringenden Handlungsbedarfs hat die Politik - anders als in anderen europäischen Ländern - auf Fragen wie die sinkenden Geburtenraten, den wachsenden Anteil alter Menschen oder die explodierenden Kosten für das Gesundheitssystem bisher noch keine überzeugenden Antworten gefunden. Bei der Suche nach Erklärungen für die Reformblockaden wird häufig auf die Schwierigkeit verwiesen, im kooperativen Föderalismus der Bundesrepublik Reformen durchzusetzen. Andere Erklärungen machen die ideologische Distanz der politischen Parteien für die bestehenden Probleme verantwortlich.

Zunehmende Aufmerksamkeit findet dabei der Umstand, dass seit der Wiedervereinigung in Deutschland ein deutlicher Rückgang des Vertrauens zu parteienstaatlichen Institutionen und Akteuren zu verzeichnen ist. Mehrfach wurde in der politischen Debatte ein Zusammenhang zwischen dem (mangelnden) politischen Vertrauen der Bevölkerung und der Reformfähigkeit der politischen Führung hergestellt. So benannten im Vorfeld der Bundespräsidentenwahl 2004 beide Kandidaten die Wiederherstellung des politischen Vertrauens als notwendige Voraussetzung der Inangriffnahme von Reformen in Deutschland. Auch im Bundestagswahlkampf 2005 begründeten die beiden großen Volksparteien ihren Führungsanspruch mit den Themen "Reform" und "Vertrauen".

Rente, Gesundheit und Familie im Blick

Empirisch fundierte Forschungserkenntnisse, die diese Zusammenhänge belegen, gibt es jedoch bisher nicht. Vor diesem Hintergrund untersuchen die Stuttgarter Wissenschaftler die Bedeutung des Vertrauens in Politiker, Parteien und Institutionen für die Bereitschaft der Bürger, Reformen des Sozialstaates zu unterstützen und zu akzeptieren - auch wenn diese Reformen Opfer abverlangen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Politikfelder Rente, Gesundheit und Familie. Daneben werden auch andere potenzielle Faktoren für die Erklärung der Reformbereitschaft der Deutschen in den Blick genommen. Eine wichtige Rolle spielen hier das Wissen und der Informationsstand über unterschiedliche Reformoptionen, unterschiedliche sozialstrukturell bedingte Interessenlagen sowie ideologische Dispositionen und Wertorientierungen der Bürger. Basis des Projekts ist eine bundesweite, repräsentative Bevölkerungsumfrage, bei der 2.000 Bürger aus West- und Ostdeutschland interviewt werden. Die Befragung wird von Infratest-Dimap durchgeführt.

Weitere Informationen bei Prof. Oscar W. Gabriel, Dr. Katja Neller und Eva-Maria Trüdinger, Institut für Sozialwissenschaften, Abteilung Politische Systeme und Politische Soziologie, Tel. 0711/685-83430, -83427, -83668, e-mail: oscar.gabriel@sowi.uni-stuttgart.de, katja.neller@sowi.uni-stuttgart.de, eva-maria.truedinger@sowi.uni-stuttgart.de.

Ursula Zitzler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-stuttgart.de/

Weitere Berichte zu: Oscar Reformblockaden Sozialstaat Sozialwissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht Sterblichkeit durch Rauchen für ostdeutsche Frauen bald höher als für westdeutsche
10.05.2017 | Max-Planck-Institut für demografische Forschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie